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Donnerstag, 05.10.2017

„Die Leute wissen gar nicht, was sie Sachsen antun“

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Prof. Gerhard Ehninger (Archivfoto von 2013).
Prof. Gerhard Ehninger (Archivfoto von 2013).

© dpa

Dresden. Der Dresdner Medizinprofessor Gerhard Ehninger befürchtet durch den AfD-Wahlsieg im Freistaat negative Auswirkungen auf den Wissenschaftsstandort Sachsen.

Bei jeder Anwerbung eines Forschers spiele mittlerweile die Frage eine Rolle, ob ein Umzug nach Sachsen der eigenen Familie überhaupt noch angetan werden könne, sagte Ehninger am Donnerstag im Interview mit den „Dresdner Neuesten Nachrichten“. Spitzenforscher, die man gern in Dresden haben wolle, seien nur noch schwer zu gewinnen: „Leute mit Migrationshintergrund, das weiß ich aus meiner täglichen Arbeit in Dresden sehr gut, müssen immer mehr Beschimpfungen auf offener Straße ertragen.“

Für ausländische Kollegen sei die Dresdner Innenstadt an einem Montagabend eine No-Go-Area, sagte Ehninger mit Blick auf die montäglichen Pegida-Aufmärsche. Sie wollten sich dem Gebrüll und der Dumpfheit nicht aussetzen. „Sie machen einen großen Bogen um das Stadtzentrum. Die traurige Ironie ist ja, dass die bei Pegida gerade über die No-Go-Areas in westdeutschen Großstädten klagen und jetzt in Dresden selbst eine geschaffen haben.“

Ehninger erinnerte auch an die Beschimpfungen von Politikern zur zentralen Feier am Tag der Deutschen Einheit 2016 in Dresden. „Da beginnt für mich das Fremdschämen. Die Leute wissen gar nicht, was sie mit diesem Verhalten ihrem Land Sachsen und Deutschland antun.“ Der Onkologe ist Klinikchef und Professor für Innere Medizin am Uniklinikum Dresden. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 77 Kommentare

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  1. Joe

    "Bei jeder Anwerbung eines Forschers spiele mittlerweile die Frage eine Rolle, ob ein Umzug nach Sachsen der eigenen Familie überhaupt noch angetan werden könne, sagte Ehninger am Donnerstag im Interview mit den „Dresdner Neuesten Nachrichten“." Wo ist die Quelle dazu oder bezieht sich das nur auf Bewerber im Uniklinikum? Wäre dann aber nicht so plakativ, nicht wahr, liebe Redaktion? Ansonsten ist das nur eine Einzelmeinung, wie Sie jeder, egal welcher Titel, hat.

  2. gast

    also ich würde meiner Familie auch nicht Berlin Neuköln, Duisburg Marxloh oder ähnliche Städte oder Stadtteile empfehlen....

  3. noname

    Lieber Joe, ich arbeite in einem Tech-Unternehmen, wo ein hoch qualifizierter Bewerber (Ausländer) gerade eben ein Stellenangebot abgelehnt hat, da er auf der Straße bepöbelt wurde und sich das hier nicht antun möchte. Er bleibt nun leider in London. Ansonsten ist es für uns sehr schwierig qualifizierte Arbeitskräfte anzuwerben, da Dresden und Sachen ein sehr schlechtes Bild nach außen vermitteln, die meisten wollen nicht herkommen (schon gar nicht mit Familie). Meine Erfahrung deckt sich voll und ganz mit denen des Prof. Wir suchen händeringend Leute. In der lokalen Bevölkerung gibt es leider zu wenige mit den entsprechenden Qualifikationen. Sollte unser Standort hier deshalb geschlossen werden müssen, werden weitere Steuerzaher woandershin abwandern (müssen, z.B. ich). Danke an alle AfD-Wähler und Montags-Demonstrierer. Danke.

  4. SP

    @#1: "Nur das Uniklinikum" fände ich ja schon schlimm genug. Sie können gedanklich vermutlich getrost noch die TUD, diverse med.-techn. Firmen bzw. generell den Rücklauf via DD place to be hinzurechnen.

  5. Volker Volkmar

    Sehr geehrter Herr Prof. Ehninger. Sicher haben Sie hohe Verdienste in der Medizin und speziell in der Leukämietherapie. Warum Sie sich allerdings "Fremdschämen" (müssen), bleibt Ihr Geheimnis. Zugleich ist vieles von dem, was Sie beschreiben, nicht tolerierbar. Scheinbar gibt es jedoch für Menschen, die kein Physikum bestanden und eine weltläufige, kosmopolitische Karriere wie Sie gemacht haben und auch nicht die "Gnade der westlichen Geburt" im schönen Baden-Württemberg hatten, vorrangig diese Gelegenheiten (wo sich Politiker ihrem Volk zeigen) sehen, sich Gehör zu verschaffen. Vielleicht denken Sie auch einmal an diesen Spruch: „Wenn Du mit dem Finger auf andere Menschen zeigst, zeigen drei Finger auf Dich selbst."

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