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Samstag, 20.09.2014 SZ-Serie „Glückliche Sachsen“

Freunde und Geld machen Sachsen glücklich

12.700 SZ-Leser gaben Auskunft über ihr Lebensgefühl. Das Ergebnis: Die Mehrheit ist ganz zufrieden. Außer mit dem Einkommen. Und: Einsamkeit bedroht das Glück im Alter.

Von Elke Görlitz und Sebastian Beutler

So sehen glückliche Sachsen aus: (v.l.) Simone, Peter, Astrid mit Laura, Claudia mit Sohn Jacob (vorn), Stefanie (sie heiratet heute), mit Tochter Fenja (auf der Bank, Mitte), Robert mit Sohn Tim (auf der Banklehne sitzend). Charlotte (re.) sitzt auf der Bank. Sie leben im glücklichsten Ort Sachsens. Wo der ist? Das verraten wir später.
So sehen glückliche Sachsen aus: (v.l.) Simone, Peter, Astrid mit Laura, Claudia mit Sohn Jacob (vorn), Stefanie (sie heiratet heute), mit Tochter Fenja (auf der Bank, Mitte), Robert mit Sohn Tim (auf der Banklehne sitzend). Charlotte (re.) sitzt auf der Bank. Sie leben im glücklichsten Ort Sachsens. Wo der ist? Das verraten wir später.

© Robert Michael

Wenn es um ihr Glück geht, wissen die Sachsen, worauf es ankommt: Zufriedenheit im Beruf, mit ihrem Lebensstandard, mit Geld und dem Familienleben sind ungemein glücksstiftend. Das ergab die große SZ-Umfrage zur Lebenssituation im Sommer dieses Jahres. Mehr als 12.000 Menschen beteiligten sich im Internet daran oder schickten den Fragebogen zur SZ. Die Evangelische Hochschule Dresden wertete die Daten seitdem aus. Jetzt liegen die Ergebnisse vor und bilden die Grundlage für die neue SZ-Serie, die heute startet.

Die Umfrage vertieft, was gerade auch im Umfeld der Landtagswahl in Sachsen eine Rolle spielte: Eine große Mehrheit der Menschen zwischen Görlitz und Dresden, Hoyerswerda und Dippoldiswalde ist glücklich und zufrieden. Neun von zehn Teilnehmern an der Umfrage geben das an. Unter ihnen sind die Frauen in der Mehrzahl. Männer sind zwar auch mehrheitlich glücklich, fühlen sich aber häufiger unglücklich als Frauen. Das Glück ist über alle Altersgruppen fast gleichmäßig verteilt, nur zwischen 40 und 50 Jahren gibt es tendenziell mehr unglückliche Menschen. Die „Midlife“-Krise ist nicht nur bloßes Gerede.

Beziehungen steigeren Glücksempfinden

Die Familie geht den Sachsen dabei über alles. Für 73 Prozent der Befragten macht sie das Glück aus. Gesundsein folgt mit 68 Prozent vor den guten Freunden, dem Gebrauchtwerden und der Natur. Da liegt es nahe, dass Alleinsein das Glück am meisten bedroht. Acht Prozent aller Befragten geben an, immer oder sehr oft einsam zu sein. Hier bilden die Rentner die größte Gruppe. Auffällig viele Einsame gibt es in der Altersgruppe ab 60 Jahren. In viel stärkerem Maße als die Glücklichen nennen die Unglücklichen Natur, ein erfülltes Liebesleben und viel Geld als Glücksquellen.

Es ist die Sehnsucht nach dem vermeintlich besseren Leben, in dem all das erfüllt wird, was ihnen jetzt fehlt. Denn Unglückliche haben nach den Daten der SZ-Leser seltener einen Partner und Kinder – sie fühlen sich häufig einsam und geben öfter an, nicht gesund zu sein. Doch bilden sie nur eine kleine Gruppe unter den Befragten. Stattdessen dominiert die Zufriedenheit mit den Lebensumständen in Sachsen. Am ausgeprägtesten fällt sie aus, wenn nach den Wohnungen, dem Lebensstandard, der Familie und Freunden gefragt wird. Leichte Abstriche gibt es bei Freizeitmöglichkeiten, Fitness und wenn es um die berufliche Karriere geht. Am wenigsten zufrieden sind die Teilnehmer der Umfrage mit ihrem Schlaf, ihrem Liebesleben und vor allem mit ihrem Einkommen.

Das ergibt ein sehr stabiles Stimmungsbild. Beispielsweise kam schon im April eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Landesregierung zu dem Ergebnis, dass die Sachsen mit ihrer Wohnung zu 88 Prozent zufrieden sind. Deutlich schlechter urteilten damals die Befragten über ihr Einkommen. Nur jeder Zweite konnte sich damit anfreunden. Wirtschaftsaufschwung und die geringste Arbeitslosigkeit in Sachsen seit Jahren kommen nach dem subjektiven Empfinden der Menschen zu wenig in deren Geldbeutel an.

Regionale Unterschiede bei Zufriedenheit mit Einkommen

Allerdings gibt es deutliche regionale Unterschiede. Vor allem entlang der Grenzen zu Polen und Tschechien sowie in Döbeln ist die Unzufriedenheit mit dem Einkommen am größten, im Dresdner Speckgürtel am geringsten. Die ungleich verteilte Wirtschaftskraft in den Regionen kommt hier zum Ausdruck. Dabei erkennen die Menschen durchaus die gute wirtschaftliche Situation im Freistaat an. Ihr Berufsleben schätzen sie positiv ein. So haben die meisten der Befragten eine sichere Stelle, auch können sie ihren Beruf mit dem Privatleben gut vereinen und loben das Betriebsklima.

Bei der Frage nach dem angemessenen Einkommen allerdings gehen die Meinungen schon auseinander, besonders schlecht schätzen die Sachsen die Aufstiegschancen ein. Für ein gutes Leben sind sie durchaus bereit, sich anzustrengen – nur wollen sie dafür auch honoriert werden.

›› Alle Analysen und Ergebnisse fassen wir in unserem Glücks-Spezial zusammen

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