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Donnerstag, 18.02.2016

„Ein schwerer Rückschlag“

Asylbewerber griffen in Niederau einen Flüchtlingshelfer mit einem Messer an. Das sorgt nicht nur in der Gemeinde für Diskussionen.

Von Jürgen Müller

Flüchtlinge kommen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Niederau an. Nach anfänglichen Bedenken und Ängsten der Bevölkerung hatte sich die Situation beruhigt. Bis zum vergangenen Sonntag.
Flüchtlinge kommen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Niederau an. Nach anfänglichen Bedenken und Ängsten der Bevölkerung hatte sich die Situation beruhigt. Bis zum vergangenen Sonntag.

© Archiv/Claudia Hübschmann

Niederau. Nach anfänglichen heftigen Protesten scheint man sich in Niederau mit der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber im ehemaligen Real-Markt mehr oder weniger abgefunden zu haben. Das mag auch daran liegen, dass die rund 800 Plätze derzeit nicht mal zu einem Viertel belegt sind. Die meisten Flüchtlinge verschwinden unregistriert mit unbekanntem Ziel. Die Landesdirektion Dresden spricht von „normaler Fluktuation“.

Doch ein Vorfall vom Wochenende lässt die Stimmung jetzt kippen. Ein Helfer aus Coswig, der im Flüchtlingsheim arbeitet, wurde am Sonntagabend auf dem Heimweg von drei Unbekannten überfallen, mit einem Messer bedroht. Die Täter forderten von ihm Geld (die SZ berichtete). Nur weil zufällig ein Kollege des Opfers dazukam, ließen die Täter von ihm ab und flohen. Am nächsten Tag erkannte der Geschädigte einen der Täter im Flüchtlingsheim wieder. Es war ein 22-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan. Nach seinen Mittätern wird noch gefahndet.

„Dieser Vorfall ist ein schwerer Rückschlag“, sagt Niederaus Bürgermeister Steffen Sang (parteilos). Das Deutsche Rote Kreuz als Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtung habe ihm versichert, dass es intern intensive Ermittlungen gäbe. „Der Fall muss aufgeklärt, die Täter müssen ermittelt werden, damit keine weiteren Ängste bei den Bürgern aufkommen“, so der Bürgermeister.

Die Lage um das Flüchtlingsheim habe sich beruhigt. Zwar gäbe es hin und wieder Schlägereien innerhalb des Hauses, nach außen hin sei er aber sehr zufrieden, so Steffen Sang. Da passe der jetzige Vorfall gar nicht ins Bild. „Von Leuten, die in unserem Land Schutz suchen, erwarte ich ein bisschen mehr Dankbarkeit“, sagt der Niederauer Gemeindechef. Solche Vorfälle ließen sich vielleicht vermeiden, wenn die Leute mehr beschäftigt würden, glaubt er.

„Bisher wurden uns keinerlei Vorfälle gemeldet“

Diskutiert wird der Vorfall natürlich auch in den sozialen Netzwerken. „Über kurz oder lang werden wir uns fragen müssen, warum haben wir die stärksten dieser alleinreisenden Herren unter falschen Versprechen zu uns gelockt?“, fragt der Meißner CDU-Stadtrat Jörg Schlechte auf der Facebook-Seite der SZ. „Bedenken der Bevölkerung wurden mit der Nazikeule belegt“, schreibt Oskar Kurt Jensen.

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Auf die Bedenken der Niederauer Bevölkerung hat die Gemeindeverwaltung schon im vergangenen Jahr reagiert. Seit November vorigen Jahres gibt es in der Gemeinde fünf Ein-Euro-Jobber, die in der dunklen Jahreszeit morgens und abends auf den Schulwegen patrouillieren. „Bisher wurden uns keinerlei Vorfälle gemeldet“, so der Bürgermeister. Die Ein-Euro-Jobs laufen im April aus, es soll aber neu verhandelt werden.

Bisher konnte die Polizei die Mittäter des Vorfalles vom Sonntag nicht ermitteln. Vermutet wird, dass es sich ebenfalls um Afghanen handelt. Die gelten bisher als nicht besonders auffällig, was Straftaten anbetrifft. In der Statistik zur Kriminalitätsentwicklung in Sachsen im Zusammenhang mit Zuwanderung tauchen Afghanen unter den ersten zehn Nationen nicht auf. Die überwiegende Mehrheit der Zuwanderer verhalte sich in Sachsen rechtskonform, so das Innenministerium. Permanente Verstöße gegen die Rechtsordnung müssten allerdings Konsequenzen haben: entweder strafrechtlicher Natur oder indem straffällige Zuwanderer, die kein Bleiberecht für sich in Anspruch nehmen können, beschleunigt abgeschoben werden.