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Donnerstag, 12.12.2013

Jeder zehnte Abwanderer ist aus dem Westen zurück

Die Rückkehrer sind jünger als die Daheimgebliebenen und gut qualifiziert. Aber sie bevorzugen nicht alle Ost-Regionen.

Von Gunnar Saft

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Immer mehr Abwanderer aus dem Osten Deutschlands kommen zurück.
Immer mehr Abwanderer aus dem Osten Deutschlands kommen zurück.

© dpa

Leipzig. Viele Sachsen, die dem Freistaat einst wegen der Jobsuche den Rücken kehrten, vollziehen gegenwärtig einen Richtungswechsel. Gemessen am ostdeutschen Durchschnitt liegt die Zahl der Rückkehrer aus den westdeutschen Bundesländern in Sachsen sogar besonders hoch.

Das ergibt sich aus einer neuen Langzeitstudie des Leibniz-Instituts für Länderkunde in Leipzig, welche die Wochenzeitung „Die Zeit“ am Donnerstag vorstellt. Danach sind von den insgesamt 53.247 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die Sachsen zwischen 1999 und 2010 in Richtung Westen verlassen haben, inzwischen 5.401 wieder in ihr Heimatland zurückgekommen. Die Rückkehrerquote liegt mit rund 10,1 Prozent über dem Schnitt in allen fünf ostdeutschen Bundesländern (9,6 Prozent).

Laut der Studie beschleunigt sich zurzeit allerdings überall der Trend, dass sich mehr frühere Abwanderer im Osten wieder eine neue Existenz aufbauen. Dabei sind überraschenderweise etliche von ihnen bereit, in ihrer alten Heimat sogar für ein geringeres Gehalt zu arbeiten. Auffällig ist auch, dass es die Rückkehrer eher aufs Land als in die Großstädte zieht. Unter ihnen befinden sich zudem viele Hochqualifizierte – Ingenieure, Chemiker, Physiker und Mathematiker. Nicht zuletzt sorgen die Rückkehrer für eine erfreuliche Entwicklung in der ostdeutschen Altersstatistik. Während die Daheimgebliebenen im Durchschnitt 44 Jahre alt sind, kommen die Rückkehrer aus den alten Bundesländern auf etwa 38 Jahre.

Noch profitieren die Regionen in Ostdeutschland aber sehr unterschiedlich von dieser neuen Wanderungswelle. Mit einer Rückkehrquote von 18,6 und 14,9 Prozent führen das Eichsfeld sowie der Kreis Hildburghausen in Thüringen die Rückkehrer-Liste an. „Gerade die einstigen ostdeutschen Grenzgebiete registrieren heute die meisten Heimkehrer“, bestätigt Robert Nadler der SZ. Er ist einer der Autoren der Studie. Seinen Angaben nach gehören die Kreise Sächsische Schweiz – Osterzgebirge (10,6 Prozent) und das Erzgebirge (10,5 Prozent) mit Platz acht und neun zu den sächsischen Gewinnern. Danach folgt der Kreis Mittelsachsen bundesweit auf Platz zwölf. Mit einer Rückkehrerquote von jeweils nur 7,3 Prozent bilden der Kreis Görlitz sowie die Stadt Chemnitz die Schlusslichter im Freistaat. Im Vergleich aller fünf neuen Länder liegt wiederum die Stadt Frankfurt/Oder mit nur 3,6 Prozent ganz hinten.

Gegenwärtig arbeitet das Leibniz-Institut an Konzepten, um noch mehr abgewanderte Ostdeutsche zu einem Neuanfang in ihrer alten Heimat zu bewegen. Helfen sollen unter anderen Hotlines, welche Rückkehrwillige bei der Suche nach Jobs, Schulen oder einer Wohnung unterstützen.

Jeder Zehnte, der in den Westen gegangen ist, kommt wieder zurück. Eine schöne Nachricht. Wir suchen deshalb Menschen, die diesen Schritt gewagt haben oder bald wagen wollen. Antworten unter dem Betreff „Rückkehrer“ bitte per Mail an sz.politik@dd-v.de.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 19 Kommentare

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  1. Alex

    Träumt mal schön weiter! Ich bin in die alten Bundesländer gezogen und um keinen Preis möchte ich wieder zurück nach Sachsen. Das hat nicht nur mit dem Einkommen zu tun, sondern auch mit dem Lebensgefühl, der Toleranz, die ich in den alten Bundesländern wahrnehme. Mir ist auch kein anderer "Ossi" bekannt, der ernsthaft mit dem Gedanken spielt, wieder zurück nach "Dunkel-Deutschland" zu ziehen.

  2. Heinz

    Es ist doch aber klar, welche Art "Rückkehrer" man in Sachsen haben will. Bitte nur Hochqualifizierte, die sich ein Häuschen auf dem Lande oder die steigenden Mieten in den Städten leisten können. Aber Deutschland besteht eben nicht nur aus dieser "Kaste". Die, die in "normalen" Jobs arbeiten, bleiben auf der Strecke, da auch in Sachsen die Löhne stagnieren und der Niedriglohnsektor größer und größer wird. Das sind dann die, die den potenten Rückkehrern das süße Leben ermöglichen, selbst aber kaum davon profitieren. Zudem kenne ich viele Menschen, die Deutschland verlassen wollen und werden. Ich selbst spiele auch mit dem Gedanken, da mir das Land zu eng wird und ich, dank der Rentenentwicklung, keinen Grund mehr sehe, die Blankoscheck-Wirtschaft weiter zu unterstützen. Zudem wird die Jobgarantie für Akademiker bald ein Ende finden. Die Unis sind überfüllt und damit sinkt der Wert der Ausbildung dort.

  3. Robert

    @Heinz: Besser hätte ich das auch nicht schreiben können! Sie haben mir die Worte aus dem Mund genommen. Warum sollte man nach Sachsen zurückkommen, wenn man schon den Schritt gemacht hat, wo anders Fuß zu fassen?! Eben! Es gibt keinen Grund dafür. Keinen einzigen!

  4. Mike

    @Robert: Mir würde gleich einer einfallen: Wenn man als Paar im Westen Fuß fasst, beide berufstätig sind, dann Kinder bekommt und auf Fremdbetreuung angewiesen ist während sich die Omas zu Hause langweilen.

  5. Bernd

    Schön, das es hier schwarz auf weiß steht: „Jeder zehnte … ist ... zurück“ - d.h 90% sind weg!

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