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Montag, 28.08.2017

„Da ist Sachsen sehr gut aufgestellt“

Sachsen wird die rote Laterne beim Krippenpersonal nicht los. Hier kommen die meisten Kleinkinder zur Betreuung auf eine Fachkraft. Der Personalschlüssel sei nicht alles, meint die Landesregierung.

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In keinem anderen Bundesland muss sich ein Erzieher um so viele Kleinkinder kümmern wie in Sachsen.
In keinem anderen Bundesland muss sich ein Erzieher um so viele Kleinkinder kümmern wie in Sachsen.

© dpa

Gütersloh/Dresden. Sachsen bleibt bundesweit Schlusslicht bei der Kinderbetreuung in den Krippen. In keinem anderen Bundesland muss sich ein Erzieher umso viele Kleinkinder kümmern wie im Freistaat. Zu diesem Ergebnis kommt der am Montag veröffentlichte „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung. Demnach blieb der Personalschlüssel mit 6,5 Kleinkindern pro Erzieher nahezu unverändert. Auch die Qualität in den Kitas habe sich nur geringfügig verbessert. Kamen im März 2012 noch 13,7 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Kindergartengruppen, waren es 2016 rein rechnerisch 13,4 Kinder.

Damit liegt Sachsen in beiden Bereichen unter dem Mittel aller ostdeutschen Länder, wo in Krippen ein durchschnittlicher Personalschlüssel von 1 zu 6,0 und in Kitas von 1 zu 12,2 gilt. Das Kultusministerium warnte allerdings davor, allein den Personalschlüssel zur Bemessung der Betreuungsqualität heranzuziehen.

Deutlich mehr Personal gibt es in westdeutschen Krippen (1 zu 3,6). Allerdings sind dort mit 28 Prozent der Kinder unter drei Jahren auch deutlich weniger in Betreuung als im Osten (52 Prozent).

Die Spannweite der Personalschlüssel innerhalb Sachsens ist dem Monitor zufolge vergleichsweise gering. So lag er in Krippen im Vogtlandkreis bei 1 zu 6,2, in Leipzig dagegen bei 1 zu 6,8. In den Kitas schwankte er zwischen 12,9 in Dresden und 14,0 im Landkreis Meißen.



„Zur Qualität gehört auch das Ausbildungsniveau der Beschäftigten. Und da ist Sachsen sehr gut aufgestellt“, sagte der Sprecher von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU). Laut Monitor verfügen 84 Prozent der gut 25000 pädagogisch Tätigen in den sächsischen Kitas über einen Fachschulabschluss, etwa als Erzieherin. Bundesweit seien es nur 70 Prozent. „Der Anteil von Fachkräften mit Hochschulabschluss beträgt rund acht Prozent. Damit ist Sachsen Spitzenreiter in Deutschland“, sagte Sprecher Dirk Reelfs.



Die Grünen forderten eine Kita-Qualitätsoffensive. „Bundesweit müssen einheitliche Standards in der Kita-Qualität eingeführt werden - davon profitiert insbesondere Sachsen“, meinte die Landes-Ko-Vorsitzende Christin Melcher. „Für Kinder darf es keine Rolle spielen, in welchem Bundesland sie aufwachsen.“

Für das Monitoring wertete die Bertelsmann Stiftung die Personalschlüssel der bundesweit 402 Kreise und kreisfreien Städte aus. Sie empfiehlt als kindgerecht ein Verhältnis von 1 zu 3,0 in Krippen und 1 zu 7,5 in den Kita-Gruppen. Um dahin zu kommen, müssten in Sachsen nach Berechnungen der Stiftung zusätzlich 17400 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte für jährlich 809 Millionen Euro eingestellt werden. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Roba

    Für die Zukunft Sachsens ist nicht das Ergebnis einer Bertelsmann-Studie entscheidend, sondern Das, was bei Kinder- Betreuung und -Erziehung "hinten rauskommt"; und Das lässt bei realistischer Betrachtung nichts Gutes für viele Sachsen erwarten.

  2. Ein Leser

    Ich lade die Damen und Herren herzlich ein, sich einmal für eine Woche der Realität in einer Kita oder Krippe zu stellen. Standardgruppengröße 18 Kinder, im Kiga von einer, in der Krippe von zwei Erziehern betreut, macht einen Realschlüssel von 1:18 bzw 1:9, in Zeiten von Krankheit, Urlaub, Schwangerschaft... entsprechend mehr. Und damit machen Sie mal Bildung auf hohem Niveau!

  3. RU

    Die Ausbildung der Kinderbetreuer mag in Sachsen besser sein, aber ihre Bezahlung ist schlechter. Trotzdem muss inSachsen noch viel mehr getan werden, auch Kindern aus sozial schwachen Familien einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Auch die Ursachen für den hohen Anteil von Schulabbrechern in Sachsen müssen so früh, wie möglich, bekämpft werden.

  4. Frau Suhrbier

    @2) Stimme Ihnen voll und ganz zu. Ein jämmerliches Armutszeugnis für unsere ach so glorreiche Staatsregierung. Realitätsfremd bis über beide Ohren. Denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf... Immer alles schön reden. Der Sozialismus lässt grüßen!

  5. Frank

    Immer dieses jammern auf hohem Niveau. Wenn die Erzieher mal 38 Stunden alle arbeiten würden, würde es genügend Personal geben. Bei uns in der Kita sagt man, es würde keine Erzieher mehr geben auf dem Markt. Aber im gleichen Gespräch sagt man ich arbeite nur 32 Stunden und bei uns sind 2 Stellen unbesetzt? Wie geht das? Dann müssen eben aus den 32 Stunden auch 38 Stunden Verträge gemacht werden. Bei uns in der Firma fragt da keiner wie lange wir arbeiten wollen wir müssen 40 Stunden arbeiten.

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