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Sonntag, 21.06.2015

Diskussion um Homo-Ehe unverhältnismäßig

Während anderswo in den CDU-Landesverbänden die Gleichstellung der Homo-Ehe diskutiert wird, tritt der sächsische Generalsekretär auf die Bremse: Es sei beim Abbau von Diskriminierung viel erreicht worden. Doch genug sei genug.

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Der Generalsekretär der sächsischen CDU, Michael Kretschmer, auf dem Landesparteitag im Juni 2014.
Der Generalsekretär der sächsischen CDU, Michael Kretschmer, auf dem Landesparteitag im Juni 2014.

© dpa

Dresden. Angesichts der Diskussion um eine Gleichstellung der Homo-Ehe hat Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer die Union davor gewarnt, den Blick für das Wesentliche zu verlieren. „Es ist gut, wenn wir uns um Minderheiten kümmern. Aber es ist sicher falsch, die wesentlichen Fragen unseres Landes außer Acht zu lassen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. „Ich finde, die Diskussion wird in einer Intensität geführt, die in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Relevanz dieser Frage steht“

Die Haltung der sächsischen Union sei in dieser Frage ganz klar. „In den vergangenen Jahren habe wir in Deutschland die falsche Diskriminierung abgeschafft. „Weiteren Änderungsbedarf sehe ich nicht“, sagte Kretschmer, der auch stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag ist. Für gleichgeschlechtliche Paare gebe es die Institution der eingetragenen Lebenspartnerschaft, für Mann und Frau die Ehe. „Rechte und Pflichten sind weitestgehend gleich.“ Beim Adoptionsrecht ist für Kretschmer eine Grenze erreicht.

Beim kleineren Koalitionspartner SPD sieht man dies anders. „In den Positionen zu den Bürgerrechten für gleichgeschlechtliche Paare liegen zwischen CDU und SPD Sachsen Welten“, konstatierte erst kürzlich die designierte Generalsekretärin der sächsischen SPD, Daniela Kolbe. Die Haltung zur Ehe sei auch eine Frage des Menschenbildes und der politischen Kultur.

Anderswo zeichnet sich in der Union eine Aufweichung der bislang vorwiegend ablehnenden Haltung gegenüber der Gleichstellung der Homo-Ehe ab. Als erster Landesverband will die Berliner CDU noch vor den Sommerferien seine Mitglieder zu dem Thema befragen. Im Kieler Landtag, wo die CDU die Oppositionsbank drückt, sprachen sich die Unionsabgeordneten zwar dafür aus, homosexuelle Partnerschaften mit der Ehe gleichzustellen. Für einen entsprechenden gemeinsamen Antrag mit den Fraktionen von SPD, Grünen, SSW, FDP und Piraten reichte es dann aber nicht. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 25 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Berg

    Gut, dass es auch Besonnene gibt, die mahnen, alle Folgen vorher zu bedenken. Ist es denn wirklich notwendig, die herkömmliche Ehe künftig als Heteroehe zu kennzeichnen, die Eheleute als heteroverheiratet? Eine juristische Gleichbehandlung bedeutet noch lange nicht, dass zwei Väter oder zwei Mütter gleich sind mit der Familie Vater-Mutter. Oder wird der Unterschied zwischen Weibchen und Männchen jetzt außer acht gelassen? Man muss zwar gegen die Verwendung der Begriffe normal/unnormal sein. Aber gleich sind Homo- und Lebenpaare der traditionellen Ehe nicht. Das wird auch durch noch so wortgewaltige Definitionen nicht erreicht.

  2. RiedelEbb

    Genug ist genug - stimmt, Herr Kretschmer. Ihre ewig gestrigen Ansichten sind genug für unser Land. Sie geben ja sogar schon zu, dass es Diskriminierungen gegeben hat. Selbst das haben Sie in der Vergangenheit bestritten. Glauben Sie ernsthaft, dass homosexuelle Paare weniger geeignet sind, Kinder zu erziehen? Schauen Sie sich doch einmal in Deutschland um! Kümmern Sie sich doch lieber um bessere Bildungs- und Lebensbedingungen für unsere Kinder. Damit haben Sie genug zu tun.

  3. Lobhudler

    Laßt doch einfach jeden glücklich sein, keine Steuervorteile, keine Erberei unter Erwachsenen.... Begünstigt Menscen, die mit Kindern leben.

  4. beobachter

    Es ist zwar respektabel, dass es in der Union noch Widerstand gegen die Werteglobalisierung gibt, aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Union diesen Prozess seit Jahrzehnten aktiv mitgestaltet hat. Die konservative Geste Kretschmers ist deshalb unglaubwürdig und eher parteipolitisch taktiererisch motiviert, so sehr er in Sache Recht hat. Es geht ihm eher darum, konservatives "Profil zu schärfen" und Wähler "mitzunehmen". Er war als Ideologe aktiv an der Zerstörung der Elbwiesen und damit eines innerstädtischen Gleichgewichtes beteiligt, das eine kulturelle Kontinuität wahrte. (Ceterum censeo pontem esse delendam.)

  5. Jörg Urban

    AfD wirkt. Herr Kretzschmer wiederholt die Position, die Frau Dr. Petry in der letzten Talk-Show bei Anne Will vertreten hat. Die CDU hat zu recht Angst um ihre konservativen Wähler. Viel Spass noch mit dem Koalitionspartner SPD!

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