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Samstag, 07.10.2017

Johanniter warnen vor Dumpingpreisen für Rettungseinsätzen

Sie retten Leben, helfen im Katastrophenfall und sind im Einsatz für die Gesundheit, auch rund um die Uhr. Ihr sozialer Dienst schlägt sich im Gehalt nicht mehr nieder - und der Nachwuchs wird knapp.

Dresden. Die Johanniter-Unfall-Hilfe hat vor Dumpingpreisen bei Rettungseinsätzen gewarnt. „Da zu mehr als 80 Prozent Personalkosten den Hauptanteil ausmachen, hat sich das Lohnniveau teilweise spürbar nach unten entwickelt“, sagte Bundesvorstand Jörg Lüssem am Rande der Fachmesse „Florian“ für Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz in Deutschland der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Die Johanniter verlören mit ihrer angemessenen Vergütung Aufträge an Mitbewerber, die ihren Mitarbeitern weniger zahlten.

Zudem forderte Lüssem mehr Engagement der Länder bei der Ausbildung von Notfallassistenten. Die Kosten für die Ausbildung müssten sich in der Vergütung der Leistungen durch Kommunen und Kostenträger niederschlagen. Dies sei noch nicht in allen Ländern der Fall.

Lüssem verwies auch auf den drohenden Fachkräftemangel. Die Alterspyramide im Rettungsdienst sei vergleichbar mit anderen Berufsfeldern. In den kommenden Jahren würden viele ältere Mitarbeiter ausscheiden. Noch sei die Attraktivität des Berufs so gut, dass die Johanniter ihren geplanten Bedarf ausbilden könnten, wenn die Kosten dafür refinanziert seien. Künftig aber werde der Wettbewerb um Auszubildende zunehmen.

Lüssem forderte die Länder auf, die sogenannte Bereichsausnahme bei Rettungsdiensten konsequent anzuwenden. Demnach können abseits vom Vergaberecht Aufträge an gemeinnützige Organisationen direkt vergeben werden, wenn sie Dienstleistungen im Rahmen des Katastrophenschutzes, des Zivilschutzes oder der Gefahrenabwehr erbringen. Für Leistungen des täglichen Rettungsdienstes gilt weiterhin ein Wettbewerbsverfahren.

Zudem regte Lüssem an, die Kompetenzen der Notfallsanitäter verbindlich zu regeln. Bisher sind dafür die Länder beziehungsweise die Landkreise und Kommunen zuständig. Das führt dazu, dass die Kompetenzen und Handlungsspielräume unterschiedlich ausgelegt werden. (dpa)