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Montag, 11.01.2016

Kein Bock auf BZ

Viele Autofahrer im Landkreis setzen auf die alten Kennzeichen. Auch, um sich bewusst von Bautzen abzugrenzen.

Von Sebastian Kositz

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Bautzen - nein Danke, sagt dieser Autofahrer.
Bautzen - nein Danke, sagt dieser Autofahrer.

© Thorsten Eckert

Bautzen. Drei Jahre nach Wiedereinführung der alten Kennzeichen greifen im Landkreis Bautzen immer mehr Autofahrer auf die ihnen einst vertrauten Buchstabenkürzel zurück. Während mit dem Verschmelzen der Gebiete um Kamenz, Hoyerswerda und Bautzen vor gut sechseinhalb Jahren zu einem Mega-Landkreis zunächst die beiden Buchstaben B und Z für alle Autohalter verbindlich wurden, können sich diese inzwischen längst auch wieder die früheren Kürzel KM für Kamenz, HY für Hoyerswerda oder sogar das bereits 1994 aussortierte BIW für Bischofswerda an die Stoßstange schrauben. Ein Bekenntnis zur Heimat, das allen voran im westlichen Teil des Kreises vielen Autofahrern am Herzen liegt.

Zum Ende des vergangenen Jahres waren im Landkreis Bautzen eine Viertelmillion Fahrzeuge angemeldet. Zwar ziert noch immer das BZ den allergrößten Teil der Flotte. Das Bautzen-Kürzel ziert die Kennzeichen-Bleche von mehr als 168 000 Autos, Bussen und Lastern. Aber: 60 000 Fahrzeugen schmücken sich mit dem KM und immerhin knapp 18 000 mit dem HY. Hinzu kommen noch 4 800 Kennzeichen mit der Kombination BIW. Damit wird ersichtlich: Zumindest statistisch setzt jeder zweite Autohalter aus dem Gebiet des Altkreises Kamenz inzwischen wieder aufs KM. Ähnlich ist das Verhältnis in Hoyerswerda.

Bewusste Abgrenzung von Bautzen

Die Wiedereinführung der alten Kfz-Kennzeichen geht auf eine Initiative des damaligen sächsischen Wirtschaftsministers Sven Morlok (FDP) zurück, der die gesetzlichen Grundlagen dafür seinerzeit mit viel Tamtam in Berlin durchgedrückt hatte. Das Kennzeichen sei eben nicht nur ein Stück Blech, sondern auch ein Stück regionale Identität, hieß es damals. Abgesehen von der Aktion mit der Eierschecke an der Autobahn ist der Einsatz für die Altkennzeichen vermutlich das, was den Menschen vom liberalen Politiker Sven Morlok im Wirtschafts- und Verkehrsministerium am eindrücklichsten in Erinnerung blieb.

Dass der Initiator damit aber durchaus den Nerv vieler Menschen getroffen hat, bestätigten nicht nur die aktuellen Statistiken, sondern auch Experten wie der Heilbronner Professor Ralf Bochert. Der Wissenschaftler hatte damals in einer Studie herausgefunden, dass die Menschen in dem durch mehrere Kreisgebietsreformen auf zehn Landkreise heruntergestutzten Freistaat durchaus nach ihrer einstigen Identität an ihrem Auto gieren. „Das Autokennzeichen ist dafür die beste Möglichkeit. Allerdings wollen die Menschen dabei nicht wie im Landkreis Bautzen auf eine Stadt festgelegt sein“, erklärt Ralf Bochert. Und mehr noch: „Oft möchten die Menschen sogar noch deutlich unterstreichen, dass sie genau dort nicht leben.“

Exoten im Kreis unterwegs

Tatsächlich sind im Landkreis inzwischen aber auch immer mehr Autos zugelassen, deren Besitzer zwar auch irgendwo zwischen Elsterheide und Sohland, Ottendorf und Weißenberg wohnen, deren Fahrzeuge jedoch keines der insgesamt vier verschiedenen hier offiziell erhältlichen Kennzeichen schmückt. Denn seit einigen Jahren – auch dazu wurde das Gesetz entsprechend angefasst – dürfen die bisherigen Nummernschilder bei einem Umzug einfach mitgenommen werden. Ganz egal, wohin die Reise geht. Das führt inzwischen dazu, dass nicht nur in Dresden viele (neue) Stadtbewohner mit einem BZ herumfahren, sondern auch im Kreis Bautzen auswärtige Kennzeichen beheimatet sind.

Nach Angaben aus dem Landratsamt gibt es aktuell im Kreis bereits 2 530 Umzugskennzeichen. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um das DD. Kein Wunder, denn schließlich sind allein in den Jahren 2013 und 2014 jeweils etwa 1 500 Menschen aus der Landeshauptstadt in den Landkreis gezogen. Mehr als irgendwo anders her. Gut vertreten sind nach Worten von Kreissprecher Gernot Schweitzer aber die Nachbarkreise Görlitz (GR), Meißen (MEI), Pirna (PIR), Oberspreewald-Lausitz (OSL) und Spree-Neiße (SPN). Und auch so manch exotisches Kürzel ist gemeldet. Die reichen von AA wie Aalen, über E wie Essen und HAS wie Haßfurt bis zu WT, das für den Kreis Waldshut-Tiengen steht.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Müller

    Die Kamenzer können es einfach immer nich nicht verstehen, dass ihre Stadt nur ein Provinzkaff ist. Außer den Würschteln kam da noch nie was Gutes raus. Lessing, auf den die Kamenzer ja so stolz sind, hat Kamenz in früher Jugend verlassen und ist nie wieder gekommen. Wenn man die Kamenzer so erlebt, kann man ihn gut verstehen. Seit 2008 fühlt man sich um den Kreissitz betrogen, wollte ihn damals sogar Bautzen abspenstig machen. Aber macht doch mal einen Vergleich: Geht abends durch Kamenz und durch Bautzen. In Bautzen gibt es viele schöne Kneipen, in KM nur Dönerbuden und nach 20 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt.

  2. Jürgen Schramm

    Es ist erstaunlich welchen Siegeszug diese sächsische Initiative in allen deutschen Bundesländern angetreten hat. Wissen Sie eigentlich das MY für Mayen und LP für Lippstadt steht? Inzwischen macht das Kennzeichen raten mit den Kindern im Auto wieder richtig Spaß und eine Liste aller liegt zur Not im Handschuhfach. Das war damals eine gute Idee, die sich aus Sachsen heraus durchgesetzt hat!!!

  3. Matze

    Bautzen denkt schon immer es ist der Nabel der Welt. Erst wurde Bischofswerda immer leerer gefegt, Kamenz folgte. Kein Wunder es existieren Leute die nicht mit Bautzen sondern immer noch mit ihrer Heimatstadt sich identifizieren und präsentieren. Das ist Heimat, Wärme und wohlfühlen. Nicht war "Müller" vergessen Sie Ihre Bürgersteige, die sollte Bautzen mal sanieren.

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