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Samstag, 15.07.2017

Blutverschmierte Jacke in der Wäsche

Im Prozess um rassistische Prügelattacken bei einem Fest in Polenz werden die Angeklagten weiter belastet.

Von Alexander Schneider

Die Prügel-Attacke will nicht zur Polenzer Dorfidylle passen.
Die Prügel-Attacke will nicht zur Polenzer Dorfidylle passen.

© Tobias Wolf

Neustadt. Das ist eine Überraschung. Ermittler vom Operativen Abwehrzentrum haben die blutverschmierte Jacke des Hauptangeklagten Sebastian K. bei einer Wohnungsdurchsuchung entdeckt. Sie lag in der Wäsche, wie auch die kurze Hose des mutmaßlichen Schlägers. An beiden Kleidungsstücken haben die Forensiker Blutspuren der Geschädigten nachweisen können.

Sebastian K. (32) und Sebastian S. (24) aus Bad Schandau sowie Maik R. (38) aus Neustadt sollen im Juni 2016 auf dem Sonnenwendfest des Polenzer Schalmeienorchesters gezielt zwei Bulgaren und einen Deutschen rassistisch beleidigt, zusammengeschlagen und zum Teil schwer verletzt haben. Ziel des Trios sei es gewesen, Ausländer von dem Fest zu vertreiben. Die drei müssen sich seit April etwa wegen gefährlicher Körperverletzung und Verwendens von Nazi-Symbolen vor dem Landgericht Dresden verantworten. Weil K. einem Bulgaren mehrfach mit einem Bierkrug auf den Kopf geschlagen haben soll, wird ihm auch versuchter Mord vorgeworfen.

Am Donnerstag berichteten Ermittler über die Wohnungsdurchsuchungen bei den Angeklagten wenige Tage nach der Tat. Die blutverschmierte Wendejacke in K.s Wäsche – rot-schwarz-kariert auf der einen, beige auf der anderen Seite – ist wohl ein Glücksfall, denn die Angeklagten sollen noch in der Tatnacht versucht haben, das Kleidungsstück verschwinden zu lassen. K. sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Weiter waren die Zeugenvernehmungen der Polizisten ein Thema. Danach hatten mehrere Polenzer – Festbesucher, Feuerwehrleute, Musiker – den Beamten gegenüber wesentlich klarere Angaben gemacht als später im Prozess. Ein Feuerwehrmann etwa hatte den Beamten gesagt, er habe gesehen, wie K. mit dem Bierkrug auf den am Boden liegenden Mann eingeschlagen habe – im Gericht hatte sich der Zeuge daran nicht erinnern können oder wollen. Die Ermittler sagten, einige Polenzer hätten ihnen gegenüber angegeben, sie hätten Angst vor den Angeklagten und ihrer Nazi-Gruppe, mit der sie auf dem Fest waren. Der Prozess wird fortgesetzt.