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Montag, 01.09.2014

Farbtupfer im schwarzen Sachsen

Juliane Nagel aus Leipzig hat als einzige Nicht-CDU-Kandidatin bei der Landtagswahl ein Direktmandat gewonnen. Die ihr oft unterstellte Nähe zum linksradikalen Spektrum weist sie von sich.

Von Birgit Zimmermann

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Will sich im Landtag den Themen Themen Antifaschismus, Asyl und Migration widmen: Juliane Nagel.
Will sich im Landtag den Themen Themen Antifaschismus, Asyl und Migration widmen: Juliane Nagel.

© DiG/trialon/Die Linke Sachsen/dpa

Leipzig. Juliane Nagel ist der Farbtupfer auf der sonst tiefschwarzen politischen Direktwahl-Landkarte in Sachsen. Die 35-Jährige aus Leipzig hat als einzige Nicht-CDU-Kandidatin bei der Landtagswahl am Sonntag ein Direktmandat in einem der 60 Wahlkreise gewonnen. „Wir hatten das als Ziel formuliert, aber dass es so klar klappt mit über 1.000 Stimmen Vorsprung, das freut mich natürlich“, sagte Nagel der Nachrichtenagentur dpa zu ihrem Wahlerfolg.

Die 35-Jährige ist in Leipzig ziemlich bekannt. Seit 15 Jahren ist sie kommunalpolitisch aktiv, fehlt auf keiner Demo gegen Diskriminierung und Rassismus. Ihre Präsenz vor Ort, glaubt sie, habe zu ihrem Wahlerfolg beigetragen. „Und ich bin ja auch nicht unpolarisierend. Ich denke, dass die Wähler genau das auch repräsentiert sehen wollten.“

Tatsächlich wird Nagel von Vielen kritisch beäugt. Ihr wird eine Nähe zum linksradikalen Spektrum nachgesagt. „Ich bin das auch leid“, sagt sie dazu. „Das ist ein Bild, das mir anhaftet, obwohl es keinen Anlass dafür gibt. Ich habe immer klar gesagt, dass es für mich eine Grenze gibt. Körperliche Gewalt kann ich nicht akzeptieren.“ Auch linke Randale oder Farbbeutelwürfe gegen Hausfassaden, wie sie in Leipzig immer mal wieder vorkommen, lehne sie ab.

Im sächsischen Landtag wolle sie sich mit den Themen Antifaschismus, Asyl und Migration beschäftigen, sagte Nagel. Außerdem hat sie vor, ihr Politikwissenschaftsstudium abzuschließen. Und auch ihr Mandat im Leipziger Stadtrat will sie behalten. Juliane „Jule“ Nagel hat sich viel vorgenommen. An ihre Wähler und Unterstützer sandte sie am Montag eine Twitter-Botschaft: „Ah! Politik geht nur mit Euch. Riesenriesendank & sagt Bescheid, wo es drückt.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 23 Kommentare

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  1. Wähler

    Warum wird bei einer erfolgreichen Linkspolitikerin immer gleich unterstellt "linksextrem" zu sein? Bei manchem CDU-Abgeordneten könnte man auch von rechtsextremen Ansichten sprechen. Die Wähler haben sicher nicht aus Versehen Frau Nagel gewählt. Viel Erfolg!

  2. Buckel

    @1Wähler: Klasse, Sie verstehen "erfolgreich" als Synonym für Radau und Anarchie. Nee, dieses Land ist nur noch krank;-(

  3. Sachlicher

    @Buckel: Bevor man Wörter benutzt, deren Bedeutung man nicht kennt, sollte man selbige erlesen. Ich kann dem Wähler hier nur zustimmen, dass mind. die sächsische CDU auf dem rechten Auge blind ist, zeigen die Rechtenhochburgen und die immernoch pauschale Verharmlosung rechter Gewalt. Dagegen wird jede Art bürgerlicher und mündiger Widerstand von selbiger CDU kriminalisiert. Nur in Dresden hat die CDU umdenken müssen und beteiligt sich teilweise selbst an Aktionen. Bürgerlichen Widerstand auf breitester bürgerlicher Basis als links abzutun, ist ähnlich unsinnig, wie sämtlichen Autoverkehr auf die Formel 1 oder DTM herunterzubrechen.

  4. Martin

    Ich bin kein Wähler der Linken, finde derartiges Engagement aber klasse, solange nicht die Tür zur Gewalt und Hass gegen andere aufgestossen wird. Gratulation an die sympatische Politikerin.

  5. Wähler_DD

    "Außerdem hat sie vor, ihr Politikwissenschaftsstudium abzuschließen." Die Frau ist 35 Jahre und möchte jetzt ihr Studium abschließen. Zum Glück gibt es in diesem Land auch noch Leute, die das erarbeiten, was sie verteilen möchte bzw. selbst vom Staat konsumiert ...

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