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Dienstag, 02.01.2018

Blitzerstadt bleibt unter Plan

In Radebeul und Coswig wird 2017 weniger Geld eingenommen. Eine neue Raserstrecke entwickelt sich.

Von Peter Redlich

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Beliebte Stelle fürs Radebeuler Ordnungsamt zum Blitzen – der Tempo 30-Bereich auf der Kötzschenbrodaer Straße zwischen Tankstelle und dem Ortsteileingang zu Serkowitz.
Beliebte Stelle fürs Radebeuler Ordnungsamt zum Blitzen – der Tempo 30-Bereich auf der Kötzschenbrodaer Straße zwischen Tankstelle und dem Ortsteileingang zu Serkowitz.

© Matthias Schumann

Radebeul. Die Einnahmen fürs Blitzen werden sogar im Stadthaushalt von Radebeul und Coswig festgehalten. 915 000 Euro hat Radebeul in diesem Jahr als Zielvorgabe. „Das wird es nicht werden“, sagt Ingolf Zill, Leiter der Verkehrsbehörde, schon mal vor der genauen Abrechnung. Auch für Coswig, für dessen Ordnungsamt Radebeul per Vertrag mitblitzt, wird es weniger werden. Bei der Auswertung der Daten am Computer zeigt sich, warum das so ist.

Die einträglichsten Fotoanlagen stehen ganz im Osten und Westen der Stadt

An den Grundaussagen der letzten Jahre hat sich wenig geändert. Am meisten lösen die beiden Blitzersäulen ganz im Osten Radebeuls an der Waldstraße und vor Wackerbarth aus. An beiden Stellen kann die Geschwindigkeit sowohl land- als auch stadtwärts gemessen werden.

Der neue große Unterschied zu den Zahlen von vor zwei Jahren ist das Verhalten der Autofahrer. Klickte es allein in einer Woche an der Waldstraße damals noch 1 100- bis 1 200-mal, so sind das 2017 etwa 250 bis 450 Fotos in der Woche. Vor Wackerbarth sind es heute rund 100 je Woche, ein Sechstel von vor zwei Jahren. Regelrecht mager ist die Ausbeute aus Stadtsicht an der Wilhelm-Eichler-Straße vor Grundschule und Hort. Dort sank in den letzten beiden Jahren zu heute die Zahl von einst 300 erwischten Zu-schnell-Fahrern in der Woche auf 20 bis 30.

An der Bilanz zeigt sich, so Zill, dass alleine das Blitzen an der Waldstraße 60 bis 70 Prozent der jährlichen Fälle ausmacht. Von 2015 mit 60 000 Fällen liegt die Zahl in diesem Jahr vor Weihnachten bei knapp 27000. Ingolf Zill: Offenbar tritt eine erzieherische Wirkung ein. Das wollen wir ja auch, nicht in erster Linie Geld einnehmen.“ Die grauen Säulen sollen dennoch an den festgelegten Orten stehenbleiben. Die Stadt hat einen Vertrag mit der Firma Jenoptik, von der die Geräte stammen und installiert werden. Dafür wird Jenoptik zu einem einstelligen Prozentsatz an den Einnahmen beteiligt.

Die Geräte erlauben es, auch umgesetzt zu werden. Noch habe das die Stadt aber nicht vor. Im Gegenteil, Ordnungsbürgermeister Lehmann hat den Vorschlag für eine weitere Säule auf dem Tisch. In den nächsten Wochen soll dafür die Entscheidung fallen.

Vor der Autobahnbrücke ist eine der gefährlichsten Strecken

Die Experten von Jenoptik haben in den letzten Tagen den möglichen neuen Standort zwischen Forststraße und Autobahnbrücke auf der Meißner Straße geprüft. Die Prüfung habe gezeigt, dass hier sehr oft zu schnell gefahren werde, so Zill. Und das, obwohl auch hier der mobile Blitzer im Einsatz ist. Zill: „Es gibt in diesem Abschnitt sogar extreme Ausreißer mit 130 und 140 km/h.“

Im Jahr 2017 ereigneten sich hier mehrere Unfälle mit Fußgängern, vor allem mit Fahrzeugen, die in der zweiten Reihe überholt haben. Auch diese können von einem neuen Blitzer registriert werden.

Mobiles Blitzen auf Schleichwegen und Umleitungsstrecken

Entgegen der Tendenz der abnehmenden Schnellfahrerfälle bei den stationären Blitzern entwickeln sich die Zahlen beim mobilen Blitzen. Radebeul hat zwei Skoda Roomster mit je einer Kamera im Einsatz. Zu drei Viertel werden diese Fahrzeuge an 50 verschiedenen Messstellen in Radebeul eingesetzt. Zu einem Viertel in Coswig. Mit den Nachbarn hat die Radebeuler Verkehrsbehörde einen Vertrag zum Mitblitzen abgeschlossen.

Haben die Mitarbeiter aus dem Blitzerauto – vorwiegend an Tempo 30-Stellen – 2015 noch 4 200 verwertbare Fotos geschossen, so sind es in diesem Jahr 12 500 bis vor Weihnachten. Ingolf Zill: „Wir haben uns, auch auf Wunsch der jeweiligen Anwohner, ebenfalls an Schleichwegen und Umleitungsstrecken postiert.“ Gemeint sind etwa der Jacobstein, Altnaundorf und die Friedhofstraße in Radebeul. In Coswig seien die Cliebener Straße und die Auerstraße die ergiebigsten. Bei den meisten Bescheiden, etwa 97 Prozent, waren die Fahrer neun bis 19 km/h zu schnell unterwegs – vor dem Toleranzabzug. Damit sind das Verwarngelder von 15 bis 25 Euro.

Am Jahresende, so Zill, ist Radebeul bei den Einnahmen unter 800 000 Euro geblieben. In Coswig, wo es rund 7 000 Blitzerfälle im Jahr 2017 gegeben hat, darf die Stadt mit etwa 120 000 Euro rechnen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

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  1. Dresdner45

    Wir geht dass, einen Plan für Blitzer-Einnahmen? Ich denke, es geht um die Erhöhung der Sicherheit. Wenn weniger Fahrer geblitzt worden sind, ist doch der Erziehungsauftrag erfüllt.Oder geht es nicht darum?

  2. kein Fan

    Bitte den Artikel aufmerksam zwischen den Zeilen lessen. Die Blitzergeräte gehören dem Hersteller und dieser bekommt eine Provision pro erfassten "Raser". Die im Artikel genannten "Fachleute" wählen selbstverständlich die Messorte nicht nach verkehrserzieherischen Punkten (Krankenhaus, Schule, Kita) aus, sondern aus rein umsatzorientierten Gesichtspunkten. Oder will mir hier jemand was anderes weismachen? Zum Glück hat mein Beifahrer eine Blitzer-App.

  3. Kalle

    @Dresdner45 Unfallursache Nummer Eins ist die "überhöhte Geschwindigkeit". Das Eine schließt das Andere also nicht aus, man kann durchaus Einnahmen generieren und dabei die Sicherheit erhöhen. Ich würde die rückläufigen Blitzerzahlen auch nicht wirklich auf einen Lerneffekt bei den Autofahrern zurückführen, eher werden die Blitzerstellen nun bekannt sein, Blitzerapps und Navigationssyteme davor waren. Dies wäre eigentlich ein Grund auf mehr mobile Blitzer zu setzen und häufig die Standort, auch wenn nur um einige hundert Meter, zu wechseln. Besser wären natürlich Streckenblitzer, die die Geschwindigkeit über mehrere Kilometer erfassen oder die Überwachung mittels der verbauten Navigationssysteme. Die könnten nach dem Warnton, sicherlich auch gleich ein Knöllchen rausschicken, was Geschwindigkeitsüberschreitungen ortsunabhängig verhindern könnte.

  4. Frank

    Rasen ist in Deutschland so lächerlich kostengünstig. Ich wünschte privatpersonen könnten Blitzer aufstellen dann würde ich die 30 Zone in meinem Viertel "vermienen" und alle im Viertel hätten was davon.

  5. Kalle

    @Kein Fan Wenn Sie sich die Verkehrsunfälle der letzten Zeit anschauen, werden Sie feststellen können, dass diese auch abseits von Krankenhäusern, Schulen oder Kitas passierten. Auch auf Landstraßen und Autobahnen verunglücken Menschen, nur verletzen oder sterben dann meistens Insassen und keine Passanten. Ich denke auch Autofahrer und deren Mitfahrer dürfen durchaus geschützt werden. Ob Sie die Umsatzerwartung der Betreiber erfüllen liegt dabei ausschließlich bei Ihnen selbst, Sie werden nicht zum Rasen gezwungen.

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