Samstag, 19.01.2013

Große Nachfrage nach Schwimmkursen

In Sachsen stehen Schwimmkurse ab der 2. Klasse auf dem Lehrplan. Zu spät, finden Experten. Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist groß und der Kampf um „Wasserzeiten“ hart.

In Sachsen ist die Nachfrage nach Schwimmkursen für Kinder groß.
In Sachsen ist die Nachfrage nach Schwimmkursen für Kinder groß.

©dpa

Dresden. Nicht immer können Kinder in Sachsen so zeitig schwimmen lernen wie sie und ihre Eltern das gerne wollen. Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist groß, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Viele Vereine führen mittlerweile sogar Wartelisten. Vielerorts fehlen Schwimmhallen, zudem machen Vereinen und Organisationen die hohen Kosten für die Nutzung zu schaffen.

Anders als in anderen Bundesländern steht in Sachsen der Schwimmunterricht schon ab der zweiten Klasse an. „Dennoch zu spät“, sagte David Kupke, Ressortleiter Schwimmen der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sachsen. Eigentlich müssten Kinder bereits ab dem vierten oder fünften Lebensjahr mit dem Schwimmen beginnen - entsprechend sicher seien sie später im Wasser. Viele Eltern wollen ihre Sprösslinge deshalb rechtzeitig anmelden - und bleiben auf dem Trockenen sitzen. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot etwa um das Doppelte“, sagte Kupke. Die DLRG bietet in Sachsen rund 50 bis 60 Kurse pro Jahr für jeweils bis zu 20 Kinder an.

Zum einen fehlt es in Sachsen nach Einschätzung der DLRG an Schwimmlehrern, zum anderen an Schwimmhallen. „Da sind die Kapazitäten einfach ausgeschöpft.“ Während Spaßbäder mit Rutsche und Planschbecken wie Pilze aus dem Boden schießen, gebe es immer weniger reine Schwimmhallen mit 50-Meter-Bahnen. „Zudem sind die Kosten teilweise so hoch, dass wir uns die Nutzung nicht leisten können“, berichtete Kupke. Um vier 25-Meter-Bahnen nutzen zu können, seien teilweise 100 Euro pro Stunde fällig.

„Das lohnt sich dann oft nicht, zumal wir die Kosten nicht einfach auf die Eltern umlegen wollen und können.“ Die DLRG warnt immer wieder davor, dass jedes dritte Kind bis 14 Jahre nicht schwimmen könne. Tendenz steigend.

Das Schulschwimmen soll diese Lücke schließen. Nach Angaben des Kultusministeriums ist Sachsen das einzige Bundesland, das den Schwimmunterricht seit 2008 flächendeckend in Klassenstufe zwei anbietet. „So können die Kinder früh schwimmen lernen“, sagte eine Sprecherin. 35 Stunden müssten über das gesamte Schuljahr gegeben werden, rund 90 Prozent der Schüler schafften im vergangenen Schuljahr das „Seepferdchen“-Abzeichen. Das heißt, sie können 25 Meter durchschwimmen, tauchen und springen. Insgesamt stehen im Freistaat 108 Hallenbäder zur Verfügung, in 51 sogenannten Schulschwimmzentren können sich die Schüler fit fürs Freibad machen.

Im Dresdner SC Schwimmen lernen derzeit rund 280 Kinder schwimmen. „Die Nachfrage ist riesig, wir haben Wartelisten bis zu einem halben Jahr“, sagte Nachwuchs-Koordinator Reinhard Schulz. Es sei immer schwieriger, Bahnen in den Schwimmhallen zu bekommen. Rund 20 Bahnstunden hat der Verein in den vergangenen Jahren schon abgeben müssen. Die Konkurrenz sei groß, schließlich wollten auch andere Vereine, Freizeit- und Leistungssportler die Bahnen nutzen. „Dafür gibt es einfach zu wenig Wasserfläche und Schwimmhallen.“ (dpa)

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