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Samstag, 15.03.2014

Coup mit links

Der linke Fußballverein Roter Stern Leipzig hat einen neuen Sponsor. Die Marke Lonsdale war lange bei Rechten beliebt.

Von Thilo Alexe

Cool mit Brille, Bart und Lonsdale. Die Kleidermarke sponsert den Leipziger Stadtligisten Roter Stern. Neben der Trikotwerbung gibt es noch einen Bus.
Cool mit Brille, Bart und Lonsdale. Die Kleidermarke sponsert den Leipziger Stadtligisten Roter Stern. Neben der Trikotwerbung gibt es noch einen Bus.

© Roter Stern

So geht Komfort: Die etwa 200 Meter von der Umkleide zum Rasen des Sportparks Dölitz im Süden Leipzigs muss die Mannschaft am Sonntag nicht laufen. Die Spieler des Fußballstadtligisten Roter Stern können vor dem Heimspiel gegen die Kicker von Leipzig Ost erstmals den neuen Bus nutzen. Im Bus zum Platz in Liga acht?

Was sich ein bisschen verrückt anhört, entpuppt sich als cleverer Coup. Der linksorientierte Verein ist, wie es der Verein formuliert, eine ungewöhnliche Sponsoringpartnerschaft eingegangen. Mit Lonsdale. Waren des englischen Herstellers von Sportbekleidung und Boxausrüstung galten über viele Jahre in der rechtsextremen Szene als schick. Besonders beliebt bei Kameraden waren Jacken und T-Shirts mit dem markanten Logo.

Und diese Marke sponsert nun einen alternativen Verein mit rotem Stern im Wappen? Einen Verein, dessen Engagement gegen Diskriminierung der Deutsche Fußballbund mit dem renommierten Julius-Hirsch-Preis geehrt hat. Und dessen Spieler wie Anhänger bereits von Neonazis attackiert wurden. Auf den zweiten Blick passt das zusammen. Denn Lonsdale distanziert sich seit den 1990er-Jahren von ungeliebter Kundschaft. Der Hersteller kündigte rechtsextremistischen Händlern und hat nach eigenen Angaben „mit diesem Schritt vor allem in den neuen Bundesländern damals freiwillig und gerne große Umsatzeinbußen hingenommen“. Unterstützt werden Aktionen wie Konzerte gegen rechts. Zudem sponsert das Label weitere Vereine aus dem linken Spektrum: den SV Babelsberg und die Boxer des FC St. Pauli.

So hat Lonsdale erreicht, dass die Marke nicht mehr als Erkennungszeichen von Neonazis wahrgenommen wird. Die „gemeinsame Position gegen Rechtsextremismus und Rassismus“ verbinde Roter Stern und das Unternehmen, teilt der Bekleidungsproduzent mit. Lonsdale wirbt auf den Trikots und stellt den Bus. Bleibt die Frage: Wozu ein Bus in der Stadtliga? Er soll vorrangig bei Auswärtspartien der Vereinsjugend eingesetzt werden. Doch nicht nur. Ausgestattet ist er mit Audiotechnik, sodass er bei Demonstrationen gegen Neonazis als Lautsprecherwagen fungieren kann.

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