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Samstag, 08.11.2014

Harsche Kritik an sächsischer FDP-Spitze nach Wahldebakel

Für die Niederlage bei der Landtagswahl gibt Sachsens FDP-Chef dem Zeitgeist und dem negativen Trend aus Berlin die Hauptschuld. Das reicht vielen Liberalen aber als Erklärung nicht aus.

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Der Vorsitzende der FDP Sachsen, Holger Zastrow wird für seine Erklärung zur Wahlniederlage kritisiert.
Der Vorsitzende der FDP Sachsen, Holger Zastrow wird für seine Erklärung zur Wahlniederlage kritisiert.

© dpa

Glauchau. Die sächsische FDP-Spitze muss nach dem Debakel bei der Landtagswahl harsche Kritik aus den eigenen Reihen einstecken. Vor allem junge Liberale attackierten den Landesvorstand am Samstag auf einem Landesparteitag in Glauchau scharf. Philipp Junghähnel, Vorsitzender der Jungen Liberalen in Sachsen, forderte „inhaltliche, strukturelle und personelle Konsequenzen“.

Marcel Seifert vom Kreisverband Chemnitz erklärte, es reiche nicht aus, die Erklärung für die Wahlniederlage Ende August im Ansehensverlust der Bundespartei in Berlin zu suchen. „Ich kann es nicht mehr hören, dass Berlin daran Schuld ist.“ Die sächsische FDP hatte bei der Landtagswahl nur 3,8 Prozent erreicht und damit den Wiedereinzug ins Parlament klar verpasst.

Wähler würdigen Leistungsbilanz nicht

Landeschef Holger Zastrow hatte zuvor in einer eher zurückhaltenden Rede gesagt, die Erkenntnis aus dem Wahlkampf und der Niederlage sei: „Nichts funktioniert, wenn Berlin nicht funktioniert.“ Die Leistungsbilanz der sächsischen FDP sei gut, aber die Wähler hätten nicht zwischen Bund und Land unterschieden. Auf die FDP kämen schwere Zeiten zu. „Ich sehe bei uns keine thematischen Defizite. Aber wir haben einen Gegner und das ist der Zeitgeist. Wir leben in anti-liberalen Zeiten.“

Aus Sicht von Zastrow sollte sich die FDP in der außerparlamentarischen Opposition auf drei Themenfelder konzentrieren: Die Energiepolitik mit der „idiotischen Energiewende“, die Wirtschaftspolitik und die Finanzpolitik.

Die Liberalen wollen in nächster Zeit auf Regionalkonferenzen weiter über die Erneuerung der Partei diskutieren. Auf einem Parteitag im Frühjahr 2015 soll dann ein neuer Landesvorstand gewählt werden. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Carl Klee

    Manchmal sind die Wähler klüger als ein rückwärtsgewandter Holger Zastrow und seine Sächsische FDP es wahrhaben wollen. Mit ihrer sächsischen sogenannten "Fortschrittsoffensive" haben sie sich selbst ins neoliberale Knie geschossen. Eine Rolle rückwärts der Extraklasse mit dem EU-FDP-Abgeordneten Holger Krahmer. Da hilft kein Ablenkungsmanöver, dass Berlin die Schuld am ganzen Dilemma trage. Die Menschen merken schon, mit welcher Partei sie in eine energiepolitische Sackgasse rennen. Noch-Staatsminister Morlok mit seiner Braunkohle-Fixierung, den von ihm hofierten Klima-Lügnern und den Atom-Wiederbelebungs-Sympathien lässt grüßen.

  2. Siegfried Arnold

    Inzwischen paktieren Tillich und Dulig. Es ist kaum erkennbar, wann die FDP wieder charismatische Leute für eine sächsische Regierung aufbieten kann. Jüngere wie ältere FDP-Anhänger werden zunächst eine außerparamentarische Oppositionsrolle spielen müssen, um damit unter sächsischen Oppositionellen Unterstützer zu finden, damit bei der nächsten Wahl die 5%-Hürde geschafft wird.

  3. Roba

    Der Mann kapiert auch nix mehr; schade für einen nach Jahren noch nicht älteren Herrn!

  4. kein Fan

    Sicher, die FDP hat auf breiter Linie versagt, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Leider. Und Fidel Zastrow hatte daran ein gerüttelt Maß Anteil. Aber dadurch ist auch der letzte Leistungsgedanke aus der Politik verschwunden. Die GroKo ist keine Segnung für die, die all die zu vergebenden Geschenke finanzieren müssen. Die Mittelschicht wird zunehmend ausgelaugt, die Abgaben werden immer höher, auch die Sozialleistungen, Arbeiten lohnt nicht mehr. Insofern fehlt mir die FDP. Aber Fidel fehlt mir nicht.

  5. Kretschmann

    Neoliberales wirtschaften Herr Zastrow, immer weiter dereguliert wirkende Marktkräfte und Privatisierung fordern ihren Tribut. Gnadenloser Erfolgsdruck ist zur Norm geworden. Die neoliberale Leistungsgesellschaft fördert bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und bestraft andere, was eine neoliberale Leistungsgesellschaft mit den Menschen macht: Solidarität wird zum Luxus. An ihre Stelle treten befristete Allianzen. In erster Linie geht es darum, immer mehr Profit aus einer Situation zu ziehen. Die Waldschlößchenbrücke ist ihr Symbol.

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