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Samstag, 13.01.2018

„Die JVA Zeithain ist unverzichtbar“

Geert Mackenroth (CDU) lädt zum Talk nach Riesa ein. Die SZ sprach mit ihm über das Gefängnis, Lehrer und Windräder.

Von Christoph Scharf

Landtagsabgeordneter, Ausländerbeauftragter und früherer Justizminister: Der CDU-Politiker Geert Mackenroth richtet am Montag eine Talkrunde in Riesa aus. Dazu hat er die Brüder Dittrich eingeladen – den Chef der Dresdner Handelskammer und den früheren Intendanten der Elbland Philharmonie.
Landtagsabgeordneter, Ausländerbeauftragter und früherer Justizminister: Der CDU-Politiker Geert Mackenroth richtet am Montag eine Talkrunde in Riesa aus. Dazu hat er die Brüder Dittrich eingeladen – den Chef der Dresdner Handelskammer und den früheren Intendanten der Elbland Philharmonie.

© Lutz Weidler

Riesa. Gunther Emmerlich war schon da, Ralf Minge auch. Nun hat der Riesaer CDU-Landtagsabgeordnete Geert Mackenroth die Brüder Dittrich zu seiner Talkrunde nach Riesa eingeladen – der eine ist Chef der Dresdner Handwerkskammer, der andere war lange Intendant der Elbland Philharmonie und ist heute Chef des Chemnitzer Theaters.

Die SZ sprach mit dem 67-jährigen „Talkmaster“, der in Sachsen als Ausländerbeauftragter und früherer Justizminister bekannt ist.

Herr Mackenroth, werden Sie Christoph Dittrich auch nach der Arbeitsbelastung bei der Elbland Philharmonie fragen?

Die Elbland Philharmonie steht ganz oben auf der Liste der abzuarbeitenden Fragen: Ich möchte gern wissen, wie Christoph Dittrich die Arbeit dort sieht. Und ich werde ihn natürlich auch zur Situation an der Kirchstraße befragen. Von der Baustelle dort liest man ja immer wieder was.

Ich frage eigentlich deshalb, weil der Prokurist der Elbland Philharmonie Christian Geschke gerade noch den Prokuristenjob beim Arena-Betreiber FVG übernommen hat, quasi im Nebenjob. Sie kennen ihn ja vom CDU-Stadtverband. Ist das eine gute Wahl?

Christian Geschke hat bewiesen, dass er mit Zahlen umgehen kann. Und das Thema Kunst, Kreativität, Emotionen tut der FVG mit Sicherheit gut. Ich denke, dass beide Jobs einen großen persönlichen Einsatz fordern. Ich bin mir sicher, dass Christian Geschke zeigen wird, dass er den Aufgaben gewachsen ist. Aus meiner Sicht sind das aber langfristig eher zwei Vollzeit-Jobs.

Und was hat der Handwerkskammer-Chef Jörg Dittrich mit Riesa zu tun?

Der ist ja nicht nur Handwerks-Experte, sondern auch ein großer Sportfan. Ihn will ich nicht nur fragen, warum so viele Handwerker unzufrieden sind und AfD gewählt haben. Ich möchte auch wissen, wie Jörg Dittrich zur Marke Sportstadt Riesa steht – und ob man mit diesem Etikett noch werben kann. Da gibt es einige Anknüpfungspunkte.

Sie sitzen seit fast neun Jahren im Landtag: Spielt auch das Thema Landespolitik eine Rolle?

Die Veranstaltung in Riesa soll weniger politisch sein, sondern eher eine Talkrunde nach dem Vorbild Riverboat. Mich interessiert, wie zwei Mittvierziger ihr Leben führen, das auch ganz anders hätte laufen können. Schließlich sind das zwei ungleiche Brüder, die aber offenbar auch viel gemeinsam haben – nicht nur die Herkunft aus einer profilierten Unternehmerfamilie.

Ich frage trotzdem mal ganz konkret: Wie stehen Sie denn zu dem derzeit umstrittenen Thema Lehrer-Verbeamtung?

Wir haben einen klaren Fahrplan. Wir wollen, dass vor jeder Klasse, in jedem Fach eine gut ausgebildete Lehrkraft steht. Die Frage ist, ob dafür eine Verbeamtung weiter hilft. Das ist sicher eine Möglichkeit. Allerdings ist eben auch der Einstieg in eine höhere tarifliche Besoldung durchaus denkbar. Ich denke, dass jetzt erstmal alle Zahlen und Fakten auf den Tisch müssen, danach werden wir nach der zweckdienlichsten Lösung suchen. Wenn für unser Ziel eine Verbeamtung das einzige Mittel ist, werden wir uns dem in meiner Fraktion nicht länger entgegenstellen. Das Ergebnis hängt natürlich auch vom Fraktionspartner ab. Trotzdem erbitte ich hier einen kleinen Vertrauensvorschuss, denn bis es zu einer spürbaren Veränderung kommt, wird es noch ein, zwei Jahre dauern.

Im Dezember haben Sie den Festakt zum 40-jährigen Bestehen der JVA Zeithain besucht. Nach wie vor schwebt über der Einrichtung der Schließungsbeschluss, auch wenn sich der Justizminister für den Erhalt ausspricht. Halten Sie die JVA Zeithain für verzichtbar?

Zunächst freue ich mich, dass wir in Zeithain keine Berliner Verhältnisse haben! Da bricht nicht ständig jemand aus, auch wenn wir dort ein gutes Klima mit dem Schwerpunkt auf der Resozialisierung haben. Das Konzept von Zeithain mit seiner Drogentherapie, den Musik- und Kunstangeboten funktioniert und wird gebraucht. Schon wegen dieses Profils hat Zeithain einen dauerhaften festen Platz in der JVA-Landschaft Sachsens verdient, auch wegen der sehr engagierten Mitarbeiter.

In Riesa engagieren Sie sich im kriminalpräventiven Rat, der im Herbst gegründet wurde. Wie steht es darum?

Ich hoffe sehr, dass das verantwortliche Riesaer Ordnungsamt die Planungen zeitnah vorantreibt. Die Erwartungen in der Bürgerschaft sind groß! Viele Einwohner haben sich mittlerweile an mich gewandt – etwa mit Fragen zur Drogen- oder Trinkerszene, zu mehr Beleuchtung oder zu Kontrollen. Ich würde gern monatliche Sicherheitsbesprechungen mit den Beteiligten realisieren und eine permanente Ansprechmöglichkeit für die Bürger schaffen – auch wenn es nur um Alltagsprobleme wie Parkplätze, übervolle Mülleimer oder eine niedergetretene Frühjahrsbepflanzung geht.

In Strehla dagegen hat man dagegen andere Sorgen: Dort fürchtet man, im neuen Regionalplan erneut als Ort ohne zentrale Funktionen aufzutauchen. Sehen Sie aus Sicht der Landespolitik Strehla eher als Zentrum – oder schon als Vorort von Riesa?

Strehla ist ein Ort, der Zukunft hat! Das sieht man auch daran, dass es gelungen ist, mit dem Projekt Ortsumfahrung noch in den Bundesverkehrswegeplan zu kommen. Strehla einem Dorf gleichzustellen, wird der Sache nicht gerecht. Ob die Stadt auf Dauer allein zurechtkommt, muss sie wie jede andere Gemeinde auch ständig neu überprüfen. Das vorbildliche neue Wohngebiet ist bereits verkauft – das zeigt doch, dass die Stadt aktiv und attraktiv ist. Ich werde mich mit dem Bürgermeister zusammensetzen und sehen, was man in Dresden noch erreichen kann. Vielleicht ist eine Einstufung als Grundzentrum doch noch möglich.

Ebenfalls im Regionalplan geht es um das Thema Windkraft-Flächen. Haben wir davon in der Region genug – oder sollte man das Thema forcieren?

Die Koalitionäre in Berlin haben ja gerade kundgetan, die Klimaziele korrigieren zu wollen. Ich bin der Meinung, dass Deutschland bei diesem Thema nicht der Schulmeister für die ganze Welt sein muss, der die Energiewende auf Kosten der Menschen auf dem Land durchdrückt. Windkraftflächen sind mit Augenmaß zu planen, mit ausreichend Abstand zu Wohngebäuden. 400 Meter reichen da nicht. Das können auch mal 800, 1 200 oder gar 1 500 Meter sein. Da sind vernünftige Lösungen nötig.

„Olympiatalk“ am Montag, 15. Januar, ab 19 Uhr im Sportzentrum Olympia. Karten gibt es kostenlos im SZ-Treffpunkt Riesa, Hauptstraße 56, Telefonnummer 03525 72415720.

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