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Mittwoch, 04.10.2017

In Sachsen gut gelandet

Elisabeth Hart ist Kabarettistin im Ensemble der „Academixer“, die ihr Vater Jürgen 1966 gründete. Dort ist ihr jetzt „Alles Wurschd“.

Von Peter Ufer

Elisabeth Hart
Elisabeth Hart

© Tom Schulze

Ihr Vater begegnet ihr täglich. Denn im „Academixer-Keller“ hängen ein paar Bilder von Jürgen Hart an der Wand. Am 20. September wäre der Gründer des Leipziger Kabaretts 75 Jahre alt geworden, doch 2002 verstarb er an Knochenkrebs, mit nur 59 Jahren. „Das geht mir an solch einem Gedenktag noch immer sehr nah“, sagt Elisabeth Hart in feinem Hochdeutsch. Seit 2012 spielt sie nun im Ensemble der „Academixer“ mit. Und am Tag der Wahl zum Bundestag stand sie auf der Bühne im nagelneun Stück „Alles Wurschd“.

Da tritt sie in der Rolle der Solli Janka, Betreiberin der topmodern Metzgerei „Meating Point“ auf, und dreht die Probleme Deutschlands durch den Fleischwolf. Sie fragt nach Inhaltsstoffen der Politik und findet, dass „in Libyen Frauen von der Gleichberechtigung so weit entfernt sind wie die AfD vom Grundgesetz“. Das Stück verwurstet alles, was die Sachsen im Augenblick bewegt und steht fast täglich auf dem Spielplan des Kabaretts. Die Lachmesse, das europäische Humor- und Satirefestival wird am 15. Oktober damit eröffnet.

Dabei wollte Elisabeth Hart eigentlich nie ins Kabarett. Die 32-Jährige studierte von 2004 bis 2008 Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“, ging an die Bühnen nach Bochum und später Chemnitz, aber sie hatte keinen Spaß dort. „Ich wurde das Gefühl nicht los, dass wir an den Problemen der Menschen vorbei spielten. Das wollte ich nicht und ging.“ Genau genommen ging sie in die Luft, denn sie machte in der Rhön eine Ausbildung zur Fluglehrerin fürs Gleitschirmfliegen. „Endlich bekam ich wieder Luft“, sagt sie.

Zuhause in Leipzig bei Papa Jürgen und Mutter Katrin, die auch bei den „Academixern“ spielte, wurde übrigens nie Sächsisch gesprochen. Elisabeth Hart sagt: „Meine Eltern quasselten nur auf der Bühne in Mundart. Aber es gibt schöne Worte, die ich gern gebrauche, zum Beispiel lawede. Und wenn ich trotz meiner Sprechausbildung ,Schärm` statt Schirm sage, dann kann ich meine Heimat nicht mehr verleugnen.“ Das will sie auch nicht, sondern kehrte Nachhause zurück, weil 2011 eine Frau für eine Rolle bei den „Academixern“ gesucht wurde. Nun ist sie da und glücklich.

Dieser Artikel erschien in der Sonderausgabe „off säggsch“ der Zeitung