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Dienstag, 19.01.2016 SZ-Schulnavigator

Großer Schritt für kleine Leute

Der SZ-Schulnavigator hilft Eltern wieder bei der Suche nach der weiterführenden Schule.

Von Franziska Schneider

© Wolfgang Wittchen/Symbolbild

Tom würde gern ans Benno, aber seine Eltern finden das Gymnasium Dreikönigsschule passender. Wenn am 26. Februar alle Viertklässler in Sachsen ihre Bildungsempfehlungen in der Hand halten, beginnt der große Verschiebebahnhof. Am Ende steht fest, ob Tom seinen Willen bekommt – oder seine Eltern. Die weiterführende Schule bestimmt die Laufbahn der Neun- und Zehnjährigen, sie bestimmt mitunter ihren späteren Beruf und ihren Verdienst. Ein großer Schritt für kleine Leute.

Seit fünf Jahren hilft der Schulnavigator Eltern und ihren Kindern bei dieser schweren Entscheidung. Schulforscher der Technischen Universität Dresden befragen dafür Eltern von Schülern in Dresden und Ostsachsen. Wie zufrieden sind Sie mit ihrer Schule? Erhält ihr Kind Nachhilfeunterricht? Würden Sie sich wieder für diese Schule entscheiden? Die Forscher rund um Professor Wolfgang Melzer haben diese Fragebögen seit 2010 mehr als 73 000 Eltern in der Region vorgelegt. Über die Jahre haben ihn 17 400 Eltern an insgesamt 58 Gymnasien und 92 Oberschulen beantwortet und damit die Leistungen der Schule ihres Kindes bewertet – die größte Elternbefragung in Sachsen. Noch in diesem Jahr sollen die Eltern aller 162 sächsischen Gymnasien befragt werden.

Idee des Schulnavigators ist auch, zur Verbesserung der Qualität an den Schulen beizutragen – in Zeiten, da die Schulevaluation des sächsischen Kultusministeriums ausgesetzt ist. Das Ministerium unterstützt die Befragung: „Mir gefällt die Grundidee des Schulnavigators ‚Eltern raten Eltern‘. Wenn das Elternurteil sachlich vorgebracht wird, ist es für andere Väter und Mütter, die nach einer weiterführenden Schule für ihr Kind suchen, sehr wertvoll. Zusammen mit dem Schulportal der Kultusverwaltung erhalten Eltern in dieser Situation eine wichtige Orientierungshilfe“, sagt Kultusministerin Brunhild Kurth.

Die Ergebnisse der Gymnasial-Befragung von 2014 sind auf dem Portal www.schulnavigator.de online abrufbar – nicht minder aktuell. Das Schulklima sei in der Regel stabil, sagt Wolfgang Melzer. Die Stimmung an einer Schule ändert sich in der Regel nicht von Schuljahr zu Schuljahr. Auch die Befragungsergebnisse waren zwischen 2010 und 2014 recht stabil: Die Eltern geben den Gymnasien im Schnitt die Note 2, wenn sich auch das Notenspektrum zuletzt etwas verbreitert hat (Bewertungen zwischen 1,3 und 2,7).

Die Methode der Wissenschaftler hat sich über die Jahre leicht geändert. So wurden etwa zunächst Fragebögen an den Schulen verteilt, zuletzt waren sie online abrufbar, auch wurden einige Fragen leicht verändert. Dennoch lassen sich aus den drei Gymnasialbefragungen 2010, 2012 und 2014 leichte Trends ablesen: So ist die Zeit, die Eltern für die schulische Förderung ihrer Kinder aufwenden, gesunken: Der Anteil der Eltern, die gar keine Zeit dafür haben, stieg von knapp 23 Prozent im Jahr 2010 auf zuletzt 35 Prozent. „Aus repräsentativen Untersuchungen wissen wir, dass sich die Unterrichtsqualität und die Unterstützung der Schüler durch die Lehrer im letzten Jahrzehnt verbessert haben. Das wird offenbar auch von Eltern registriert, die ihre Kinder etwas stärker als früher in der Schule gut aufgehoben sehen und sich deswegen etwas zurückziehen können“, sagt Melzer.

Die Berichterstattung über Gewalt an Schulen scheint Eltern zu sensibilisieren. So hat die von ihnen angenommene Gewalt und Kriminalität an den Gymnasien zwischen 2010 und 2014 zugenommen. Zugleich ist davon konstant nur gut jedes zehnte Kind betroffen. „National und international gibt es einen Trend zur Verbesserung bei Gewalt und Mobbing unter Schülern. Dem steht eine Dramatisierung von Gewalt in der Öffentlichkeit gegenüber“, so der Bildungsexperte.

Die Gründe, weshalb sich Eltern für eine Schule entscheiden, sind vielfältig. Wohnortnähe ist der wichtigste Faktor, gefolgt vom Ruf der Schule. Steigende Schülerzahlen befeuern den Wettbewerb: Zumindest wird der gute Ruf nach Angaben der Eltern immer wichtiger. Professor Melzer sagt: „Letztlich ist es auch eine Aufgabe des Schulnavigators, das, was den guten Ruf einer Schule ausmacht, anhand konkreter Informationen zu unterfüttern.“

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