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Samstag, 22.08.2015

Gemeinschaftsgärten werden in Sachsen beliebter

Viele Wege führen zum Grün: Auf Brachflächen in Städten legen Anwohner und Vereine Gärten an. Und es gibt auch den Weg, ein Beet zu mieten.

Von Jörg Aberger

Durch das Anlegen von Gemeinschaftsgärten verschwindet in Städten so manche Brachfläche.
Durch das Anlegen von Gemeinschaftsgärten verschwindet in Städten so manche Brachfläche.

© dpa

Leipzig. Sie tragen bisweilen klangvolle Bezeichnungen wie „Bunte Erde“ oder „Vagabund - Viele Arten-Garten des Bund“. Aus dem Namen „Rote Beete“ lässt sich der ideologische Ansatz ablesen. Was sie gemeinsam haben: Es sind Gärten, die von mehreren Nutzern bearbeitet werden. Bei allen geht es um das Miteinander. Manchmal sind sie auch ein multikultureller Treffpunkt.

So zum Beispiel das Chemnitzer Projekt „Bunte Erde“. „Unser interkultureller Garten ist ein Ort der Begegnung und des Austausches zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Generationen“, heißt es auf der Internetseite. Auf 2 000 Quadratmetern Fläche im Innern eines Häuserkarrees sind Beete angelegt. Es gibt aber auch Spielraum für Kinder und zur Erholung. „Die Beete werden von einzelnen oder mehreren Personen oder Familien nach den eigenen Wünschen bewirtschaftet“, berichten die Macher. Das Projekt wurde mit dem Chemnitzer Friedenspreis 2014 ausgezeichnet.

In Leipzig haben inmitten einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Grünau Mieter und Vermieter zusammen den Gemeinschaftsgarten „Kolonnadengarten“ geplant und angelegt. Charakteristisch ist die mehr als 60 Meter lange Pergola. „Ziel ist es, die Anwohner unterschiedlicher Generationen und Nationalitäten anzuregen, sich in diesem Garten zu treffen, sich gärtnerisch zu betätigen, sich zu erholen, auszutauschen und gemeinsam Kultur erlebbar zu machen“, heißt es in der Satzung des Bürgergartens.

Ebenfalls in Leipzig - im Szeneviertel Connewitz - hat die Leipziger Sektion des Bundes für Umwelt und Naturschutz auf einer 1400 Quadratmeter großen Brachfläche einen Gemeinschaftsgarten angelegt: Den „Viele-Arten-Garten Vagabund“. „Dabei steht nicht nur der Ertrag im Mittelpunkt, sondern auch die soziokulturelle Nutzung der ehemaligen Brachfläche als offener Ort für unsere Gruppentreffen oder für Veranstaltungen“, beschreibt Arbeitskreissprecher Michael Scholz den Ansatz.

Auf 1 700 Quadratmetern bearbeiten in jeder Saison zwischen 20 und 50 Menschen aus verschiedenen Stadtteilen und Altersklassen den Gemeinschaftsgarten Johannstadt in Dresden. Neben den gärtnerischen Angeboten gibt es auch Garten-Erlebnistage für Schulklassen und verschiedene Bildungsangebote für Erwachsene. Der Dresdner Bürgergarten Columbusstraße geht auf eine Initiative des Stadtplanungsamtes zurück und ist der zweite Gemeinschaftsgarten, der vom Verein Haushalten betreut wird.

„Wir wollen die Utopie leben und dazu einladen, eine Alternative zum herrschenden kapitalistischen Wirtschaftssystem aufzubauen“, beschreibt sich die Gemüsekooperative „Rote Beete“ aus Taucha bei Leipzig selbst. In dem Vorort der Messemetropole richtet sich die Kooperative auf den ökologischen Anbau von Gemüse aus. Das Gemüse hat den Angaben der Kooperative zufolge keinen festen Preis. Jeder soll so viel zahlen, wie es ihm persönlich möglich ist. „Mit Überschüssen wollen wir andere Projekte und Aktionen unterstützen“, heißt es.

Kommerziell ausgerichtet ist dagegen das Angebot „Ernte mich“: Richard Hagedorn bietet auf einem 3,5 Hektar großen Grundstück die Möglichkeit, sich ein eigenes Beet anzulegen. Dabei stehen verschiedene Varianten zur Auswahl: Man mietet sein Beet und bestellt es selbst. Es ist aber auch möglich, den Service des Unternehmens zu nutzen und nur selbst zu ernten. Gruppen können zudem größere Flächen anmieten. Hagedorn rechnet vor, dass sich eine Person mit einem 20-Quadratmeter-Beet die ganze Saison über mit frischem Gemüse eindecken kann. (dpa)

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