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Mittwoch, 25.02.2015

Keine Kitaplätze für Flüchtlinge

Viele Asylsuchende haben kleine Kinder. Doch die gehen sehr selten in den Kindergarten. Warum?

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© Kerstin Unterstein

Bautzen. Seit mehr als einem Jahr lebt Hichem nun schon in Sachsen. Seine Eltern kamen aus Nordafrika und erhielten in Deutschland einen Duldungsstatus. Drei Jahre ist er alt. Kinder aus Bautzen gehen in diesem Alter normalerweise in eine Kita. Hichem jedoch nicht – wie die meisten Flüchtlingskinder. Von den 130 Flüchtlingskindern im Alter bis sechs Jahre, die im November im Landkreis Bautzen lebten, besuchten 45 eine Kita – also nur ein Drittel. Doch warum ist das eigentlich so?

Flüchtlingskinder können wie alle anderen ausländischen Kinder eine Kindertagesbetreuung in Anspruch nehmen – aber nicht, wenn das Asylverfahren läuft, sondern erst in zwei Fällen: Entweder sie leben nach Abschluss des Verfahrens rechtmäßig in Deutschland oder sie dürfen wegen einer ausländerrechtlichen Duldung in der Bundesrepublik bleiben. „In der Regel sind die Voraussetzungen erfüllt, wenn eine Aufenthaltsgestattung erteilt wurde und die Familie in der zugewiesenen Kommune untergebracht ist“, erklärt Franziska Snelinski vom Landratsamt Bautzen.

Dann gelten für die betroffenen Kinder ohne Einschränkungen die gleichen Rechte auf Bildung, Erziehung und Betreuung wie für inländische Kinder. Zum Beispiel haben Flüchtlingskinder, sobald sie ein Jahr alt sind, einen Rechtsanspruch auf Betreuung bis zum Schuleintritt sowie auf einen Hortplatz. Finanziert werden die Plätze wie für alle anderen Kinder durch einen Landeszuschuss, einen Gemeindeanteil, einen Eigenanteil freier Träger sowie einen Elternbeitrag. Da die Eltern der Flüchtlingskinder Letzteren in der Regel nicht tragen können, übernimmt ihn das Jugendamt.

Warum aber machen dann trotzdem so wenige Flüchtlinge von diesem Recht Gebrauch? „In den meisten Fällen hat das kulturelle Gründe“, erklärt Franziska Snelinski. So sei in den Heimatländern muslimischer Eltern üblich, Kinder in diesem Alter nicht in fremde Hände zu geben. Sie wachsen stattdessen in der Großfamilie auf. Da es für die Eltern in Deutschland schwer ist, Arbeit zu finden, und sie deshalb daheim sind, gibt es oft auch keinen praktischen Grund für einen Kita-Besuch. „Damit sie integriert werden und die deutsche Sprache lernen, bemühen wir uns aber, dass die Kinder im Vorschulalter von etwa fünf Jahren dann in die Kita gehen“, sagt Snelinski. (szo)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. pro Asyl

    Integration?„In den meisten Fällen hat das kulturelle Gründe“- So wie im Artikel beschrieben ist dies der erste Fehler einer verfehlten Integrationskette. Noch Fragen...?

  2. johnjameson

    In der Heimat, wenn überhaupt, auf Grund einer massenhaft bedingten Bildungssituation mit dem Fingerabdruck abstimmen, hier von der Politik als frische Arbeitskräfte für Deutschland deklariert, auch wenn keine Arbeitsplätze vorhanden sind, das ist doch eine schizophrene Integrationspolitik der derzeitigen Regierung

  3. Siegfried Arnold

    Es wird wohl i.a. so sein, dass die Mütter gar keine Arbeitsstelle haben und ohne weiteres für Kinder und Familie frei sind.

  4. Ernst

    Klar, einfach kommen und sich vorn anstellen. Sonst würde sich der weite Weg ja auch nicht lohnen. Und man hätte auch was Nettes zum nach hause posten. Und bringt man "früh" die Kinder in die Kita, dann noch über die Deutschen vielleicht lachen, weil die es eilig haben und auf Arbeit müssen, denn irgendwo muss der Zauber ja herkommen.

  5. Roba

    Nicht jeder Ernst hat einen Anspruch darauf, ernst genommen zu werden

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