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Freitag, 15.01.2016

Eine Schnellbahn nach Dresden?

Während der 15-Minuten-Takt ab Meißen fraglich ist, steht ein anderer Vorschlag im Raum. Der VVO hält davon wenig.

Von Tobias Hoeflich

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Wirklich schnell sind die Züge von Meißen nach Dresden wegen der vielen Zwischenstopps nicht unbedingt. Dabei wäre eine kürzere Fahrtzeit im Interesse vieler.
Wirklich schnell sind die Züge von Meißen nach Dresden wegen der vielen Zwischenstopps nicht unbedingt. Dabei wäre eine kürzere Fahrtzeit im Interesse vieler.

© Claudia Hübschmann

Meißen/Dresden. Die Vision reicht bis ins vergangene Jahrtausend. Schon Ende der 1990er-Jahre kündigte der damalige Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) an, dass langfristig alle 15 Minuten eine S-Bahn von Meißen Richtung Dresden fahren soll – statt nur alle 30 wie bislang. Was über Jahre immer wieder bekräftigt wurde, scheint nun fraglich. Weil der Bund den Schlüssel verändern will, wie das Geld für den Nahverkehr auf die Länder aufgeteilt wird, rechnet der VVO mit finanziellen Einschnitten. Das könnte auch die engere Taktung der S-Bahn treffen.

Dabei sei gar nicht unbedingt die Taktung das Problem, schreibt Norbert Herrmann per Leserbrief. Sondern, eine fehlende schnelle Verbindung zwischen Dresden und Meißen. Ihm schwebt eine Regionalbahn vor, ergänzend zum jetzigen S-Bahn-Angebot, die aber nicht an jedem kleinen Bahnhof hält. Das würde das Bahnfahren deutlich attraktiver machen. „Ein solcher Zug müsste dann von Meißen bis Dresden-Neustadt ohne Halt durchfahren. Das wäre echt ein schnellerer Zug und würde Meißen näher an die Landeshauptstadt heranrücken lassen“, findet er. Maximal in Coswig sei noch ein Stopp möglich. Unter Umständen könnte diese Regionalbahn von Meißen dann auch weiter über Nossen und Döbeln Richtung Leipzig fahren, schlägt Herrmann vor.

Neunmal halten jetzt die Züge

Für seine Idee hat der frühere Dozent der Universität Hannover nach eigener Auskunft schon einige Meißner Mitbürger begeistern können. Beim Stadtmarketing etwa würde eine schnellere Bahnverbindung nach Dresden auch auf Wohlwollen stoßen. Das bestätigt Rathaussprecher Philipp Maurer: „Für die Attraktivität der Stadt wäre das natürlich von Vorteil.“ Gleichzeitig habe die Verwaltung aber keine Möglichkeit, auf solche Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Unabhängig davon sei unklar, ob eine solche Verbindung überhaupt realistisch wäre: „Inwieweit das machbar ist, kann ich nicht einschätzen.“

Tatsächlich würde sich die Fahrtzeit in die Landeshauptstadt deutlich verkürzen, würden die Stopps zwischen den beiden Städten ausgelassen. Immerhin neunmal, darunter in Neusörnewitz, Coswig und Radebeul, halten die Züge in dem Streckenverlauf. „Eine Fahrt zwischen Meißen und Dresden-Neustadt ohne einen Zwischenhalt wäre theoretisch circa zehn Minuten schneller als die heute fahrende Linie S 1 in diesem Abschnitt“, hat Christian Schlemper vom VVO errechnet.

Ab März noch ein Halt mehr

Trotz des Zeitgewinns schließt der Sprecher des Verkehrsverbunds einen solchen Express zwischen Dresden und Meißen aus. Eine Mehrzahl der Fahrgäste, die täglich diese S-Bahn-Linie nutzt, ist zwischen Coswig und Dresden unterwegs. „Für die nötige Auslastung der Züge zwischen Meißen und Dresden sind die Halte in Coswig und Radebeul notwendig. Aus diesem Grund wird der Gedanke einer schnelleren S-Bahn nicht verfolgt“, sagt der VVO-Sprecher. Außerdem, gibt Schlemper zu bedenken, sei auch die jetzige Bahnverbindung zwischen beiden Städten schneller als eine Autofahrt von Meißen in die Dresdner Innenstadt – vor allem im Berufsverkehr.

Einen kleinen Lichtblick gibt es aber doch für S-Bahn-Fahrer. Sobald der viergleisige Ausbau zwischen Coswig und Dresden-Neustadt wie geplant Ende März beendet wird, Nah- und Fernverkehr künftig auf getrennten Schienenpaaren unterwegs sind, verkürzt sich die Reisezeit zwischen Meißen und der Landeshauptstadt. Wenn auch in kaum spürbarem Maße: Bislang sind die Züge 29 Minuten unterwegs, künftig sind es 28. Und das, obwohl mit dem Halt am Dresdner Bischofsplatz sogar noch ein zusätzlicher Stopp dazukommt.

Kurz bevor es soweit ist, wird laut Christian Schlemper ein Streckenabschnitt zwischen Meißen und Dresden nochmals voll gesperrt werden müssen. Details dazu geben Deutsche Bahn und VVO rechtzeitig vorher bekannt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Oswin

    Das hatten wir in den 60-er Jahren. Schnellverbindungen zwischen Pirna und Dresden. Man muss nicht immer alles als neu verkaufen. CDU: Einfach mal den ÖPNV verbessern und nicht nur den Autoverkäufern nach dem Munde reden und arbeiten. Frage: Wie viele Parkplätze sollen denn noch den Fußgängern den Platz zum Atmen und Laufen wegnehmen. An Merkel: Schluss mit dem Autowahn!!!

  2. Fritz

    Der öffentlich Nahverkehr sollte perspektivisch unbedingt ausgebaut werden. Aber leider geht man mit der Änderung des Verteilungsschlüssel einen anderen Weg. Kürzungen für Sachsen sind wohl unvermeidlich. Hier ist die Politik gefragt. Ich würde gern täglich die Straßenbahn von Gompitz in die Innenstadt nehmen. Allerdings fährt mein Bus zur Straßenbahn morgens nur stündlich und das bei einer Reisezeit nur für die Busfahrt von 16 min. Mit dem Auto brauche ich für dieses kleine Stück 3-4 min. Und wenn ich erstmal im Auto sitze, fahre ich gleich durch bis in die Innenstadt. So wird das nichts...

  3. Vindor

    Schnellverbindung muss meiner Meinung nach nicht sein. Sowas gibt es zwischen Weinböhla und Dresden schon. Zeit spart man nicht wirklich ein und alle wollen eh nicht nur in DD HBF aussteigen, somit verbraucht man die gesparten 10 Minuten mit z. B. der DVB wieder auf. Wenn wir den 15 Takt nicht bekommen, dann sollte wenigstens mal ein Waggon mehr drin sein. Die Züge sind früh wie abends so voll, das ein Großteil der Fahrgäste stehen muss. Genauso müssten meiner Meinung nach an allen Bahnhöfen P&R Plätze vorhanden sein, was leider nicht ist, denn durch sowas bekommt man mehr Fahrgäste.

  4. Felix

    Utopische Vorstellungen! Was soll das? Weder eine Schnellverbindung noch einen 15-Minutentakt braucht man. Was man aber braucht, sind deutlich günstigere Preise. Ich fahre meist mit dem Fahrrad. Ab und zu würde ich aber auch gern mit der S-Bahn fahren, deren Anbindung super ist - aber der Preis schreckt mich zurück. Das sind >50ct/km - da ist man selbst mit dem Auto günstiger. Also nochmal: Reisezeit und 30min-Takt sind völlig OK - der Preis ist viel zu hoch.

  5. Didi

    @Vindor: Einen Wagen mehr wünsche ich mir auch für die S3...

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