erweiterte Suche
Sonntag, 24.01.2016

Betriebe pochen auf Bleibeperspektive

Viele Unternehmen zwischen Chemnitz und Plauen stehen Mitarbeitern mit Migrationshintergrund aufgeschlossen gegenüber. Doch anhaltende Sprachprobleme machen es jungen Flüchtlingen nicht leicht.

Der afghanische Flüchtling Sha Kah Ahmadi (l.) und der indischen Flüchtling Singh Satwinder feilen in der Fortbildungsakademie der Wirtschaft in Dresden an Metallwerkstücken.
Der afghanische Flüchtling Sha Kah Ahmadi (l.) und der indischen Flüchtling Singh Satwinder feilen in der Fortbildungsakademie der Wirtschaft in Dresden an Metallwerkstücken.

© dpa

Chemnitz/Zwickau/Plauen. Westsachsens Wirtschaft will in Zukunft stärker auf Migranten setzen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Arbeitsagenturen, Wirtschaftsförderungen, Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer der Region.

Vor allem für junge Flüchtlinge stehen demnach die Chancen gut. Es gebe zunehmend Nachfragen seitens der Unternehmen, den Nachwuchsbedarf mit Migranten zu decken, heißt es etwa von der Handwerkskammer Chemnitz.

Entscheidend sei jedoch die Bleibeperspektive. „Kürzere Aufenthaltsdauern bedeuten, dass Betriebe nicht das Risiko eingehen, Flüchtlinge auszubilden, wenn die Inhaber nicht wissen, ob der Lehrling die Ausbildung abschließen kann“, sagte Pressesprecher Robert Schirmke auf Anfrage.

Einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz vom vergangenen November zufolge sehen 43 Prozent der westsächsischen Unternehmen die Zuwanderung als Chance. Auch nach Angaben der Arbeitsagentur Chemnitz stehen viele Unternehmen der Einstellung von Migranten offen gegenüber.

In der Region Chemnitz läuft seit Sommer 2015 ein Modellprojekt. Dabei werden bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen Qualifikationen erfasst, erklärte Sprecher Heiko Wendrock. Zudem hat eine neu gegründete Fachkräfteallianz die Arbeitsmarktintegration von Migranten im Blick, wie die Chemnitzer Wirtschaftsförderung mitteilte. Ab April sollen demnach die ersten Projekte starten.

Die Arbeitsagentur Zwickau hat eigens eine Stabsstelle eingerichtet, bei der alle Anfragen zusammenlaufen. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen zeigten zunehmend Interesse, hätten aber vor allem mit Blick auf die deutschen Sprachkenntnisse von Flüchtlingen Bedenken, sagte Simone Wagner.

„Es gibt immer wieder Nachfragen von Arbeitgebern“, bestätigt auch Zwickaus Agentursprecherin Mirjam Sobe. Konkrete Einstellungen und Ausbildungsplatzangebote seien derzeit jedoch noch Einzelfälle. Dies hänge insbesondere mit dem Spracherwerb als „wichtigste Voraussetzung“ zusammen. Sie sehe daher in jugendlichen Asylbewerbern vor allem mittel- bis langfristig ein Potenzial für den Ausbildungsmarkt.

Wie viele Lehrstellen es im neuen Lehrjahr geben wird, kann die Behörde voraussichtlich erst im April sagen. Man rechne aber damit, dass es erneut mehr Stellen als Bewerber sein würden, heißt es einhellig in den Arbeitsagenturen der Region. Allein im Erzgebirge blieben im laufenden Ausbildungsjahr rund 200 Lehrstellen unbesetzt. Laut Landesdirektion Sachsen kamen 2015 rund 70 000 Flüchtlinge in Sachsens Erstaufnahmeeinrichtungen an. (dpa)