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Donnerstag, 12.10.2017

Frisch saniertes Haus zerstört

Der Großbrand hielt Sebnitz eine Nacht lang in Atem. Künftige Mieter stehen nun ohne Wohnung da. Und die Polizei sucht Zeugen.

Von Dirk Schulze

Das Haus an der sogenannten Scheunenkurve in Sebnitz stand nachts in Flammen. Die Schandauer Straße war nach den Löscharbeiten bis zum Mittwochvormittag gesperrt.
Das Haus an der sogenannten Scheunenkurve in Sebnitz stand nachts in Flammen. Die Schandauer Straße war nach den Löscharbeiten bis zum Mittwochvormittag gesperrt.

© Marko Förster

Sebnitz. Mit müden Gesichtern sitzen die Feuerwehrmänner unter einem roten Pavillon. Schweißnasse Haare, die Helme auf den Knien, in den Händen Plastikbecher mit Kaffee. Es ist kurz nach zehn am Mittwochvormittag – sie sind seit über neun Stunden auf den Beinen.

Um 0.44 Uhr werden sie von ihren Piepsern aus dem Schlaf gerissen. Einen Großbrand mit mehreren Verletzten in Sebnitz auf der Schandauer Straße meldet die Leitstelle. Beinahe alle Feuerwehren der umliegenden Orte setzen sich in Bewegung. „Als wir ankamen, war der Feuerschein durch das Dach zu sehen“, sagt Björn Hoyer, Einsatzleiter und Chef der Sebnitzer Feuerwehr. Mit Schutzausrüstung dringen die Männer in das vierstöckige Mehrfamilienhaus ein, dessen Dachgeschoss in Flammen steht. Sie durchsuchen die Wohnungen nach Menschen. Bald ist klar, dass niemand im Gebäude ist – das Haus wird gerade saniert.

In der Nachbarschaft indes schreckt Laura Dang mitten in der Nacht durch die Türklingel hoch. „Der Flur und die Küche waren schon total aufgeheizt“, sagt die junge Mutter. Mit ihrem kleinen Sohn wohnt sie im vierten Stock des Nachbarhauses, nur wenige Meter von dem glühenden Dach entfernt. Niemand kann in diesem Moment garantieren, dass die Flammen nicht übergreifen. Mit ihrem Zweieinhalbjährigen auf dem Arm verlässt sie die Wohnung. Alle neun Bewohner des Nachbargebäudes werden von den Rettungskräften abgeholt. Sie verbringen die Nacht auf Matratzen in der Stadthalle. Einer der Nachbarn, selbst bei der Feuerwehr, hatte das Knistern gehört und den Notruf gewählt.

Rings um das Haus ist eine Armada von 14 Feuerwehrautos aufgefahren, dazu ein halbes Dutzend Rettungswagen. Immer wieder greifen Trupps mit Atemschutzgeräten die Flammen von innen durch das Treppenhaus an. Von zwei Drehleitern aus versuchen die Einsatzkräfte, gleichzeitig das Feuer von außen zu löschen. Doch das Dach macht Probleme. Bei einem Ziegeldach sprengt die Hitze die Dachziegel auf, der Wasserstrahl trifft direkt in die Flammen. In dieser Nacht haben es die Feuerwehrleute jedoch mit einem Blechdach zu tun. Von außen ist kein Rankommen – das Löschwasser perlt einfach ab. Die Glut frisst sich unterdessen von einer Giebelseite bis zur anderen durch die Balken. Erst als die Aluminiumhaut aufbricht, ist der Löschangriff auch von oben effektiv. Gegen vier Uhr früh sind die größten Flammen gelöscht. Bis in den Vormittag hinein müssen die Feuerwehrleute aber immer wieder mit der Kübelspritze hinaufsteigen und Glutnester in den Holzbalken ersticken. Insgesamt 65 Feuerwehrleute sind im Einsatz.

Das Haus war fast fertig saniert. Fenster, Dach, die fliederfarbene Fassade – alles neu. Noch vor Weihnachten wollten die ersten Mieter einziehen, ihre alte Wohnung haben sie bereits gekündigt, sagt Jurek Twaridosz, der die Immobilie für den polnischen Eigentümer verwaltet. Daraus wird nichts. Das Gebäude ist unbewohnbar, der Dachstuhl komplett zerstört, alle Etagen standen unter Wasser.

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Was das Feuer ausgelöst hat, ist noch nicht geklärt. Ermittler der Kriminalpolizei waren am Donnerstag vor Ort. Die Polizei sucht nach Zeugen.

Wer hat in der Brandnacht etwas gesehen? Wem sind verdächtige Personen aufgefallen? Hinweise nehmen das Polizeirevier Sebnitz oder die Polizeidirektion Dresden unter 0351 4832233 entgegen.

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