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Mittwoch, 28.01.2009

In fünf Jahren ist in Sachsen Schluss mit dem UKW-Empfang

Nach dem Umstieg beim Antennenfernsehen hatsich Sachsen auch hier festgelegt. Damit endet 2014 ein Radiozeitalter.

Von Manfred Schulze, Leipzig

Sachsen will in Sachen Technologie den Trend bestimmen, auch bei den Medien. „Wir haben die Umstellung des Fernseh-Antennenempfanges auf digitale Technik im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen und sind auch bei den anderen Medien auf einem guten Weg.“ Das sagte Jens-Ole Schröder, Referatsleiter Medien der sächsischen Staatskanzlei, gestern auf einer Podiumsdiskussion in Leipzig.

Gemeint war die Absicht der Staatsregierung, auch beim Rundfunk bis 2010 den Digitalfunk durchzusetzen und „bis zum Ablauf des 31. Dezember 2014“ den normalen Antennenempfang nur noch als Ausnahme zu dulden. Nichts geht dann mehr, was bisher als Radio galt. Für Schröder völlig normal, „denn auch beim verbleiten Benzin und beim Katalysator gab es einen Stichtag und einen notwendigen Zusatzaufwand“.

Nicht überall Begeisterung

Zudem erhalte der Verbraucher ja einen Mehrwert – zum Beispiel besseren Empfang und mehr lokale Spartenkanäle. Er wisse zwar, dass in anderen Bundesländern mit einer so klaren Terminvorgabe noch gezögert werde, aber Sachsen wolle hier die Pionierrolle übernehmen.

Die Pläne finden nicht überall Freunde. Beim Bundesverband der Verbraucherzentralen betrachtet man den sächsischen Alleingang als „völlig sinnlos und aberwitzig“. Michael Bobrowski, der den langen Weg der Digitalisierung in zahlreichen bundesdeutschen Gremien beratend begleitet, fordert einen „gemeinsamen Termin mit langen Übergangsfristen, für die ein teurer, bislang nicht finanzierter Parallelbetrieb beider Systeme notwendig ist“. Zudem sehe der Verbraucher offenbar den Mehrwert nicht, doch das „per Ordre de Mufti“ durchzusetzen, sei nicht verbraucherfreundlich.

Koordinierung kommt zu spät

Denn bisher sind selbst neue Radios auf analogen Empfang eingestellt, fest im Neu-Pkw installierteund nicht mal nachrüstbar. Bobrowski rechnet mit fünf bis acht Radios pro Haushalt, deutschlandweit mit 200 bis 250 Millionen Geräten, die ohne teure Nachrüstung zu Schrott werden. Dazu kommt, dass man im Auto auf dem Weg von Thüringen nach Sachsen denken würde, an der Landesgrenze ende jeder Empfang. Zweisystem-Geräte kosten derzeit um die 150 Euro, ohne Einbau.

Im März berät die Länder-Rundfunkkommission das Thema, um ein koordiniertes Vorgehen abzustimmen. Doch dazu könnte es bereits zu spät sein. Der 31. Dezember 2014 steht schon in einer Neufassung des sächsischen Privatrundfunk-Gesetzes, das seit September 2008 gilt. „Da ist alles in der Öffentlichkeit besprochen und parlamentarisch debattiert worden“, erklärt ein Sprecher der Staatskanzlei, der die Aufregung nicht nachvollziehen kann. Zudem habe Sachsen das Recht auf einen Alleingang, denn Rundfunk sei Ländersache. Und eine gute Seite habe der Termin ja auch: „Die Bürger können sich jetzt schon darauf einstellen.“