Sonntag, 23.12.2012
Bürgerrechtler erinnern an Hinrichtungen in der DDR
In einem 20 Quadratmeter großen Raum wurden mitten in Leipzig 64 DDR-Bürger hingerichtet - mit der Guillotine oder per Genickschuss. Jetzt soll aus diesem Ort eine Erinnerungsstätte werden.
Tobias Hollitzer, Leiter der Gedenkstätte «Runde Ecke», zeigt den Standort der Guillotine in der letzten zentralen Hinrichtungsstätte der ehemaligen DDR. Foto: dpa
Leipzig.
Der Leipziger Bürgerrechtler Tobias Hollitzer setzt sich dafür ein, die ehemalige zentrale Hinrichtungsstätte der DDR bis 2016 zu einem Erinnerungsort zu machen. «Mit der letzten Hinrichtung in Leipzig ging die fast 450-jährige Geschichte der Todesstrafe auf deutschem Boden zu Ende», sagte der Leiter der Leipziger Stasi-Gedenkstätte «Runde Ecke» in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. 25 Jahre nach Abschaffung der Todesstrafe 1987 sei es an der Zeit, diesen Teil deutscher Geschichte aufzuarbeiten. 1981 wurde in Leipzig mit einem Genickschuss von hinten das letzte deutsche Todesurteil vollstreckt.
«Wir brauchen die Erinnerung an die Hinrichtungen in der DDR», sagte Hollitzer. Man müsse sich auch ins Gedächtnis rufen, welches Missbrauchspotenzial diese Strafform habe. «Unter den 64 hingerichteten Menschen waren auch Verbrecher. Dennoch hatten fast alle Verurteilungen eine politische Dimension.»
Für die Angehörigen seien die bedrückenden Räume der letzte Ort für ihre Trauer. «Die Hingerichteten wurden alle anonym eingeäschert, der wahre Todesort gefälscht. Kaum jemand in Leipzig wusste, dass mitten in der Stadt Menschen hingerichtet wurden. Das war alles streng geheim», sagte der 46-Jährige.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es die Todesstrafe zunächst in allen Besatzungszonen der Alliierten weiter. In der Bundesrepublik wurde sie 1949 durch das Grundgesetz abgeschafft. In der DDR waren Hinrichtungen noch bis 1987 möglich. Bis 1952 wurden sie in den jeweiligen Ländern durchgeführt, danach zentral in Dresden und ab 1960 in Leipzig.
Hinrichtungen in der DDR waren streng geheim, die Abläufe sorgfältig geregelt. Bis 1967 wurden die Verurteilten mit einer Guillotine enthauptet. Später wurden die Todes-Kandidaten in einen kleinen Raum geführt und ohne Ankündigung von hinten mit einer Pistole erschossen. Die Leichen wurden anonym eingeäschert und der wahre Todesort auf dem Totenschein gefälscht.
Der Hinrichtungstrakt im ehemaligen königlich-sächsischen Landgerichtsgefängnis in Leipzig war durch Mauern und mehrere Tore hermetisch abgetrennt. Die letzte Todesstrafe auf deutschem Boden wurde 1981 am Stasi-Hauptmann Werner Teske vollstreckt.
Nach einem Konzept des Stasi-Museums «Runde Ecke» soll eine Ausstellung auf vier Etagen in dem ehemaligen DDR-Gefängnis über die Todesstrafe in der DDR, die Abläufe der Hinrichtungen in Leipzig, die Biografien der Hingerichteten und über die Geschichte des Hauses informieren. Die Hinrichtungsstätte im Erdgeschoss soll jedoch im Originalzustand bleiben. «Diese Räume sprechen für sich und dürfen nicht mit einer Ausstellung überformt werden.»
Das Konzept für die Erinnerungsstätte liegt nach Hollitzers Angaben seit mehr als einem Jahr vor. Der Freistaat Sachsen hatte bereits vor zehn Jahren dem Justizministerium die Aufgabe erteilt, die Hinrichtungsstätte zu erhalten und deren Geschichte zu erforschen. «Im neuen sächsischen Haushalt wurde die Hinrichtungsstätte berücksichtigt», so Hollitzer. Auch Bundesmittel sollen fließen. Ob Sachsen den nötigen Eigenanteil schon im Frühjahr bereitstellt, ist jedoch noch unklar. «Aber ich bin optimistisch, dass wir 2013 mit der Planung und 2015 mit dem Bau beginnen können.»
Tobias Hollitzer leitet das Stasi-Museum «Runde Ecke» in Leipzig und ist Gründungsmitglied des Bürgerkomitees Leipzig. Seit 1991 ist er stellvertretender Außenstellenleiter des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Stasi. Hollitzer veröffentlichte mehrere Schriften zur Diktaturgeschichte der DDR. (dpa)
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Leipzig. Der Leipziger Bürgerrechtler Tobias Hollitzer setzt sich dafür ein, die ehemalige zentrale Hinrichtungsstätte der DDR bis 2016 zu einem Erinnerungsort zu machen. «Mit der letzten Hinrichtung in Leipzig ging die fast 450-jährige Geschichte der Todesstrafe auf deutschem Boden zu Ende», sagte der Leiter der Leipziger Stasi-Gedenkstätte «Runde Ecke» in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. 25 Jahre nach Abschaffung der Todesstrafe 1987 sei es an der Zeit, diesen Teil deutscher Geschichte aufzuarbeiten. 1981 wurde in Leipzig mit einem Genickschuss von hinten das letzte deutsche Todesurteil vollstreckt. (...)
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http://www.sz-online.de/sachsen/buergerrechtler-erinnern-an-hinrichtungen-in-der-ddr-2469860.html