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„Freier Kamerad“ muss in Haft

Er beteiligte sich an rechten Krawallen in Heidenau und Leipzig und ging beim Dresdner Stadtfest auf Ausländer los. Nun wurde der 20-Jährige verurteilt.

07.10.2017
Von Alexander Schneider

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Einen alten Bekannten der sechs mutmaßlichen Mitglieder der „Freien Kameradschaft Dresden“ schickte das Gericht für fast drei jahre in Haft.

© dpa

Dresden. Mehrere Wochen lang hat sich das Jugendschöffengericht mit einem 20-jährigen Rechtsextremisten aus der Nähe von Heidenau beschäftigt – ihm wurde unter anderem schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Raub vorgeworfen. So soll sich der junge Mann, der seit Anfang dieses Jahres in Untersuchungshaft sitzt, im August 2015 zwei Nächte lang an den Krawallen vor der frisch bezogenen Erstaufnahmeunterkunft in Heidenau beteiligt haben.

Im Januar 2016 hat er bei den Ausschreitungen im Leipziger Stadtteil Connewitz mitgewirkt, wo ein rechter Mob aus Anlass des ersten „Legida“-Jahrestages zahlreiche Läden und Autos verwüstete. Und nicht zuletzt hat sich der Angeklagte nach Überzeugung des Gerichts auch unter den 20 bis 40 Angreifern befunden, die im August 2016 beim Dresdner Stadtfest am Elbufer nachts gezielt Ausländer gejagt und zusammengeschlagen haben. Bei dem Angriff wurden rund zehn Männer aus dem Irak und Afghanistan zum Teil schwer verletzt.

Weil der Angeklagte bei einem Teil der Taten noch nicht volljährig war, fand der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bei zwei weiteren öffentlichen Prozessen jedoch ist seit Juni dieses Jahres immer wieder der Name des 20-Jährigen gefallen: in den Hauptverhandlungen gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen „Freien Kameradschaft Dresden“ (FKD) vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden. Der 20-Jährige muss zumindest sehr eng mit der Nazi-Kameradschaft verbunden gewesen sein.

Die FKD wurde im Juli 2015 von zahlreichen Teilnehmern der Pegida-Demos gegründet, denen Spaziergänge an Montagabenden in der Dresdner Innenstadt zu wenig waren. Sie sollen daher unter anderem beabsichtigt haben, mit Angriffen auf Asylbewerber und Andersdenkende „Angst und Schrecken“ zu verbreiten, wie es in den Anklageschriften der Generalstaatsanwaltschaft heißt. Die Gruppe habe ihre Taten konspirativ und arbeitsteilig geplant.

Gemeinsame Angriffe

Gegen die Dresdner Kameradschaft hat dieselbe Sondereinheit des Staatsschutzes und der Generalstaatsanwaltschaft ermittelt, wie im Verfahren gegen die unter Rechtsterrorismusverdacht stehende „Gruppe Freital“. Die beiden rechtsextremistischen Gruppierungen sollen mehrfach auch gemeinsam Straftaten begangen haben, wie den Angriff auf das alternative Wohnprojekt namens „Mangelwirtschaft“ in Dresden-Übigau. Die Sondereinheit aus Staatsanwälten und Staatsschutzermittlern wurde nach den schweren Ausschreitungen in Heidenau ins Leben gerufen.

Auch der nun verurteilte 20-Jährige stand unter dem Verdacht, zur FKD zu gehören. Das Jugendschöffengericht sah alle Vorwürfe als erwiesen und verurteilte den Heranwachsenden zu einer Jugendeinheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Der Angeklagte habe eindeutig als Täter identifiziert werden können, teilte das Landeskriminalamt am Freitag mit.