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Mittwoch, 19.04.2017

Flüchtling aus Arnsdorf ist tot

Der Iraker, der in Arnsdorf vor einem Netto-Markt an einen Baum gefesselt wurde, lebt nicht mehr. Ein Toter wurde als der 21-Jährige identifiziert. Der Prozess gegen die an der Fesselung Beteiligten sollte am Montag beginnen.

Der Netto-Markt in Arnsdorf.
Der Netto-Markt in Arnsdorf.

© Thorsten Eckert

Dresden. Der irakische Flüchtling, der im Sommer 2016 in Arnsdorf auf dem Gelände eines Supermarktes gefesselt worden war, lebt nicht mehr. Die Polizei teilte am Donnerstagvormittag mit, dass die Identität der gefunden Leiche geklärt sei. Eine daktyloskopische Untersuchung, also der Identitätsnachweis mittels Fingerabdrücken, habe die Vermutung bestätigt, dass es sich um den Iraker handelt.

Ein Jagdpächter hatte seinen Leichnam am Ostermontagabend in der Nähe von Dorfhain im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge entdeckt. Die Staatsanwaltschaft Dresden hatte zuvor mitgeteilt, bei dem Toten sei eine Aufenthaltsgenehmigung gefunden worden, die auf einen 21-jährigen Iraker ausgestellt sei.

Daher wurde bereits vermutet, dass es sich um jenen Iraker handle, der am 21. Mai 2016 auf dem Parkplatz des Netto-Supermarkts in Arnsdorf an einem Baum gefesselt aufgefunden worden war. Die Identifizierung mithilfe eines DNA-Abgleichs laufe noch.

Die bereits erfolgte Obduktion ergab der Staatsanwaltschaft zufolge eine Unterkühlung als Todesursache. Wahrscheinlich sei der Flüchtling bereits im Januar 2017 erfroren, teilte die Behörde mit.

Ein Verfahren gegen den Iraker wegen einer angeblichen Bedrohung einer Verkäuferin in dem Arnsdorfer Netto-Markt war bereits vor Monaten eingestellt worden. Allerdings läuft gegen ihn noch ein Verfahren wegen zwei Körperverletzungen in Pirna.

Das ist vorläufig eingestellt, weil der Asylbewerber bislang zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben war. Zuletzt war er nach Auskunft der Staatsanwaltschaft einem Asylbewerberheim im Tharandter Ortsteil Grillenburg zugewiesen worden. Nach SZ-Informationen hatte er sich allerdings auch als Patient in den Krankenhäusern Arnsdorf und Dresden-Friedrichstadt aufgehalten.

Am kommenden Montag soll vor dem Amtsgericht Kamenz der Prozess gegen die vier Männer aus Arnsdorf beginnen, die den Flüchtling fesselten. Ihnen wird Freiheitsberaubung vorgeworfen. Ihre Verteidiger hingegen sprechen von Nothilfe. (SZ/uwo)

Dieses Video zeigt die Geschehnisse im Markt: