Freitag, 23.11.2012
Immer mehr Menschen Opfer häuslicher Gewalt
Die Täter schlagen oft im Schutz der eigenen Wohnung zu. Die Opfer sind zumeist ihre eigenen Ehefrauen oder Partnerinnen. Am Sonntag wird der Internationale Tagen gegen Gewalt an Frauen begangen.
Sachsen verzeichnet einen signifikanten Anstieg der registrierten Fälle häuslicher Gewalt. Symbolfoto: dpa
Dresden. In Sachsen werden immer mehr Menschen Opfer häuslicher Gewalt. In mehr als Dreiviertel aller Fälle (77,5 Prozent) sind Frauen betroffen. Nach Angaben des Landesfrauenrates vom Freitag stieg die Zahl aller registrierten Fälle 2011 um 4,4 Prozent auf 2.831.
Zugleich würden Experten eine hohe Dunkelziffer vermuten, weil viele Betroffene eine Anzeige scheuen. Der Landesfrauenrat hält es deshalb für fatal, dass das Netz an Beratung und Betreuung immer dünner wird. In mehreren Landkreisen gebe es kein einziges Frauenschutzhaus mehr, sagte Dagmar Neukirch, stellvertretende Chefin des Landesfrauenrates.
Nach Darstellung von Neukirch führen mangelnde Hilfsangebote dazu, dass Frauen mit ihren Kinder in Gewaltbeziehungen bleiben oder zu ihrem Partner zurückkehren. Die Statistik zeige auch, dass die Bereitschaft zur Anzeige solcher Straftaten sinke, wenn keine Unterstützung absehbar ist. Neukirch sprach von einem Teufelskreis. Da es bei der Finanzierung von Frauenhäusern um eine freiwillige Leistung gehe, seien die Einrichtungen bei schwieriger Kassenlage in den Kommunen bedroht. „Persönliche Hilfe für gewaltbedrohte Frauen darf nicht davon abhängen, ob sie zufällig in der richtigen Stadt wohnen“, betonte auch Grünen-Vorsitzende Claudia Maicher.
Maicher regte unter anderem eine bessere Weiterbildung für die Polizei sowie verlässliche Angebote für die Opfer an. Die Einführung eines bundesweiten Hilfstelefons im kommenden Jahr sei eine gute Sache. „Das wird aber zur Farce, wenn die letzten Schutzangebote vor Ort abgebaut werden und die Türen verschlossen bleiben.“
An diesem Sonntag (25. November) wird auch in Sachsen der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Die Vereinten Nationen rufen seit 1981 jedes Jahr zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen auf. Laut Statistik suchen alljährlich bundesweit rund 15.000 Frauen in Frauenschutzhäusern Zuflucht. (dpa)
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