Sonntag, 27.01.2013

Freistaat hofft auf Bergbau-Boom

Wer Bergbau betreiben will, braucht einen langen Atem. Hohe Rohstoffpreise beleben das Geschäft. Deshalb gibt es in Sachsen Hoffnungen, an frühere Glanzzeiten anknüpfen zu können.

Von Jörg Schurig

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Jörg Reichert, Leitender Geologe der Deutschen Rohstoff AG, nimmt in einem Bohrkernlager Proben von Bohrkernen aus DDR-Zeiten (Archivfoto).
Jörg Reichert, Leitender Geologe der Deutschen Rohstoff AG, nimmt in einem Bohrkernlager Proben von Bohrkernen aus DDR-Zeiten (Archivfoto).

©dpa

Freiberg. Klondike-Fieber in Sachsen: Der Freistaat hofft auf positive Entscheidungen von Bergbauunternehmen zum Abbau von Erzen und Spaten. „Wir befinden uns derzeit in einer Phase intensiver Nacherkundungen. Sie sind Bedingung dafür, Geld für die Gewinnung der Rohstoffe zu akquirieren. Nun erwarten wir eine neue Phase, in der nach der Auswertung von Daten konkrete Planungen für weiterführende Erkundungs- und Erschließungsarbeiten erfolgen“, sagte der Oberberghauptmann Bernhard Cramer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Der 47 Jahre alte Professor ist Sachsens oberster Bergmann und steht einer traditionsreichen Behörde mit Sitz in Freiberg vor.

Cramer hält die rege Erkundungstätigkeit in Sachsen auch im internationalen Kontext für etwas Besonderes. Es gebe nur wenige Regionen auf der Welt mit vergleichbaren Strukturen. Da weltweit erkundet werde, wachse auch bei den in Sachsen tätigen Firmen der Druck, brauchbare Resultate vorzuzeigen. Sachsen habe den Vorteil, dass hier mit der Freiberger Bergakademie und in vielen Firmen noch das gesamte Wissen über Bergbau vorhanden ist. „Wir haben im Land noch eine Bergbauindustrie, wenn auch nicht auf die Gewinnung von Erz und Spat, so doch im aktiven Tiefbau und im Sanierungsbergbau ehemaliger Erzbergwerke“, führte der Professor weitere Vorzüge an.

„Wir entwickeln uns in Richtung eines Bergbaureviers mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen, Weltkonzerne wird man hier selten finden“, sagte Cramer. Sachsen habe im Weltmaßstab keine Mega-Lagerstätten. Es gebe aber welche mit sehr großen Rohstoffvorräten, die interessante Anforderungen an die Aufbereitung - die Trennung des Rohstoffes vom geförderten Gestein - stellen würden. Sachsen hat derzeit 17 Erlaubnisse zur Erkundung von Erz und Spat erteilt. In drei Fällen gibt es schon eine Bewilligung zum Abbau: im Erzgebirge in Niederschlag (Flussspat/Schwerspat) und Pöhla (Wolfram, Zinn und andere) sowie in Ostsachsen in Schleife (Kupferschiefer).

Cramer zufolge gehört Sachsen durch seine reiche Bergbaugeschichte zu den am besten erkundeten Gebieten der Welt. Dennoch mache sich eine Nacherkundung von Daten aus DDR-Zeiten erforderlich. „Dass parallele Bohrungen zu bereits bekannten Lagerstätten erfolgen, mag für Außenstehende befremdlich sein. Aber ohne Erkundung nach heutigen Standards bekommt kaum ein Bergbauunternehmen Geld von Investoren“, erklärte der Professor. Bislang vorliegende Daten hätten die Ergebnisse aus der DDR meist bestätigt. Bei der Zinn-Lagerstätte in Gottesberg plane die Deutsche Rohstoff AG jetzt sogar noch einmal tiefer zu bohren, um weitere Vorräte aufzuspüren.

„Der Entschluss, aktiven Bergbau zu beginnen, ist sehr risikoreich. Man muss hohe Investitionen in einem vergleichsweise frühen Stadium vornehmen“, verteidigte Cramer das vorsichtige Agieren von Firmen. Die für eine Entscheidung erforderlichen Informationen müssten wasserdicht sein. „Wir erwarten als Oberbergamt, dass bei vielen Projekten jetzt eine neue Phase anläuft - wie in Gottesberg.“ Ein großer Vorteil sei, dass der Bergbau in weiten Teilen der Bevölkerung und der Politik auf Akzeptanz stoße. „Bergbau wird hier weder verteufelt, noch löst er eine Euphorie aus. Die Menschen sind mit ihm noch sehr verwachsen - auch das schätzen Investoren.“ (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

  1. roba

    Schade, das Reinhard Schmidt schon pensioniert und durch einen theoretisierenden "Schwätzer", der keine Ahnung von Sachsen hat, ersetzt wurde. Die erfahrenen Mitarbeiter des Oberbergamtes, die der freistaatlichen Willkür ausgesetzt waren und sind, kann man nur bedauern.

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