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Donnerstag, 25.02.2016

Das ging schief

Meißens Stadtrat hat jetzt beraten, wer für die Probleme am Schrägaufzug geradestehen soll.

Von Peter Anderson

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Der Panoramaufzug am Burgberg ist einem Gutachten zufolge falsch geplant und konstruiert sowie schlecht gebaut worden. Doch wer trägt eigentlich die Schuld dafür und trägt die Kosten?
Der Panoramaufzug am Burgberg ist einem Gutachten zufolge falsch geplant und konstruiert sowie schlecht gebaut worden. Doch wer trägt eigentlich die Schuld dafür und trägt die Kosten?

© Claudia Hübschmann

Meißen. Voll besetzte Stühle im Meißner Ratssaal am Mittwochabend. Das Thema hat es in sich. Es soll über die Zukunft des Panoramaaufzugs aus dem Meisatal zur Albrechtsburg beraten werden.

Der Hintergrund: Seit seiner Inbetriebnahme im Mai 2011 hat der Lift häufiger durch Stillstand von sich reden gemacht, als durch eine reibungslose Funktion. Als Meißner Touristenfalle schrieb die Anlage teils bundesweite Schlagzeilen. Wiederholt mussten Nutzer nach stundenlanger Wartezeit von der Feuerwehr befreit werden.

Die Geschichte des Aufzuges geht dabei länger zurück, als manchem jüngeren Stadtrat bekannt sein dürfte. Bereits unmittelbar nach der Friedlichen Revolution seien die ersten Ideen und Vorschläge dazu in der Stadt diskutiert worden, so Dezernent Steffen Wackwitz. 1996 habe ein privater Investor ein Gerüst am Burgberg aufgestellt, um zu prüfen, wie sich ein Aufzug in der Fernsicht auswirken würde. 1999 ging es weiter mit dem Meißner Architekten Knut Hauswald, der zusammen mit einem Radebeuler Partner eine Studie vorlegte, die von der äußeren Kontur an den historischen Aufzug zur Ostrauer Scheibe in Bad Schandau erinnert. Der Entwurf blieb allerdings auf dem Papier.

Das Ende vom Lied: Seit Mai 2011 fährt der letztlich für Baukosten von insgesamt 2,2 Millionen Euro realisierte Schrägaufzug. Zwei Drittel der Summe trugen Bund und Freistaat bei. Ein Drittel blieb an der Stadt Meißen hängen.

Während die Chronologie noch positiv und nach vorn gerichtet klingt, ist es an Bauamtschef Dirk Herr, die Pannenserie seit Mai 2011 bis heute zusammenzufassen und die vielen Aussprachen mit Erbauer und Stadträten anzudeuten, die es gab, um mit den Problemen fertig zu werden. Gleichzeitig liefert der Bauamtschef einen wichtigen Schlüssel, um das Technik-Desaster verstehen zu können. Dirk Herr verweist darauf, dass die Variante gewählt wurde, welche am wenigsten in den Burgberg eingreift. Dadurch mussten Baugruppen verwendet werden, die eben heute Probleme machen. Der Rathaus-Mitarbeiter erwähnt explizit die zwischen den Zinnen eingepassten Spezialtüren mit ihrem Rost- und Schließproblem.

Die Verantwortlichen haftbar machen

Für die anschließende Diskussion der Stadträte gibt FDP-Mann Martin Bahrmann das Ziel vor. Allgemeiner Verschleiß müsse von Meißen getragen werden, nicht aber die grundlegenden Fehler, welche immer wieder aufträten. Dafür müssten die Verantwortlichen gefunden und haftbar gemacht werden. Das Gutachten zeige sehr genau, wo die Probleme liegen. Der Aufzug roste, ruckele und habe ein Wasser- sowie Winterproblem. „Bei mir hat sich sehr viel Frust angestaut“, so Bahrmann.

Linken-Fraktionschef Ullrich Baudis spitzt noch einmal zu. „Wir haben zu gut Deutsch Schrott gekauft“, sagt er. Die Stadt sei bis jetzt mit einem hellblauen Auge davongekommen. Das liege allerdings einfach daran, dass es in den vergangenen Jahren so gut wie keinen Winter gegeben habe. In einem ersten Schritt müsse es jetzt darum gehen, abzusichern, dass keine Personen zu Schaden kämen.

Auf ein anderes Feld lenkt die Wortmeldung von ULM-Fraktionschef Wolfgang Tücks. Er fragt: „Was wurde ausgeschrieben, was war bestellt? Wir dürfen nicht nur auf die Firma Hütter schauen.” Ähnlich argumentiert CDU-Fraktionschef Falk Werner Orgus. Das Kernproblem sei, ob in die Anlage Teile eingebaut wurden, die für den reibungslosen Betrieb bei Wind und Wetter nicht geeignet seien. Das müsse geklärt werden. Eine Chronologie der Ereignisse, wie sie die Stadtverwaltung geliefert habe, sei dabei wenig hilfreich.

Den Ärger vieler Stadträte fasst Linken-Abgeordneter Andreas Graff zusammen: „Ich hätte erwartet, dass der Oberbürgermeister heute da ist – und, dass man sich in der Stadtverwaltung bereits einen Kopf über Lösungsmöglichkeiten gemacht hat.” Ein Antrag auf Auszeit, um trotzdem bereits in dieser Sitzung erste Beschlüsse fassen zu können, scheitert mit denkbar knapper Mehrzeit. Erst im März soll nun entschieden werden. Einen Monat später endet die Gewährleistungsfrist des Aufzugsbauers Hütter.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. OLdie - 88 -

    Ganz klar ist doch, dass innerhalb einer Gewähleistungsfrist der Hersteller für Reparaturen, die durch falsche Planungen usw.entstanden sind, verantwortlich ist. Und dann beginnt für die durchgeführten Reparaturen die Gewährleistungsfrist von Neuem. Naja, wenn in Stadträten usw. z.B. keine VOL- und VOB-Kenner vorhanden sind, weiß man oft nicht, welche rechtlichen Ansprüche man hat. Aber das ist vielleicht gut so, denn Juristen wollen ja auch leben. Und die Elbhangbahnen in Dresden laufen seit "Jahrhunderten" (etwas übertrieben) und finden in der ganzen Welt technisches Interesse. Meissen kann zwarweltbekanntes einmaliges Tschirnhaus`sches Weisses Gold herstellen, hat aber von Aufzugen wohl keine Ahnung. Oder doch?

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