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Montag, 11.01.2016

Große Parteien schrumpfen weiter

Die Mitglieder sind zu alt und Nachwuchs fehlt. Experten sehen bisher nichts, was diese Entwicklung umkehren könnte.

Dresden. Der Mitgliederschwund bei den großen Parteien hat sich in Sachsen im vergangenen Jahr fortgesetzt. Zulegen konnten hingegen die Grünen und die rechtskonservative AfD, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Demnach blieb die CDU mit 11 391 Mitgliedern Ende November 2015 zwar stärkste Partei, musste aber verglichen mit dem Vorjahr ein Minus von 523 Mitgliedern hinnehmen. Die Linken verbuchen noch rund 8 700 Genossen – 5,7 Prozent weniger. Die SPD verliert 122 und kommt auf 4 414 Mitglieder. Die Grünen gewinnen 16 und stehen jetzt bei 1390. Die AfD steigerte sich trotz rund 50 Austritten nach dem Lucke-Abgang von 783 auf 951 Mitglieder.

Neben einem allgemeinen Trend macht etwa die Union aktuelle politische Entwicklungen für ihre Mitgliederverluste verantwortlich. So treibe die Asyl- und Flüchtlingspolitik auch die CDU-Mitglieder um, hieß es. Als „Schwankung im üblichen Rahmen“ bewertete die SPD ihren Rückgang. In den vergangenen 20 Jahren habe die Mitgliederzahl meist zwischen 4 000 und 5 000 gelegen. Mit Gastmitgliedschaften zu einem Beitrag von monatlich 2,50 Euro versucht die Partei, Menschen zeitweilig zum Mitmachen zu bewegen. Diese haben in Versammlungen Rede- und Antragsrecht, können Personalvorschläge machen, dürfen aber nicht abstimmen und an Wahlen teilnehmen. Landesweit gibt es derzeit 39 solcher Gastmitglieder.

Die Linken rechnen auch künftig mit einem Mitgliederrückgang – schon aus demografischen Gründen. Die im Jahr 1929 Geborenen seien 2015 der stärkste Mitgliederjahrgang gewesen, hieß es. 2016 will die Partei verstärkt um Neueintritte werben. Auf beständigen Zuwachs hoffen die Grünen. Derzeit werde an einem Konzept zur Mitgliederwerbung gearbeitet. Die AfD sieht sich nach eigenen Angaben auf einem „gesunden Wachstumskurs“.

Der Politikwissenschaftler Tom Thieme von der TU Chemnitz macht den Parteien wenig Hoffnung auf eine Trendwende. Die Abneigung vieler Menschen der ehemaligen DDR gegen Parteien allgemein und Politik wirke nach. Das werde an folgende Generationen weitervererbt. Demotivierend wirke auch die inhaltliche Annäherung der großen Parteien. „Warum soll da noch jemand in Parteien eintreten?“(dpa)

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