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Freitag, 29.08.2008

Hotelier setzt Rechtsextreme vor die Tür

Von Alexander Schneiderund Annette Binninger

Kein warmes Bett in Dresden. Und auch die fröhliche Dampferfahrt fällt ins Wasser. Das an diesem Wochenende in Dresden geplante Treffen von mehr als 100 Rechtsextremisten aus dem In- und Ausland erhielt gestern Mittag um 11.22 Uhr einen deutlichen Dämpfer. Da zieht Dirk Gruhn, Direktor des Dresdner Hotels „art’otel“ die Notbremse: Mit sofortiger Wirkung storniert er die Buchung von 59 Betten und einem Konferenzraum für 110 Teilnehmer und informiert den Veranstalter. „Wir haben storniert, weil wir die Sicherheit und das Ansehen unseres Hauses gefährdet sehen“, begründete Gruhn seinen Schritt. „Gerade in der Hotellerie treffen Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Religionen und Kulturen zusammen – sei es als Gäste oder Mitarbeiter.“ Eine rechtsextreme Gesinnung sei in seinem Haus zu keiner Zeit willkommen.

Die aber wäre zweifellos in seine Zimmer eingezogen, wenn Gruhn nicht in letzter Minute reagiert hätte. Ein „D & V“-Verlag hatte über eine Kölner Buchungsagentur eine Tagung mit Übernachtungsmöglichkeiten gebucht. Nur was sich dahinter versteckte, war Gruhn lange unklar. Erst Recherchen des Kulturbüros Sachsen e.V., die in das Informationsnetz des Hotel- und Gaststättenverbands Sachsen (Dehoga) eingespeist wurden, hätten ihm die Augen geöffnet: Hinter den Buchstaben „D & V“ verbergen sich die Verlage „Druffel“ und „Vowinckel“. Die wiederum gehören wegen ihrer geschichtsrevisionistischen und rechtsextremistischen Publikationen zur beim Verfassungsschutz einschlägig bekannten „Verlagsgesellschaft Berg“ (s. Kasten) von Gert Sudholt. Er ist unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt. Er sitzt zudem im Vorstand der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften sogenannten Kulturvereinigung „Gesellschaft für Freie Publizistik e.V.“.

Rund 120 Teilnehmer aus ganz Deutschland, aber auch aus Schweden, Österreich und Frankreich wollten zu der Tagung zu dem Thema „Das Kriegsende 1918 und seine Folgen“ anreisen. Unter den Gästen: eine ganze Reihe von auch dem Verfassungsschutz bestens bekannten Rechtsextremisten; beispielsweise der wegen eines tödlichen Anschlags verurteilte Erhard Hartung, ursprünglich sollte auch Olaf Rose, Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion erscheinen – und Gert Sudholt selbst.

Klage auf Schadenersatz

Sudholt reagierte empört auf die Stornierung. Es sei doch nur eine „kleine historische Fachtagung“ geplant gewesen. Dreimal habe er schon in Sachsen eine Unterkunft dafür gefunden. Nun klappe es ausgerechnet mit der Premiere in Dresden nicht. „Wir werden das Hotel auf Schadenersatz verklagen“, sagte Sudholt der SZ. Ein „niedriger fünfstelliger Betrag“ komme da zusammen – auch für die erst von Sudholt selbst abgesagte Dampfertour auf der Elbe.

Hotelchef Gruhn schreckt weder die Klage-Drohung noch der eigene Ausfall, den er auf mehr als 20000 Euro schätzt. „Das ist zweitrangig“, meint Gruhn. Er beruft sich auf die Geschäftsbedingungen seines Hotels und sieht sich damit auf der sicheren Seite. Gruhn ist kein Einzelfall. Erst vor wenigen Wochen hatte auch das Steigenberger Parkhotel in Radebeul den Rechtsextremen Zimmer verwehrt. „Man muss nicht jeden Umsatz haben“, hieß es aus der Hotel-Leitung. Dass die Warnungen vor Rechtsextremisten inzwischen greifen, freut auch das Kulturbüro: „Wir sehen das als einen gemeinsamen Erfolg“, sagt Mitarbeiter Markus Kemper.