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Freitag, 25.03.2016

Handwerkskammer warnt vor Abzocke

Gewerbetreibende im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erhalten derzeit Post, die sich offiziell gibt. Doch es ist Vorsicht geboten.

Von Regine Schlesinger

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Diese Schreiben gehen derzeit in der Region an viele Gewerbetreibende.
Diese Schreiben gehen derzeit in der Region an viele Gewerbetreibende.

© Repro/SZ

Freital/Dippoldiswalde. Die Gefahr kommt aus dem Fax, schmückt sich mit einem Signet, das dem Bundesadler ähnelt und macht auch sonst einen recht amtlichen Eindruck.

Der Inhalt des Schreibens klingt allerdings dubios und wirft gleich mehrere Fragen auf. Die Rede ist von einer Zweigstelle in Leipzig, die seit der internen Auflösung dezentraler Gewerbeverzeichnisse die Abwicklung der Gewerbeverzeichnisse der Bundesrepublik Deutschland übernimmt.

Dann folgt in holprigem Deutsch die Aufforderung, ein beiliegendes Formular auszufüllen und gebührenfrei per Fax oder Post zurückzusenden, damit die Eintragung in ein zentrales Gewerbeverzeichnis gewährleistet werden kann. Zum Schluss grüßt freundlich „Ihr Gewerbeverzeichnis“. Eine Unterschrift findet sich ebenso wenig wie eine Telefonnummer für Rückfragen, zum Beispiel danach, um welche Zweigstelle es geht, wer hier welche dezentralen Gewerbeverzeichnisse auflöst oder warum diese Daten jetzt zentralisiert werden sollen.

Teures Abo für drei Jahre

Wer noch ein bisschen weiterliest, stößt dann im Kleingedruckten auf des Pudels Kern: Mit der Rücksendung des Formulars wird ein dreijähriges Abo besiegelt, Kosten pro Jahr: stolze 348 Euro. Der Hermsdorfer Tischlermeister Arndt Ihle kennt solche Schreiben zur Genüge. Bei ihm zieht der Dummenfang allerdings nicht. „Ich schmeiße solche Briefe immer gleich weg“, versichert er. Es käme ihm gar nicht in den Sinn, darauf zu antworten. Allerdings kann er sich vorstellen, dass mancher, der in der Eile nicht so genau hinschaut, drauf reinfällt. Deshalb sei es gut, vor dieser Art der Abzocke zu warnen. Auch bei Apothekerin Sylke Fischer von der Löwen-Apotheke in Wilsdruff landen solche Faxe generell im Papierkorb. Sie habe noch nie auf eine solche Aufforderung reagiert oder gar was unterschrieben, sagt sie.

Trotzdem finden sich sowohl die Wilsdruffer Apotheke als auch der Hermsdorfer Tischler unter der langen Liste Gewerbetreibender, die „Ihr Gewerbeverzeichnis“ auf seiner Internetseite präsentiert. Das wundert Sylke Fischer und Arndt Ihle schon. Carolin Schneider von der Handwerkskammer Dresden wundert das nicht. Mit dieser Internetseite würden diejenigen, die hinter den Faxen stehen, versuchen, der ganzen Sache einen seriösen Anstrich zu geben. Auch bei der Handwerkskammer ist bekannt, dass aktuell viele Handwerksbetriebe Anschreiben mit Strich- oder QR-Code eines Registers und dem Betreff „Gewerbe-Meldung.de“ erhalten. Durch die Angabe des jeweiligen Ortes vor dem „Gewerbe-Meldung.de“ soll offenbar der Anschein eines amtlichen Schreibens noch verstärkt werden, sagt Carolin Schneider. Die Handwerkskammer warnt inzwischen auf ihrer eigenen Homepage vor dieser Abzocke, ebenso auch in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Handwerks-Zeitung.

Widerrufsrecht nutzen

Warnungen kommen auch von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Rita Fleischer, die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK in Leipzig, versichert, dass es offiziell weder „dezentrale Gewerbeverzeichnisse“ noch eine „interne Auflösung“ gebe. Was mit der Abwicklung der Gewerbeverzeichnisse der Bundesrepublik Deutschland gemeint sei, bleibe schleierhaft. Hinter dem scheinbar amtlichen Schreiben steht eine Limited-Gesellschaft mit Sitz in Leipzig und in Malta, die für Auskünfte allerdings nicht zu erreichen war. „Jeder Gewerbetreibende sollte vor Unterschriftleistung oder Rücksendung prüfen, ob dieses kostenpflichtige Angebot für die Eintragung in dieses Branchenverzeichnis für ihn wirtschaftlich wirklich sinnvoll ist“, rät Rita Fleischer.

Carolin Schneider von der Handwerkskammer weist außerdem darauf hin, dass es für diejenigen, die das Angebot als vermeintlich kostenloses angenommen haben, davon aber wieder zurücktreten wollen, ein siebentägiges Widerrufsrecht gibt. Der Widerruf muss schriftlich per Brief, Fax oder Einschreiben erfolgen.

Ansprechpartnerin für Anfragen ist bei der Handwerkskammer Dresden Uta Görbert, 0351 4640453 oder uta.goerbert@hwk-dresden.de

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Roba

    Entsprechend der Berichterstattung der "Tatsachenpresse" gehen viele Handwerker montags, wenn Däbritz ruft, in DD und anderswo "spazieren"; ist Es verwunderlich, wenn auch an den anderen Tagen die geistigen Kapazitäten nicht ausreichen, Abzockversuche als solche zu erkennen? Die Handwerkskammer sollte Bildungskurse anbieten, um das Bildungsdefizit der Mitglieder zu reduzieren.

  2. Peter Pelikan

    Herrjehchen! Haben da bei jemandem die Medikamente mal wieder nicht gewirkt? Ein Tip, # 1: das können sie nur, wenn man sie auch nimmt! ;-)

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