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Donnerstag, 10.08.2017

Jeder Zweite aus Fluchtländern arbeitslos gemeldet

Die Arbeitslosigkeit bei Menschen aus Fluchtländern ist zwar immer noch hoch. Zuletzt fanden aber mehr von ihnen in Sachsen einen Job. Dafür könnte auch eine neue Regelung gesorgt haben.

Der Weg zur einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit ist für arabisch sprechende Menschen ausgeschildert.
Der Weg zur einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit ist für arabisch sprechende Menschen ausgeschildert.

© Symbolfoto: dpa

Dresden. Mehr als die Hälfte der erwerbsfähigen Menschen, die aus einem nichteuropäischen Fluchtland nach Sachsen gekommen sind, haben keinen Job. Die Arbeitslosenquote bei dieser Bevölkerungsgruppe liegt laut den aktuellsten Zahlen von Dezember 2016 bei 59,3 Prozent, wie die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA) erstmals mitteilte.

Damit ist die Quote bei den Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien, dem Irak und dem Iran knapp neunmal so hoch wie im sachsenweiten Schnitt - und mehr als doppelt so hoch wie bei allen Ausländern zusammen.

Zuletzt stieg nach BA-Angaben auch die Zahl der Hartz-IV-Empfäger unter den Menschen aus den nichteuropäischen Herkunftsländern. Im Juni 2017 waren knapp 21 800 von ihnen in den Jobcentern gemeldet und erhielten Hartz IV. Das sind 51,4 Prozent mehr als im Juni 2016. Der starke Anstieg habe mit dem Status der Asylbewerber zu tun. Denn erst wer als Flüchtling anerkannt sei, bekomme Anspruch auf die Grundsicherung, erklärte die BA.

Gleichzeitig fanden aber auch mehr Menschen aus den acht wichtigsten Fluchtländern einen Job im Freistaat. Ende vergangenen Jahres waren knapp 2 800 von ihnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt - rund 1000 mehr als noch im Dezember 2015. Damit ist der Beschäftigungsanstieg in dieser Gruppe mehr als doppelt so hoch wie der von allen Ausländern (plus 22,5 Prozent) und viel kräftiger als der von der Gesamtbeschäftigung (plus 1,7 Prozent), wie die Arbeitsagentur mitteilte.

„Der Wegfall der Vorrangprüfung kann ein Grund dafür sein, dass die Beschäftigungszahlen bei dieser Gruppe zuletzt gestiegen sind“, sagte Frank Vollgold, Sprecher der Regionaldirektion Sachsen der BA. Seit August 2016 sind Betriebe in Deutschland nicht mehr verpflichtet, bei der Besetzung neuer Jobs deutsche Bewerber Flüchtlingen vorzuziehen.

Lars Fiehler, Sprecher der IHK Dresden, sieht einen anderen Grund für den Anstieg. Es sei davon auszugehen, „dass der jüngste Beschäftigungsanstieg geflüchteter Menschen in Deutschland in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der gegenwärtig wachsenden Anzahl von Flüchtlingen steht, die ihre Sprach- und Integrationskurse beendet haben“. Fehlende Sprachkenntnisse sowie mangelnde Ausbildungsreife bleiben demnach aber die vorrangigen Probleme bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Die meisten der 2 800 Beschäftigten aus Fluchtländern kommen aus Syrien (911), gefolgt von Pakistan (511) und dem Irak (422). 85,5 Prozent von ihnen sind Männer. Jeder Fünfte ist Akademiker, knapp ein Drittel ist ungelernt. Die meisten der Beschäftigten aus den Asylherkunftsländern arbeiten im Gastgewerbe (rund 20 Prozent), gefolgt vom Handel (knapp elf Prozent) und dem verarbeitenden Gewerbe (etwa neun Prozent).

Die meisten Jobs für Menschen aus Fluchtländern gibt es in Leipzig (789) und Dresden (723) gefolgt von Chemnitz (248). Im Kreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge arbeiten am wenigsten Menschen mit mutmaßlichem Asylhintergrund: 67. (dpa)