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Mittwoch, 13.01.2016

Glatteis sorgt für Kettenreaktion

Acht Fahrzeuge sind am Mittwoch auf dem Grenzzubringer in Krauschwitz kollidiert. Die Bergung dauerte Stunden.

Von Alexander Buchmann

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Erst aus der Luft wird das ganze Ausmaß des Unfalls deutlich.
Erst aus der Luft wird das ganze Ausmaß des Unfalls deutlich.

© Polizei

  • Erst aus der Luft wird das ganze Ausmaß des Unfalls deutlich.
    Erst aus der Luft wird das ganze Ausmaß des Unfalls deutlich.
  • Die ineinander verkeilten Lkws haben den Grenzzubringer über mehrere Stunden blockiert.
    Die ineinander verkeilten Lkws haben den Grenzzubringer über mehrere Stunden blockiert.
  • Die Zugmaschine dieses Muldenkippers ist bei dem Unfall komplett zerstört worden. Der Fahrer ist aber zum Glück unverletzt geblieben.
    Die Zugmaschine dieses Muldenkippers ist bei dem Unfall komplett zerstört worden. Der Fahrer ist aber zum Glück unverletzt geblieben.

Krauschwitz. Sechs Sattelzüge, zwei Autos, ein leicht verletzter Autofahrer und ein gestürzter Polizist. Das ist die Bilanz eines Massencrashs auf dem Grenzzubringer nach Polen (S127b) in Krauschwitz, zu dem es am Mittwochmorgen gegen 5.45 Uhr gekommen ist. Überfrierende Nässe hatte im Kreisnorden für spiegelglatte Straßen gesorgt. Dieser ist auch der Winterdienst zum Opfer gefallen, der, nachdem er die spätere Unfallstelle passiert hatte, ebenfalls in einen Graben gerutscht ist.

„Bei Temperaturen um die null Grad Celsius war die Umgehungsstraße offenbar spiegelglatt“, teilt die Polizeidirektion Görlitz mit. Ein 28-jähriger Berufskraftfahrer habe dadurch kurz nach der Einreise nach Deutschland die Kontrolle über seinen mit rund 30 000 Litern Milch beladenen Sattelzug verloren und sei auf der geneigten Fahrbahn nach links in die Gegenfahrspur geraten. Beim Versuch auszuweichen sei ein entgegenkommender BMW dann in den Straßengraben gerutscht. Dessen 56-jähriger Fahrer habe das Auto aber unverletzt verlassen können, so Polizeisprecher Thomas Knaup.

Ein zweiter Sattelzug habe daraufhin an der Unfallstelle angehalten. Der 42-jährige Lkw-Fahrer habe seine Hilfe angeboten, worauf sich der Autofahrer zum Aufwärmen in dessen Fahrerhaus gesetzt hat. In der weiteren Folge hätten sich dann aus Richtung Polen kommend vier Sattelzug-Muldenkipper in Kolonne der Unfallstelle genähert, erklärt der Polizeisprecher. Der 58-jährige Fahrer des ersten Lkws habe nicht mehr rechtzeitig stoppen können und sei auf das Heck des Sattelzugs ausgefahren, in dem der Autofahrer Platz genommen hatte. Dabei sei der BMW-Fahrer leicht verletzt worden. Die Fahrer der anderen Muldenkipper haben ebenfalls nicht mehr rechtzeitig bremsen können und seien aufeinander aufgefahren. Zuletzt sei dann noch ein 23-Jähriger Autofahrer mit seinem Ford aus Polen kommend auf das Heck des letzten Sattelzuges aufgefahren.

Karte

Gegen 6.15 Uhr seien dann die ersten Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Krauschwitz Ost und West an der Unfallstelle eingetroffen, erklärt Einsatzleiter Dirk Enax von der Feuerwehr Krauschwitz West. Viele der Kameraden seien da gerade aus der Nachtschicht gekommen, erklärt er. Die Anfahrt der Feuerwehrleute sei wegen der Straßenglätte aber sehr schwer gewesen und habe nur langsam erfolgen könne. Und auch die Arbeitsverhältnisse vor Ort seien schwierig gewesen. So habe man zuerst einmal den Bauhof Krauschwitz bestellen müssen, um im Bereich der Unfallstelle zu streuen, sagt Enax. Ein Polizist sei bei der Unfallaufnahme sogar gestürzt und habe – ebenso wie der leicht verletzte BMW-Fahrer – ambulant behandelt werden müssen, so Polizeisprecher Thomas Knaup.

Dem Winterdienst des Landkreises sind die vereisten Straßen im Kreisnorden ebenfalls zum Verhängnis geworden, wie die Kreisverwaltung auf Nachfrage der SZ mitteilt. Wenige Minuten nachdem ein Winterdienstfahrzeug um kurz nach halb fünf Uhr den betreffenden Abschnitt der Staatsstraße befahren hat, sei dieses selbst in einen Graben gerutscht. Dem Fahrer des Fahrzeugs und der Technik sei dabei allerdings nichts passiert. „Das Fahrzeug konnte erst 7.12 Uhr, nachdem das Fahrzeug von unseren eigenen Kräften der Straßenmeisterei Weißwasser geborgen und wieder fahrtüchtig gemacht wurde, den Einsatz fortführen“, heißt es vonseiten des Landkreises.

Die Bergung der Fahrzeuge auf dem Grenzzubringer hat indes um einiges länger gedauert. Man werde noch bis in die Abendstunden brauchen, schätzt der Einsatzleiter der Feuerwehr gegen 13 Uhr ein. Zu diesem Zeitpunkt sind erst zwei der Lkw und der verunfallte Ford geborgen und abtransportiert gewesen. Die beiden Freiwilligen Feuerwehren aus Krauschwitz seien mit jeweils zwei Fahrzeugen und insgesamt 15 Kameraden im Einsatz gewesen, sagt Enax. Zusätzlich seien anfangs noch zwei weitere Fahrzeuge und vier Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Bad Muskau - Stadt vor Ort gewesen. Die Hauptaufgabe ist dabei das Absichern der Unfallstelle und die Bergung der Fahrzeuge sowie das Beseitigen auslaufender Betriebsstoffe – also Benzin, Öl oder Ähnliches – gewesen, erklärt Enax.

Der Verkehrsunfalldienst der Polizeidirektion hat die Ermittlungen aufgenommen. Den entstandenen Sachschaden schätzt die Polizei auf mehrere 100000 Euro.