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Donnerstag, 17.05.2018

Immer mehr Schüler schwänzen

Die Verfahren gegen Schulverweigerer in Sachsen häufen sich. Den Eltern drohen Bußgelder.

Von Andrea Schawe

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Wenn ein Schüler fünf und mehr Tage in einem Schulhalbjahr unentschuldigt fehlt, leitet die Behörde ein Verfahren ein.
Wenn ein Schüler fünf und mehr Tage in einem Schulhalbjahr unentschuldigt fehlt, leitet die Behörde ein Verfahren ein.

© dpa

Dresden. Leistungsdruck, Mobbing oder einfach nur keine Lust auf Unterricht: Die Zahl der Schulverweigerer steigt. Im vergangenen Jahr gab es in Sachsen insgesamt 7 113 Ordnungswidrigkeitsverfahren, weil die Schulpflicht nicht erfüllt wurde. Das geht aus einer Antwort von Kultusminister Christian Piwarz (CDU) auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor.

Im Jahr zuvor meldeten die Landkreise und kreisfreien Städte 6 144 Verfahren. Der Anteil schwankte in den vergangenen fünf Jahren zwischen 1,2 und 1,5 Prozent der Schüler. Im Schuljahr 2017/18 nahmen knapp zwei Prozent der 367 000 Schüler nicht regelmäßig am Unterricht teil. Besonders häufig wird an den Berufs- und Oberschulen geschwänzt – sie machen 85 Prozent der Verfahren aus. An Gymnasien kommt längeres Schwänzen deutlich seltener vor. 2017 gab es 62 Verfahren. Gegen manche Schüler gab es mehrere Anzeigen.

Nach dem sächsischen Schulgesetz ist es eine Ordnungswidrigkeit, nicht am Unterricht und an den übrigen als verbindlich erklärten schulischen Veranstaltungen teilzunehmen. Es drohen Bußgelder bis zu 1 250 Euro. Ein Verfahren wird eingeleitet, wenn ein Schüler fünf und mehr Tage in einem Schulhalbjahr unentschuldigt fehlt. Die Zahl der tatsächlichen Schulverweigerer, die zumindest ein paar Tage oder stundenweise dem Unterricht fernbleiben, ist noch höher. Im vergangenen Jahr wurden in fast 5 680 Fällen Bußgelder erhoben. Sie fließen in die Haushalte der Landkreise und kreisfreien Städte, die damit rund 618 000 Euro eingenommen haben. Das waren 182 000 Euro mehr als im Jahr davor.

Die meisten Anzeigen gab es in Leipzig. Dort wurden mehr als 2 280 Fälle gemeldet. Danach folgen der Landkreis Görlitz und die Landeshauptstadt Dresden. Die wenigsten Ordnungswidrigkeiten wurden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge festgestellt.

Die Ursachen können vielfältig sein, meist gibt es psychische oder familiäre Probleme. „Leistungsdruck und Angst, aber auch fehlende Perspektiven sind Gründe“, sagt Leonard Kühlewind, Sprecher des Landesschülerrates. Schulsozialarbeiter und Streetworker sollten daher zur Verbesserung des Schulklimas beitragen.

Der Vorsitzende des Landeselternrates, Michael Becker, sieht auch im Lehrermangel eine Ursache für die Entwicklung. „Wenn überlastete Lehrer mit ihrem Unterricht die Schüler nicht mehr begeistern können, macht denen das Lernen keine Freude.“ Auch der Staat verletze seine Schulpflicht, so Becker. „Wegen des hohen Lehrermangels erfüllt er seinen Bildungsauftrag nicht mehr in vollem Umfang“, sagte er. Teilweise könnten Schüler nicht einmal mehr betreut werden. (mit dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 15 Kommentare

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  1. Rudi Wischnak

    Immer wieder ein Genuß über das Versagen des sächsischen Kultus zu lesen und im Hinterkopf die Verantwortung über die Schließung einer intakten Grundschule zu haben. BTW: 40 Millionen Euro Landesmarketing verpulvern vs. Schulen schließen, Lehrer*innen zusätzlich belasten und Eltern in Ungwissheit lassen. Sachsen was ist hier los? Diese Politik kippt ein ganzes Meer auf die Mühlen fremdenfeindlicher Gruppierungen und der blau-roten Hasspartei.

  2. Roba

    Die AFD wollte wohl wissen, mit welchem potenziellen Wählerzuwachs in einigen Jahr sie zu rechnen in die Lage versetzt werden könnte.

  3. Willi

    @2: Wenn ich mir deinen Satz so anschaue, hast du wohl auch öfters mal gefehlt^^

  4. Skakopp

    Fraglich ist welche Früchte Bußgelder tragen, wenn sie uneinbringlich sind, wenn beispielsweise der/ die Erziehungsberechtigte(n) von Grundsicherung leben.

  5. bernoi

    @1 und @2, schon mal daran gedacht dass Schulverweigerer die dann auf die schiefe Bahn geraten nicht immer gleich sich politischen Extremen anschliessen sondern auch ganz normal unter die Räder geraten können von Kriminalität bis Drogen und Obdachlosigkeit ??? Wie wollen wir das Problem lösen ? Strafgelder haben in der Erziehung noch nie etwas gebracht, hier müssen die Jugendämter ran und die Eltern in die Erziehungsverantwortung nehmen. Im übrigen neigen auch Schüler an Privatschulen immer mehr zu Drogen und Schulverweigerung. Die Gründe hierfür liegen darin dass die Eltern sich nur um ihre Selbstständigkeit und ihre Geschäftsgewinne kümmern und keine Zeit mehr für ihre Kinder mehr haben und die Kinder oft mit Geld abspeisen... Nicht jedes Schulverweigerungskind wird deshalb politisch rechts oder linksextrem...

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