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Montag, 13.03.2017

In Sachsen fehlen Wohnungen für alte Menschen

Eine bundesweit einmalige Studie zeigt, dass viele Häuser für Bewohner mit Einschränkungen umgebaut werden müssten.

Von Thilo Alexe

In Sachsen bewohnen knapp 88 Prozent der Menschen mit einer motorischen Behinderung Wohnungen, die grundlegende Kriterien der Barrierefreiheit nicht oder nur teils erfüllen.
In Sachsen bewohnen knapp 88 Prozent der Menschen mit einer motorischen Behinderung Wohnungen, die grundlegende Kriterien der Barrierefreiheit nicht oder nur teils erfüllen.

© dpa

Dresden. Wer im Rollstuhl sitzt oder sich auf einen Rollator stützt, benötigt zu Hause Platz, um ohne anzustoßen fahren zu können: Hauseingang, Flur, Treppe, Fahrstuhl. Der Raum dafür fehlt jedoch häufig. In Sachsen bewohnen knapp 88 Prozent der Menschen mit einer motorischen Behinderung Wohnungen, die grundlegende Kriterien der Barrierefreiheit nicht oder nur teils erfüllen. Das betrifft auch viele Senioren mit altersbedingten Einschränkungen.

Etwa 74 000 Wohnungen müssten modernisiert werden, bis 2030 steigt der Bedarf auf 77 000 Wohnungen. Das ist das Ergebnis einer Studie zu Wohnbedürfnissen Behinderter, die Sachsen als erstes Bundesland in Auftrag gegeben hat. Die Umfrage-Ergebnisse verdeutlichen, dass auch Menschen mit sensorischen Behinderungen – dazu zählen Defizite beim Hören und Sehen – Probleme beim Wohnen haben. Mehr als die Hälfte (58,3 Prozent) leben in Sachsen in Wohnungen, die Anforderungen wie gutes Erkennen von Treppenanfängen oder feste Bodenbeläge nicht oder nur teils erfüllen.

Für die Studie wurden mehr als 17 000 Menschen mit Behinderungen im Kreis Bautzen, dem Erzgebirgskreis und in Leipzig angeschrieben. 2 400 Fragebögen kamen zurück. Aus der nicht in allen Teilen statistisch belastbaren Erhebung wurden Prognosen erstellt sowie Kriterien entwickelt. Zu den Grundbedingungen für Rollstuhlfahrer oder auf Rollatoren Angewiesene zählen demnach ein leicht befahrbarer Zuweg, eine einfach zu durchfahrende Haustür sowie ein schwellenloser Zugang zur Wohnung. Alte Menschen ab dem 70. Lebensjahr sollten in Wohnungen mit Abstützmöglichkeiten wie Griffen im Bad und gefahrlos begehbaren Treppen leben.

Der größte Anpassungsbedarf besteht bei Wohnungen und dem Wohnumfeld für Menschen, die einen Elektro-Rollstuhl oder Rollstuhl mit Hilfsperson benötigen. Diese Punkte wirken zwar nicht überraschend. Doch weisen die Autoren der Studie, die das auf Materialforschung spezialisierte Dresdner Institut für Holztechnologie erstellte, darauf hin, dass erstmals Kriterienkataloge für barrierefreies Wohnen erarbeitet worden seien. Sie könnten als Planungsgrundlage dienen.

Trotz Defiziten sind 87 Prozent der Befragten zufrieden mit dem Wohnumfeld. Das kann für gute Nachbarschaft sprechen, aber auch dafür, dass sich die Menschen arrangiert haben. Innenminister Markus Ulbig (CDU) appellierte an die Akteure des Wohnungsmarktes, mehr barrierefreie Wohnungen zu schaffen. Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) sagte, Barrierefreiheit nütze allen. Das Land hat seit 2007 mehr als 60 Millionen Euro als zinsgünstige Darlehen für Umbauten ausgereicht.