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Dienstag, 17.11.2015

Filmische Liebeserklärung an Sachsen

Der Film „Life is a dance“ begeisterte das Publikum zur Premiere in Dresden. Beim Dreh im Elbsandsteingebirge wurde es gefährlich.

Ein Foto von den Dreharbeiten für den Film „Life is a dance“ vom Dresdner Filmemacher Sebastian Linda (l.). In dem Video tanzen die „Saxonz“, die Deutschen Meister im Breakdance, auch auf Gipfeln der Sächsischen Schweiz.
Ein Foto von den Dreharbeiten für den Film „Life is a dance“ vom Dresdner Filmemacher Sebastian Linda (l.). In dem Video tanzen die „Saxonz“, die Deutschen Meister im Breakdance, auch auf Gipfeln der Sächsischen Schweiz.

© Erik Gross

Sächsische Schweiz. Sebastian Linda hat den Dreh raus. So haben die Menschen die Sächsische Schweiz noch nicht gesehen, obwohl die Felsnadeln schon seit Jahrhunderten fast unverändert in die Landschaft ragen. Der junge Videokünstler aus Dresden hat die Region und andere Teile Sachsens kunstvoll und actionreich in Szene gesetzt. Damit hat er offensichtlich den Nerv vieler Sachsen getroffen, denn zur Premiere des vierminütigen Kurzfilms gab es am Wochenende tosenden Applaus. Im Rahmen des Bergsichten-Festivals wurde der Videoclip über Sachsen im Audimax der TU Dresden gezeigt. Der Jubel der 800 Zuschauer war fast halb so lang, wie der Film dauerte.

Szenen aus "Life is a dance"

Das lag sicherlich auch daran, wie Linda die Sächsische Schweiz präsentiert hat. Es war keinesfalls ausgemacht, dass es zu Ovationen kommen würde, denn gerade das Bergsichten-Publikum hat eine besondere Affinität zum Elbsandsteingebirge, will es schützen, bewahren und nicht von jedermann x-beliebig erobern lassen. Von drei Wochen intensiven Dreharbeiten in Sachsen blieben zwar nur noch Sekunden auf der Leinwand, aber die verzauberten.

Liebeserklärung an Wahlheimat

Mit dieser besonderen Kameraführung gerieten nicht nur die Tänzer der Breakdance-Gruppe „Saxonz“ in Bewegung. Die holte Linda mit ins Boot für dieses außergewöhnliche Projekt. Sie waren noch nie zuvor klettern. Und dann gleich auf die Herkulessäulen! „Das war mörderisch“, erinnert sich Philip Lehmann von den Saxonz, den Deutschen Meistern in ihrem Metier. Kaum war Lehmann oben, ging schon das Funkgerät. „Jetzt macht mal was, hieß es da. Dabei war ich noch völlig platt“, erzählt der 28-Jährige. Er ist quasi der Lautsprecher der Tänzer. Doch nach der Premiere war er so fasziniert, dass seine Bewertung nur „Ohne Worte“ ausfiel. Getanzt wurde auf dem Gipfel der Nonne und der Kaiser-Wilhelm-Feste im Bielatal. An weiteren Orten Sachsens wurde es spektakulär. Beispielsweise in Dresden auf dem Glasdach des Hauptbahnhofs, im Zwinger, in Hellerau oder auf der Bistumshöhe in Leipzig.

Der Film ist eine Liebeserklärung Lindas an seine Wahlheimat Sachsen. Vor vier Jahren kam der Darmstädter nach Dresden und ist geblieben. Warum sich zwischen ihm, Lehmann und den anderen Saxonz während der Dreharbeiten eine Freundschaft entwickelt hat, ist sicherlich auch dieser Grundeinstellung geschuldet, die Lehmann etwas pathetisch so beschreibt: „Ich bin in Dresden geboren und hier werde ich auch sterben!“ Er hätte mit keinem anderen so einen Film gemacht.

Zusammen wollten sie anderen jetzt die Schönheit Sachsens auf ihre ganz spezielle Weise zeigen. „Es gibt ein buntes, farbenfrohes Sachsen, das sehr kreativ ist“, rief Linda dem Premieren-Publikum zu. So wird Sachsens Image wieder aufpoliert. Vehement wehrt sich Linda aber gegen die Formulierung, einen Image-Film produziert zu haben. Wenn seine Form der Kunst positive Wirkung habe, dann sei das eine schöne Nebenerscheinung.

Kleine Show auf dem Parkplatz

Ein halbes Jahr hatte er an „Life is a dance“ gearbeitet. In der Sächsischen Schweiz ließ er sich vom Alpinisten Frank Meutzner beraten. „Ohne ihn hätte das nicht funktioniert. Seine Geheimtipps waren Gold wert“, sagt Linda. So kann man es als Dankeschön ansehen, dass sein Sachsen-Video bei den Bergsichten Premiere feierte, deren Festivalchef Meutzner ist. Es ist dennoch erstaunlich, weil die Produktion über die Kampagne „So geht sächsisch“ von der Staatskanzlei finanziert wurde. Dass die Premiere trotzdem nicht vor ausgewählten Honorationen, sondern vor Bergfilmfreunden gezeigt wurde, ist ein unverkennbares Zeichen dafür, dass sich Linda jegliche Freiheiten nehmen durfte und sich nicht ins Konzept reinreden ließ.

Das Video interessiert auch Stefan Willkommen von der Ottomühle im Bielatal. Dort hatte die Filmcrew übernachtet. Abends wurden dann einige Choreographien auf dem Parkplatz der Ottomühle geprobt. Da hielten auch kurz mal alle Mitarbeiter inne und schauten zu. „Das war schon interessant. So was sieht man nicht alle Tage“, sagt Willkommen.

Dass die Breakdancer überall tanzen können, das haben sie auch im Audimax der TU gezeigt. Sie ließen sich nicht lange mit Beifall bitten und legten los. Obwohl die jungen Tänzer, die das teilweise professionell betreiben, nur von einer kleinen Improvisation sprachen, war das Publikum von den artistischen Einlagen begeistert. Diese Körperbeherrschung erklärt dann auch, warum sie ohne Übung so gut auf die Herkulessäulen gekraxelt sind.

Life is a Dance from Sebastian Linda on Vimeo.

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