erweiterte Suche
Freitag, 08.01.2016

Ende eines Millionenprojekts

Die Arbeiten am Wismut-Stolln in Freital sind beendet. Es bleiben eine riesige Lagerhalle und das größte Fledermausquartier Freitals.

Von Tobias Winzer

1

Wismut-Chef Stefan Mann (l.) übergibt Freitals Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz symbolisch die Dokumente des Stolln-Projekts. Die riesige Leichtbau-Halle gehört nun der Stadt.
Wismut-Chef Stefan Mann (l.) übergibt Freitals Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz symbolisch die Dokumente des Stolln-Projekts. Die riesige Leichtbau-Halle gehört nun der Stadt.

© andreas weihs

Freital. Es ist nur eine kleine Geste, aber mit großer Bedeutung für Freital. Das Gelände am Steinbruch Osterberg wurde am Donnerstag offiziell von der Wismut an die Stadtverwaltung zurückgegeben. Damit endet offiziell, was vor fast neun Jahren begann: Der Bau eines Stollns als gigantischer Entwässerungskanal. Kosten: Rund 22 Millionen Euro.

„Die Bauarbeiten haben länger gedauert als geplant und sind teurer geworden“, sagte Wismut-Geschäftsführer Stefan Mann, der Freitals Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz (parteilos) zum Abschluss symbolisch die komplette Dokumentation des Projektes übergab. „Aber es ist eine ideale und sichere Lösung. Wir werden nie wieder spektakuläre Wasseraustritte an irgendwelchen Stellen haben.“

Grund- und Regenwasser braucht Hilfe

Der Bau des Stollns war nötig geworden, weil das Grund- und Regenwasser, mit dem die Grube Gittersee geflutet wurde, nicht von allein den Tiefen Elbstolln weiter in Richtung Meißen und damit die Elbe erreichte. 2003 baute sich durch diese Verstopfung so viel Druck auf, dass in Potschappel auf etlichen Grundstücken Quellen entsprangen. Das Wasser musste aufwendig abgepumpt werden. Mit dem Wismut-Stolln ist diese Verstopfung nun gelöst. 75 Kubikmeter je Stunde plätschern bereits seit dem vergangenen Oktober durch die Röhre. Bei starkem Regen können es auch mal hundert Kubikmeter sein.

Die Arbeiten, die 2007 begannen, sollten eigentlich schon zwei Jahre später beendet sein. Das viele Wasser, das vom verlassenen Revier Gittersee in den Tiefen Elbstolln und damit in die Elbe geleitet wird, war ein Problem. Das andere war das brüchige Gestein. Die Wände des Stollns – der bergmännisch betrachtet wegen des fehlenden Mundlochs, also der Verbindung zur Tagesoberfläche, gar kein Stolln, sondern ein Seitenarm oder Flügel ist – mussten mit Tausenden Ankern und 7800 Tonnen Spritzbeton stabilisiert werden. Das trieb auch die Kosten von anfangs geplant 15,2 auf 22 Millionen Euro in die Höhe.

Für die Wismut, die im Auftrag des Bundes in Sachsen und Thüringen alte Halden saniert, endet damit das größte Untertageprojekt seit dem Ende der Uran-Ära.

Zugang zum Stolln bleibt

Die Untertage-Arbeiten wurden bereits im Mai des vergangenen Jahres beendet. Seitdem haben die Wismut-Mitarbeiter den Platz im Osterberg-Steinbruch direkt an der Weißeritz hergerichtet. Das Gelände befindet sich im Eigentum der Stadt und wurde der Wismut für die Zeit der Bauarbeiten sozusagen ausgeborgt. Von hier aus führt eine 60 Meter lange Rampe zum Stolln in die Tiefe.

In den vergangenen Monaten wurden Beton- und Asphaltflächen abgetragen und zum Teil durch Rasen ersetzt. Außerdem verfüllten die Mitarbeiter ein Versorgungs- und Wetterbohrloch. Bestehen bleiben wird aber der Zugang zum Stolln. Er wird noch für gelegentliche Kontrollgänge im Kanal gebraucht.

Eine hundert Meter lange Leichtbau-Halle, die die Wismut als Werkstattlager und Umkleiden nutzte, gehört ab jetzt der Stadt. Sie soll zum Beispiel im Katastrophenfall als Lager für Sandsäcke verwendet werden. Im ehemaligen Sprengstofflager nebenan – einem in den Fels gehauenen System aus Gängen und Räumen – sollen sich seltene Säugetiere ansiedeln. Dort ist auf etwa 150 Quadratmeter Freitals größtes Fledermausquartier entstanden.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

Alle Kommentare anzeigen

  1. ominöseSache

    Das hört sich ja zumindest einmal positiv an. Stellt sich nur die Frage der radioaktiven Belastung und der Belastung mit Schwermetallen und anderen Giften-auch hinter irgendwelchen Betonmauern oder Absperrungen, sowie die Frage irgendwelcher Spontanentzündungen und ob die Gelände genügend sicher vor Vandalismus oder illegaler Behausung sind. Es wäre wohl besser für die Gesamtanlage eine Nachnutzung zu haben, die einem Verlottern in Zukunft vorbeugt und kostenneutral ist. Die Fledermausansiedlung ist sehr positiv, wenn die Tiere im Rahmen der Biodiversität und Tiermedizin weiter erforscht und v.a. Dingen deren Parasiten bekämpft werden. Die Arbeit hat erst begonnen, es müssen Schadstoff-, Seismik- und Geologieuntersuchungen erfolgen. Die ganze Gegend ist wohl ein Versuchslabor für stadtnahe Rekultivierung von gefährlichen Minenarealen. Die Arbeiter sollten in Langzeitstudien auf gesundheitlich Probleme mit Wismutaltlasten untersucht werden. Bei keiner(!!) Gefahr-Touristattraktion?

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein