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Samstag, 11.11.2017 „Sächsisch betrachtet“

Halbe Regierung auf der Flucht ...

... und was fleißige Handwerker damit zu tun haben könnten. Eine Kolumne von Gunnar Saft.

SZ-Redakteur Gunnar Saft.
SZ-Redakteur Gunnar Saft.

© Robert Michael

Es ist eine oft gehörte Frage: Wird im sächsischen Landtag auch mal etwas Konstruktives gemacht? Diese Woche lautet die eindeutige Antwort: Jaaa! Nur eine halbe Stunde brauchten dort die fleißigen Haushandwerker, um am Donnerstag eine Sitzreihe im Plenarsaal exakt so umzubauen, dass die fünf abtrünnigen AfD-Fraktionsmitglieder wieder sicher Platz nehmen können – allen voran Frauke Petry. Die „Blaue Gruppe“, wie man sich jetzt selber nennt, sitzt nun eingezwängt und etwas verloren zwischen ihren deutsch-alternativen Ex-Kollegen und den CDU-Abgeordneten und hat zudem keinen eigenen Platz mehr in der ersten Reihe. Das Landtagspräsidium, so heißt es, hätte sich bei der neuen Sitzordnung etwas gedacht. Die Blauen werden anderer Meinung sein. Zumindest blieb beim Umbau keine Schraube übrig. Somit gilt: Passt, wackelt und hat Luft. Ein Hoch auf unsere Fachleute im Parlament!

Kommen wir nun wieder zurück zu unseren Politikern oder zumindest zu denen, die uns jetzt in hellen Scharen einfach verlassen. So reist Noch-Ministerpräsident Stanislaw Tillich in der kommenden Woche nach China. Sachsens Staatsregierung ist deshalb künftig führungslos, denn auch Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig verreist – übrigens nach China. Und einer, dem man durchaus zutrauen könnte, die beiden problemlos zu ersetzen – Umwelt- und Agrarminister Thomas Schmidt – ist auch nicht da. Er reist durch – China. Für etwas Freude sorgt lediglich Gleichstellungsministerin Petra Köpping. Die reist nächste Woche zwar auch aus, aber lediglich nach Jordanien. Und das liegt dann nur in Richtung China. Warum das halbe Sachsen-Kabinett gleichzeitig ins Reich der Mitte fliegt, darüber kann man nur spekulieren. Porzellan zerschlagen kann man jedenfalls auch zu Hause in Meißen. Vielleicht liegt es aber an den Landtagshandwerkern. Die können sicherlich auch trefflich am Kabinettstisch sägen.