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Montag, 29.02.2016

Immer weniger Sachsen wollen Kinder adoptieren

Auf ein Kind kommen jetzt nur noch drei Bewerber. Der Grund dafür sind die großen Fortschritte in der Medizin.

Von Stephanie Wesely

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© Symbolbild: dpa

Dresden. Für Eltern, die keine Kinder bekommen können, erfüllt sich mit einer Adoption oft ein Lebenstraum. Ihre Chancen auf ein Adoptivkind sind in Sachsen erheblich gestiegen. Kamen Anfang der 1990er-Jahre im Freistaat etwa 20 Bewerber auf ein freigegebenes Kind, sind es heute höchstens noch drei. 2014 haben sich 245 Paare für eine Adoption beworben. Zahlen für 2015 gibt das Statistische Landesamt erst im Sommer bekannt. Am Trend wird sich aber nichts ändern.

„Wir führen das gesunkene Interesse an einer Adoption auf die besseren Möglichkeiten in der Reproduktionsmedizin zurück“, sagt Hanka Böhm, Leiterin des Bereichs Amtsvormundschaft/Pflegschaft der Stadt Dresden. „Viele Frauen können sich so ihren Wunsch nach einem leiblichen Kind erfüllen.“

81 Mütter aus Sachsen meldeten im Jahr 2014 ihre Kinder selbst zur Adoption an. Sie haben dann noch bis zur notariellen Beurkundung Zeit, ihren Entschluss zurückzunehmen. Etwa doppelt so viele Kinder kamen zusätzlich direkt über Kliniken oder die Babyklappen in die Vermittlung.

Frauen, die heute ihr Kind weggeben, sind meist sehr jung und befinden sich in so schwierigen Lebenssituationen, dass sie kein Kind großziehen können. „Viele haben auch Drogenerfahrung, insbesondere mit Crystal Meth“, sagt Birgit Hilsky, Sachgebietsleiterin Adoptionsvermittlung der Stadt Dresden.

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Seit 2014 gibt es für Frauen in Konfliktsituationen das Recht auf eine vertrauliche Geburt. Hierbei verwaltet das Bundesministerium die persönlichen Daten der leiblichen Eltern. „Ist das Kind 16 Jahre alt, hat es einen Anspruch, seine Abstammung zu erfahren. Dann darf es auch ohne Einwilligung der Adoptiveltern Einsicht in seine Adoptionsakte nehmen“, so Hilsky. Dieses Verfahren sollte anonyme Geburten oder das Ablegen in der Babyklappe verhindern. Doch allein in Dresden gab es bislang nur vier vertrauliche Geburten, aber ein Vielfaches an anonym zur Welt gebrachten Kindern. In anderen sächsischen Städten ist das ähnlich.

Immer mehr Eltern, die ihr Kind zur Adoption freigegeben haben, suchen später nach ihnen. „Im letzten Jahr hatten wir mehr als hundert solcher Anfragen“, so Hilsky. Das novellierte Adoptionsrecht erleichtert diese Suche. Bei der sogenannten halboffenen Adoption bekommen die leiblichen Mütter regelmäßig Fotos ihrer Kinder und Briefe zugeschickt.

Die Hälfte aller Adoptionen in Sachsen sind Stiefkindadoptionen –  etwa ein Drittel davon durch gleichgeschlechtliche Partner. Das Leben mit einem adoptierten Kind stellt Eltern vor Herausforderungen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Sanila

    Vielleicht ist der Grund nicht der Fortschritt der Medizin, sondern die unglaublichen Hürden der Bürokratie.

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