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Dienstag, 09.02.2016

Die Abrissbagger rollen weiter

Fast 1 100 Wohnungen wurden 2015 mit staatlicher Förderung abgerissen. Dabei wird in Großstädten Wohnraum knapp.

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Abriss der Gagfah-Plattenbauten in Dresden-Tolkewitz.
Abriss der Gagfah-Plattenbauten in Dresden-Tolkewitz.

© Archiv: Tobias Wolf

Dresden. Seit dem Jahr 2 000 sind in Sachsen knapp 117 000 Wohnungen mit staatlicher Finanzierungshilfe abgerissen worden. Und der Abriss geht weiter. Im vergangenen Jahr flossen dafür knapp acht Millionen Euro öffentlicher Mittel. 1 094 Wohnungen wurden damit abgerissen. Allerdings sind das die niedrigsten Zahlen seit Jahren. Der Wohnungsabriss hatte seinen Höhepunkt in Sachsen in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts. 2006 wurden dafür knapp 60 Millionen Euro auf öffentlichen Kassen verwandt. Für das Jahr 2007 weist das sächsische Innenministerium die höchste Abrisszahl aus: 17 040.

Einher ging der Wohnungsabriss mit einem über Jahre währenden starken Rückgang der Bevölkerung in Sachsen. Seit Ende 1990 nahm sie um rund 15 Prozent ab auf etwas mehr als vier Millionen.

Die Angaben gehen hervor aus der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten André Schollbach von den Linken. Demnach wurde der sogenannte Rückbau seit dem Jahr 2000 aus bis zu vier verschiedenen Förderprogrammen finanziert. Das größte ist der von Bund und Ländern aufgelegte Stadtumbau Ost. Allein daraus flossen zwischen 2002 und 2015 mehr als 400 Millionen Euro für den Abriss. Aus zwei Landesprogrammen wurden rund 50 Millionen Euro investiert.

Schollbach kritisiert: „Mit ihrer falschen Abrissförderpolitik hat die CDU-geführte Staatsregierung die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Dresden und Leipzig deutlich verschärft.“ Nach seinen Angaben sind in der Landeshauptstadt in den vergangenen 15 Jahren mehr als 7 900 Wohnungen abgerissen worden. Die staatliche Förderung dafür habe knapp 28,5 Millionen Euro umfasst.

„Anstatt öffentliche Gelder für den Sozialwohnungsbau bereitzustellen, wurde das Wohnungsangebot künstlich verknappt“, so Schollbach. Dies führe in Großstädten zu Wohnungsmangel und steigenden Mieten. In der Tat verbuchen vor allem Leipzig und Dresden Zuwachs – allerdings auch auf Kosten der umliegenden Regionen. Seit dem vergangenen Jahr macht sich auch der Flüchtlingszuzug bemerkbar.

Sachsen unterstützt nicht nur den Abriss von teils schwer vermietbaren und sanierungsbedürftigen Wohnungen. Die Regierung fördert auch Wohnraum. Aus einem Landesprogramm wurden zwischen 2007 und 2015 mehr als 400 Millionen Euro an zinsgünstigen Darlehen ausgezahlt. Gefördert werden die energetische Sanierung, der altengerechte Umbau und das Schaffen von Wohneigentum. Davon profitierten fast 22  500 Wohnungen. Innenminister Markus Ulbig (CDU) bezeichnet die Wohnraumförderung als „unverzichtbares Element“ sächsischer Förderpolitik.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Richard52

    Das – die Erfolge von Partei & Regierung der heutigen Planwirtschaft. Bauminister Ulbig, Sie besitzen den Überblick mit der Wohnraumförderung als „unverzichtbares Element“ der sächsischen Förderpolitik. Die ca. 8 Mille für 1094 Wohnungen im Ergebnis 7300 Euro pro Wohnung, das bringt Aufschwung, aber nur für die Unternehmen. Der kleine Mann mit Hatz 4 zahlt drauf, wenn er aus der Wohnung gedrängt wird und die letzte Brücke kostete ja 185 Mille und da werden in Zukunft immer weniger gebaut.

  2. Oswin

    Ulbig interessiert das herzlich wenig. Er ist mit Wohnraum versorgt. Sollen doch die anderen sehen, wo sie wohnen. Das ist schlicht und einfach "christliche" Politik.

  3. Berg

    Nach der Wende setzte in den Medien eine großangelegte Kampagne zur Diffamierung der städtischen oder genossenschaftlichen Neubauwohnungen. Es sollten die Bewohner stigmatisiert werden und gleichzeitig veranlasst, in die privaten teuer sanierten Striesner Altbauwohnungen umzuziehen - und zwar solange, bis tatsächlich ganze Blöcke leerstanden. Und keine Kampagne zur Wiederbesiedlung setzte ein - also Abriss. Gesamtstädtisch gesehen ein Fiasko.

  4. Kafkastore

    auch wenn es eine alte Leier ist, die Mietpreise für Dresden nähern sich der Perversion an. Den meisten Menschen bleibt nichts anderes übrig, in Plattenbauwohnungen zu ziehen, welche aber noch lange nicht so schlecht sind, wie eine schlecht sanierter Altbau. Das Problem an der Platte ist, besonders bei der Gagfah jetzt Vonovia, das viele einfach nicht saniert sind. Der Standard ist immer noch 1986. Das zweite Problem, es ist eine Ansammlung von Menschen mit erheblichen sozialen Defiziten, was nicht auf immer auf Armut zurückzuführen ist, sondern einfach nun mal so ist. Ich wohne seit zehn Jahren in der Platte, diese hat große Vorteile im Bezug auf Infrastruktur, gute ÖNVP und Einkaufsmöglichkeiten sind immer vorhanden. Doch es wäre wichtig Wohnungen zu bauen für Menschen welche sich einfach eine Wohnung in Strehlen oder Strießen sich nicht leisten können.

  5. Berg

    Und wir sind in Striesen geboren, unser Viertel blieb von Bomben verschont. Dort wohnte ich 36 Jahre mit Miete 65 Mark für die Dreizimmer-Wohnung, klar, Ofenheizung, ungedämmt. Alle Anträge auf eine Neubauwohnung wurde abgelehnt. So lernten wir diese weder in Gorbitz noch in Laubegast kennen, wo wir gerne hingezogen wären. Einmal Altbau, immer Altbau - bis der Alteigentümer wieder auftauchte, alles sanierte und die Miete auf ein Vielfaches erhöhen durfte, damit wir seine Schulden/Zinsen mit bezahlen sollten. Doch da bauten wir selber neu, am Stadtrand, und verschmähten die ehem. Neubauwohnungen.... Dieser "kleine Mann nit HartzIV" findet in der Platte eine adäquate Unterkunft, evtl. als WG, solange, bis er aus HartzIV wieder raus ist.

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