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Donnerstag, 18.02.2016

Dresdner CDU-Chef betrunken am Steuer

Der CDU-Mann Christian Hartmann galt als Anwärter auf ein Ministeramt. Nach einer Alkoholfahrt kämpft er allerdings erst einmal um seinen Ruf.

Von Andreas Weller und Gunnar Saft

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Der Dresdner CDU-Chef und Landtagsabgeordnete Christian Hartmann äußerte sich am Donnerstag zu seiner alkoholisierten Autofahrt bei der er von der Polizei erwischt worden war.
Der Dresdner CDU-Chef und Landtagsabgeordnete Christian Hartmann äußerte sich am Donnerstag zu seiner alkoholisierten Autofahrt bei der er von der Polizei erwischt worden war.

© Robert Michael

Dresden. Zerknirscht betritt Christian Hartmann am Donnerstag den Besprechungsraum 366 im Sächsischen Landtag. Der CDU-Abgeordnete hat überraschend zu einer Pressekonferenz eingeladen. Doch geht es diesmal nicht um ein politisches Thema, sondern um ihn. Genauer um eine Verfehlung Hartmanns, die nun sogar in ein Strafverfahren münden kann. Der 41-Jährige schildert aus seiner Sicht, was zuvor am Dienstagabend geschah:

Er sei ab 19 Uhr bei einer Gesprächsrunde in der Dresdner Neustadt gewesen, es sei um politische Themen gegangen. Genauer möchte er nicht werden, auch wer mit in der Runde saß, sagt er nicht. „Ich habe dabei Bier getrunken.“ Wie viele Hefeweizen es waren, lässt er unbeantwortet, schließlich laufe derzeit ein Verfahren gegen ihn. Kurz nach 23 Uhr verließ Hartmann die Gaststätte. „Dann habe ich richtig Mist gebaut und mich angetrunken hinter das Steuer meines Autos gesetzt.“ Über die Augustusbrücke sollte es in Richtung Dresden-Cotta zur Wohnung seiner Lebensgefährtin gehen. Doch auf der Rampe der Augustusbrücke „touchiert“ sein Wagen beim Abbiegen den Bordstein. Auf der rechten Seite ist ein Reifen beschädigt, später platt. Der Politiker fährt langsam weiter, denkt, er komme irgendwie noch an. Doch als er just am Landtag vorbeikommt, werden die dort postierten Polizisten auf das defekte und langsam fahrende Auto aufmerksam. Sie folgen ihm und halten Hartmann ein paar Hundert Meter weiter an. Ein erster Alkoholtest ergibt 0,92 Promille, der CDU-Mann muss ins Krankenhaus, sich Blut abnehmen lassen, um einen exakten Wert zu bestimmen. Klar aber ist, Hartmann ist fahruntüchtig.

Das ist unter einem Wert von 1,1 Promille nicht sofort eine Straftat. Es kann aber eine werden, weil Hartmann dabei einen Fahrfehler begangen hat. Er könnte wegen Trunkenheit im Verkehr verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass ein Prüfvorgang angelegt wurde. Ob es zu Ermittlungen komme, entscheide sich in einigen Tagen, wenn alle Auswertungen vorliegen. „Ich habe sofort dem vorläufigen Einzug meiner Fahrerlaubnis zugestimmt“, sagt Hartmann. Er wolle auch sonst sämtliche Konsequenzen tragen.

Emotional wird es, als der CDU-Abgeordnete darauf verweist, dass er einen erst drei Monate alten Sohn hat. „Als ich ihm am nächsten Morgen im Bett gesehen habe, war es für mich der schwierigste Moment“, erzählt Hartmann mit Tränen in den Augen. Eine solche Dummheit hätte ihm nicht passieren dürfen – generell, aber auch weil er für seine Familie eine besondere Verantwortung trage.

Die sieht Hartmann nun einmal mehr einer kontroversen öffentlichen Debatte ausgesetzt. Ist die Alkoholfahrt eines Politikers nicht schon Reizthema genug, wiegt sie in dem Fall doppelt schwer. Der Abgeordnete ist nicht irgendwer. Hartmann, der seit knapp sieben Jahren im Landtag sitzt, ist von Beruf selbst Polizist, was die ganze Sache nicht einfacher macht. Er ist aber vor allem ein politisches Schwergewicht. Neben seinen vielen Ehrenämtern und Vorsitzposten – darunter dem im CDU-Kreisverband Dresden – hat er seit einigen Jahren auch den wichtigen Posten des innenpolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion inne. Ein traditionelles Sprungbrett, um einmal zum Innenminister aufzusteigen. Dann wäre er zuständig für die Polizei und für die Einhaltung von Recht und Gesetz – auch im Straßenverkehr. Unter Sachsens Christdemokraten trauten viele dem redegewandten und zuletzt souverän agierenden Parteikollegen diese Karriere durchaus zu. Bis Dienstagabend.

Nun aber kommen andere Sachen wieder hoch. So ist es nicht das erste Mal, dass Hartmann mit dem Gesetz in Konflikt gerät: Nach der Flut 2002 gab es Ärger um Spendengelder aus einer Partnergemeinde von Langebrück, wo Hartmann Ortsvorsteher ist. Er hatte sich zwar nicht an Spenden bereichert, aber Quittungen gefälscht. Dafür gab es eine Geldstrafe. 2012 passierte dann ein merkwürdiger Unfall. Hartmanns Wagen wurde am Wegesrand zwischen Dresden und Langebrück entdeckt, beschädigt. Hartmann hatte ihn abgestellt und erst Tage später abgeholt. Es gab Ermittlungen, das Verfahren wurde aber eingestellt. „Eine Trunkenheitsfahrt oder eine Unfallflucht konnte nicht nachgewiesen werden“, so Oberstaatsanwalt Lorenz Haase.

Was nun mehr wiegt, Hartmanns Verfehlung oder seine Reue und seine bisherige Arbeit, ist schwer abzusehen. Das entscheiden neben dem endgültigen Blutalkoholwert die Justiz und die politischen Gremien, denen sich der Abgeordnete in den kommenden Tagen reihum zum Krisengespräch stellen will. Nicht zuletzt zählt die öffentliche Meinung zu dem Fall. CDU-Fraktionschef Frank Kupfer lässt mit einer kurzen Erklärung die Tür jedenfalls offen. „Fehler macht jeder einmal. Wichtig ist, dass man dazu steht. Das tut Christian Hartmann. Dafür hat er meinen Respekt.“

››› Hartmanns Entschuldigungsschreiben an seine Parteigenossen

Ich habe wirklich Mist gebaut, als ich mich angetrunken hinter‘s Steuer gesetzt habe! Als Politiker habe ich eine...

Posted by Christian Hartmann on Donnerstag, 18. Februar 2016

Leser-Kommentare

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Insgesamt 61 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Tierfreund

    und erwischt!... Klasse, Polizei hat wieder einmal nen "Guten Fang" gemacht. Der Wert fehlt noch!

  2. Bernd Reife

    War kein Taxi zu bekommen, oder war es zu kostenintensiv ?

  3. Pauli

    ...ich hoffe mal "die Kollegen" bekommen nun keine Problem, bei dem politischen Schwergewicht und bei der geplanten politischen Zukunft!

  4. szenario01

    Innenminister hätte er eh nie werden können ! Oder glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass sich gestandene Polizeipräsidenten von einem Hauptmeister hätten führen lassen ?... Mal ganz davon abgesehen, er ist auch nur ein Mensch, der einen Fehler gemacht hat. Trotzdem geht es gar nicht, sich als innenpolitischer Sprecher und selbsternannter Polizeiexperte alkoholisiert ans Steuer zu setzen ! Dummheit oder Selbstüberschätzung ?

  5. Josef Graf

    Absolut verständlich,die Politik der CDU ist nur noch im Suff zu ertragen.

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