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Dienstag, 29.11.2016

Gut zu wissen

Warum die Sächsische Zeitung ab heute stärker auf konstruktiven Journalismus und gute Nachrichten setzt.

Von Oliver Reinhard

Gut zu wissen: SZ-Geschichten, die inspirieren und motivieren.
Gut zu wissen: SZ-Geschichten, die inspirieren und motivieren.

Die Welt ist schlecht und wird immer schlechter. Wohin man blickt, überall Verbrechen und Kriege, Täter und Opfer, Korruption und Katastrophen, Extremisten, Skandale, Unfälle ...

Stimmt das? Steht es wirklich so schlimm um die Welt? Natürlich nicht. Aber warum wirkt es dann oft so? Weshalb wird so oft hauptsächlich über das Dunkle, Negative, Böse berichtet?

Die Folge dieser einseitigen Berichterstattung ist ein Bild der Realität, das mit der unmittelbaren Lebenswirklichkeit der meisten Menschen kaum noch etwas zu tun hat. Dabei ist es eine der obersten Aufgaben von Journalisten, die Wirklichkeit möglichst wahrheitsgetreu wiederzugeben.

Eben dies werden wir in der Sächsischen Zeitung ab heute weitaus intensiver als bisher versuchen. Wir wollen uns noch stärker auf das konzentrieren, was guten Journalismus im Kern ausmacht: Er will das ganze Bild in den Blick nehmen. Er betrachtet die Welt mit beiden Augen. Er behandelt gute Nachrichten mit der gleichen Intensität, Seriosität und Leidenschaft wie schlechte. Er kann also nicht nur, er muss Geschichten erzählen, die zeigen: Die Welt ist zwar oft bösartig und gefährlich, aber ebenso voller Hoffnungen und Möglichkeiten, voller Menschen, die sich engagieren, Probleme anpacken und das Leben ein wenig schöner machen wollen, nicht nur für sich allein.

Die heutige Ausgabe der SZ steht ganz im Zeichen dieser guten Nachrichten. Auf viele weisen wir besonders hin mit dem Logo „Gut zu wissen. SZ-Geschichten, die inspirieren und motivieren“. Genau darum geht es uns: Neuigkeiten, die nicht nur gut im Sinne von positiv sind. Sondern konstruktiv.

Warum das Logo ein lächelndes Gesicht zwischen zwei frustigen zeigt? Weil wir aus Gründen der nachrichtlichen Relevanz natürlich weiter über die Probleme und Konflikte unserer Welt berichten – aber die guten Nachrichten trotzdem nicht nur als nette gelegentliche Nebensachen behandeln werden. Der konstruktive Journalismus blendet nämlich weder aus noch färbt er schön. Doch ebenso wenig begnügt er sich damit, Probleme lediglich darzustellen und Verantwortliche zu benennen. Er geht einen Schritt weiter. Er blickt nach vorne. Er fragt: „Und was nun?“

Konstruktiver Journalismus arbeitet lösungsorientiert. Er sucht, wann immer es möglich ist, nach Menschen oder Institutionen, die Ideen haben, wie eine Lösung womöglich aussehen könnte. Egal, ob es darum geht, Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zu bringen oder den Ärztemangel in ländlichen Regionen zu beheben.

Damit verfolgt er weit mehr als einen bloßen Selbstzweck: Ein Übermaß negativer Nachrichten hat weitreichende Folgen für die Gesellschaft. Studien zeigen, dass die Konzentration auf „bad news“ und die Verzerrung der Wirklichkeit zu Frustration, Pessimismus und Zynismus führt. Bei Journalisten ebenso wie bei Lesern und Zuschauern. Wer denkt, die Welt werde immer schlechter, glaubt als Konsequenz oft, dass Probleme und Konflikte nicht mehr gelöst werden können, dass die Politik, ihre Institutionen und sogar die Demokratie ausgedient haben. Was Extremisten gerne ausnutzen, um die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben.

Aber warum sehnen sich so viele Menschen dann nach schlechten Nachrichten? Falsche Frage: Tatsächlich gibt es diese Sehnsucht gar nicht. Laut Forsa- Institut wollen 80 Prozent der Deutschen nicht nur über Probleme informiert werden, sondern auch über Lösungsansätze für die Herausforderungen an Gesellschaft und Weltgemeinschaft. 73 Prozent wünschen mehr News, die Hoffnung und Mut machen. Und unsere eigenen Studien über das Leseverhalten von SZ-Abonnenten belegen: Sie nehmen negative Nachrichten nicht intensiver wahr als positive. Im Gegenteil.

Es ist ein weiterer Grund für unseren Entschluss, das Projekt „Gut zu wissen“ nicht auf diese eine Sonderausgabe zu begrenzen. Der konstruktive Journalismus soll die Sächsische Zeitung ab heute noch bewusster, gezielter und konsequenter kennzeichnen als in der Vergangenheit – und zu ihrem festen täglichen Bestandteil werden.

Gewiss, das ist eine große Herausforderung für uns und nicht zuletzt ein intensiver Lernprozess. Wir würden uns freuen, wenn Sie, liebe Leser, diesen Prozess kritisch begleiten und uns Ihre Meinung dazu mitteilen. Vielleicht denken Sie ja wie wir: Medien sollten die Welt nicht besser darstellen als sie ist. Aber eben auch nicht schlechter.

Senden Sie uns Ihre Gedanken, Ideen und Meinungen ganz einfach per Post (Sächsische Zeitung, 01055 Dresden) oder per Mail an redaktion@ddv-mediengruppe.de