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Dienstag, 12.01.2016

Die mutige Schrubber-Frau

Schmerzhaft endet für einen Dieb in Neugersdorf ein versuchter Raub. Jetzt fahndet die Polizei nach ihm.

Von Romy Kühr

Sie stellte sich resolut einem Räuber entgegen: Frau Riedel hat im Neugersdorfer Getränkemarkt gerade gewischt, als der Dieb den Laden betrat. Mit dem Schrubber hat sie ihn verjagt.
Sie stellte sich resolut einem Räuber entgegen: Frau Riedel hat im Neugersdorfer Getränkemarkt gerade gewischt, als der Dieb den Laden betrat. Mit dem Schrubber hat sie ihn verjagt.

© Thomas Eichler

Neugersdorf. Der Schreck sitzt Frau Riedel noch in den Knochen. Trotzdem ist sie gleich am nächsten Tag wieder zur Arbeit gekommen. Dorthin, wo sie am vergangenen Freitagabend die Schrecksekunden erlebt hat. Die 52-Jährige ist Verkäuferin im Getränkemarkt an der Karl-Liebknecht-Straße in Neugersdorf. Am Freitag ist sie Opfer eines Raubüberfalls geworden – beinahe jedenfalls. Denn mitgenommen hat der mutmaßliche Räuber nichts, dazu ist er nicht gekommen. Frau Riedel hat den Bösewicht erfolgreich in die Flucht geschlagen.

Es ist kurz vor 18 Uhr, als die Verkäuferin wie jeden Abend den Laden saubermacht. „Das gehört auch zu meinen Aufgaben hier im Geschäft“, erzählt sie. Sie will den Lappen draußen ausklopfen und läuft mit dem Schrubber Richtung Eingangstür. Als sie die öffnet, steht dort ein Vermummter Mann vor ihr. Die Polizei spricht später in ihrem Bericht ganz neutral von einer „vermummten Person“. Frau Riedel ist sich aber sicher, dass es ein Mann gewesen ist. „Er war dunkel gekleidet und nicht zu erkennen“, beschreibt die Verkäuferin den Räuber. Er richtet eine Pistole auf sie und sagt mit ausländischem Akzent so etwas wie „Geld her“. Genau hat sich Frau Riedel das vor Schreck nicht gemerkt. Doch sie überlegt nicht lange. Im Affekt schlägt sie dem Mann mit dem Schrubber auf den Kopf. „Ich habe kräftig zugehauen. Das hat bestimmt weh getan. Er hat noch ’Aua‘ geschrien, das habe ich verstanden“, erzählt die mutige Frau. Dann läuft er weg und verschwindet unerkannt in der Finsternis. Frau Riedel ruft die Polizei. Die trifft auch wenige Minuten später am Getränkemarkt ein, kann den Täter aber in der Umgebung nicht mehr finden.

Was allerdings gefunden wird, ist die Waffe, die der Täter auf Frau Riedel gerichtet hatte. Die hatte die Verkäuferin ihm bei ihrem Gegenangriff aus der Hand geschlagen. „Sie lag zersplittert am Boden“, berichtet Frau Riedel. Nur das Magazin sei noch ganz gewesen. Es handelte sich um eine sogenannte Soft Air Pistole. „Das ist eine Waffe, die kleine Plastikkügelchen verschießt“, erklärt Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz. „Das tut weh, damit kann man schon jemanden verletzen“, sagt er. Von außen sei auch nicht erkennbar, ob es sich um eine echte, scharfe Waffe handelt.

Zum Einsatz gebracht hat der Täter die Pistole nicht. Die Verkäuferin war mit ihrer Verteidigungsstrategie schneller. „Es war eigentlich ein großes Glück“, sagt sie rückblickend, „dass ich gerade beim Putzen war.“ Dadurch habe sie zumindest etwas in der Hand gehabt, womit sie sich wehren konnte. „Hätte ich gerade an der Kasse gestanden, wäre es sicher anders ausgegangen.“ Ihr Chef habe ihr jedenfalls geraten, in so einem Fall lieber das Geld herauszugeben, als sich in Gefahr zu bringen. Man wisse schließlich nicht, ob der Dieb eine echte Waffe dabei hat.

Als der Räuber den Laden betritt, ist die Angestellte allein im Markt, ein Kunde ist gerade nicht da – obwohl zu der Zeit kurz vor dem Wochenende gewöhnlich reger Betrieb herrscht. „Das muss der Dieb beobachtet und abgepasst haben“, vermutet Frau Riedel. Die Polizei sucht nun den Täter. Sie ermittelt derzeit wegen versuchtem Raub gegen unbekannt, berichtet Polizeisprecher Knaup auf Nachfrage der SZ. Genauere Informationen zum Täter gibt es noch nicht. Wer in der fraglichen Zeit zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr rund um den Getränkemarkt an der Karl-Liebknecht-Straße in Neugersdorf etwas beobachtet hat oder nähere Angaben zu dem vermummten Mann machen kann, soll das bei der Polizei melden.

Frau Riedel bleibt indessen weiterhin an ihrem gewohnten Arbeitsplatz. Ein bisschen mulmig ist ihr allerdings immer noch. „Vor allem, wenn es abends dunkel draußen wird.“

Kontakt: Polizeirevier Zittau-Oberland: 03583620

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