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Donnerstag, 31.12.2015

Böse Überraschung nach der Weihnachtsreise

Ein Görlitzer kam gerade noch rechtzeitig zurück: Diebe wollten seine Wohnung ausräumen. Allerdings ist der Mann daran nicht unschuldig.

Von Ralph Schermann

Bereitgestellt zum Abtransport: Die Beute aus einer Wohnung füllte Taschen, Koffer, Beutel und Kisten. Zum Glück blieb es dabei.
Bereitgestellt zum Abtransport: Die Beute aus einer Wohnung füllte Taschen, Koffer, Beutel und Kisten. Zum Glück blieb es dabei.

Hubert Kupfer reist gern. Er ist mal hier, mal da. In Görlitz jedoch hielt es den Mann aus Fulda länger. Als er sich vor ein paar Jahren in die Neißestadt verliebte, suchte er eine Nebenwohnung, um öfter durch Görlitz streifen zu können. Er fand sie auf der Salomonstraße. Trotzdem unternimmt der Mann, der am Dienstag seinen 72. Geburtstag feierte, weitere Reisen. Am 20. November zog es ihn in die Türkei. Als er kurz vor Weihnachten zurückkam, erwartete ihn allerdings eine böse Bescherung.

„Ich hätte keinen Tag später zurückkommen dürfen“, berichtet er, „denn meine Görlitzer Wohnung war komplett leergeräumt.“ Dennoch fehlte nichts. Alles war in Dutzenden Taschen, Koffern und Beuteln im Flur zur Abholung bereitgestellt. „Sogar meine Zahnbürste haben die eingepackt“, empört sich Hubert Kupfer.

Im Polizeirevier erstattet der Mann Anzeige. Die Beamtin vom Kriminaldienst allerdings weiß kaum, was sie ins Protokoll schreiben soll. Gestohlen wurde nämlich (noch) nichts, also handelt es sich allenfalls um den Versuch eines Diebstahls. Einbruch? Kommt nicht infrage, denn Hubert Kupfer war so leichtsinnig, seine Haus- und Wohnungsschlüssel aus der Hand zu geben. Zum Glück kam er rechtzeitig zurück, denn bei so einer Begünstigung hätte die Hausratsversicherung keinen Euro herausgerückt, im Gegenteil: Wahrscheinlich hätte der Fast-Bestohlene dann auch die Neuanfertigung von Hausschlüsseln für alle Mieter aus seiner Tasche zahlen müssen.

Freilich ist es durchaus normal, dass man Schlüssel an Nachbarn gibt, damit die während der Abwesenheit nach dem rechten sehen und Post abnehmen können. Doch ob Nachbarn, Verwandte oder Bekannte – man muss sich auf diese auch verlassen können. Hubert Kupfer indes lernte auf der Berliner Straße eine Dorota aus Zgorzelec kennen. Oder hieß sie Bianca? Er weiß es nicht so genau. Sie bot ihm an, die Wohnung zu putzen und bekam dafür die Schlüssel. Und erzählte, dass ihr Sohn Rafal gelegentlich Probleme mit seiner Wohnung habe. Im Oktober bereits gestattete Hubert Kupfer jener Dorota oder Bianca, bei seiner längeren Abwesenheit die Wohnung auf der Salomonstraße nutzen zu dürfen. „Als Notquartier“, sagt er.

„Na ja, ich bin immer positiv eingestellt und habe zu anderen Menschen viel Vertrauen“, bekennt er. Für die Polizei ist es dagegen kein Vertrauen, sondern Blauäugigkeit, jemandem Schlüssel zu überlassen, von denen man nicht mal die Anschrift kennt. Bei so einem Leichtsinn kann Hubert Kupfer erst recht nicht wissen, dass der Sohn seiner „Putzfrau“ einen Freund namens Fred hat, der in der Zgorzelecer Kriminalstatistik bereits mehrere Seiten füllt. Diese Kenntnis freilich nützt wenig. Entscheidend für die Ermittlung ist: Wer hat tatsächlich den Schlüssel beim Diebstahlsversuch in der Hand gehabt? Hat ihn der Freund vom Freund bekommen oder diesem vorübergehend entwendet? Die Verdächtigen schweigen oder wollen es nicht gewesen sein, klar. Spuren wurden zwar gesichert, sind aber wertlos, wenn sich jeder mehr oder weniger berechtigt in den Zimmern aufhielt. Mangels Tatnachweis und mangels tatsächlich gestohlenen Sachen wird der Zwischenfall von der Salomonstraße wohl bald zu jenen Ermittlungen gehören, die in der Ablage landen. Hubert Kupfer dagegen reist weiter: „Ich gebe die Wohnung ab und bleibe jetzt in Fulda. Für einen Besuch ab und an in Görlitz wird künftig ein Hotelzimmer reichen.“

* Alle Namen redaktionell verändert