Freitag, 16.11.2012

Eisiges Geschoss aus dem Himmel

In Großenhain stürzt ein riesiger Eisbrocken auf ein Grundstück und verfehlt die Besitzer nur knapp. In seinem Inneren findet sich durchaus Unappetitliches.

Von Catharina Karlshaus

Anwohner Kluge mit himmlischem Eisbrocken. Foto: Brühl
Anwohner Kluge mit himmlischem Eisbrocken. Foto: Brühl

Eigentlich hatte der Abend gut angefangen: Karin und Andreas Kluge waren noch auf ein Schwätzchen bei Nachbarn gewesen. Gegen 19 Uhr schloss Andreas Kluge aus dem Großenhainer Ortsteil Krauschütz dann die Pforte zu seinem Grundstück auf – als es plötzlich neben ihm krachte. „Da es schon dunkel war, konnten meine Frau und ich nicht erkennen, was die Ursache für das ohrenbetäubende Geräusch war. Wir merkten nur, dass kleine Teile neben uns durch die Luft sausten und dachten schon, es sei etwas explodiert“, sagt er.

Dass sie Schlimmerem tatsächlich nur um Haaresbreite entkommen waren, bemerkten beide erst beim näheren Hinsehen. Der Grund für den Krach lag – teilweise zerborsten – direkt neben Andreas Kluge: Ein 30 mal 30 Zentimeter dicker Eisklotz. Total geschockt seien seine Frau und er gewesen, sagt Kluge. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sie das Grundstück ein paar Sekunden eher betreten hätten.

Bei genauerem Hinsehen zeigte sich: Der Eisklotz war nicht nur eine gefährliche, sondern auch eine ziemlich unappetitliche Sache. Reste von Fäkalien sind zu sehen, Toilettenpapier und Papierhandtücher. Alles schockgefrostet.

„Vielleicht ist es aus einem Flugzeug abgeworfen worden“, sagt Kluge. Tatsächlich hält das auch Helmut Koller von der Landesdirektion Dresden, Abteilung Infrastruktur, für möglich. Vermutlich handele es sich um ein Phänomen namens „Blue Ice“, sagt er. „Aufgrund eines undichten Ventils an der Toilettenanlage von größeren Flugzeugen kann es dazu kommen, dass in einer Höhe von 10.000 Metern Flüssigkeit austritt und gefriert. Befindet sich die Maschine im Landeanflug, löst sich dann ein Eisklumpen“, so Helmut Koller. Erst in den vergangenen Wochen habe es ähnliche Vorfälle im Raum Nürnberg und Potsdam gegeben. Und auch ein im Februar in Zeithain vom Himmel gefallener Eisklotz könne Ursache von „Blue Ice“ sein. Eines zumindest dürften die Kluges spätestens jetzt ganz sicher wissen: Nicht nur Gutes kommt von oben.