Freitag, 24.05.2013

Bestattungsbranche mit neuen Trends

Individualität bis in den Tod. Schwarz ist nicht mehr die alleinige Farbe für Trauer. Auch auf deutschen Friedhöfen geht es inzwischen bunter zu. Viele wollen ihre Verstorbenen auf andere Weise in Erinnerung behalten.

Von Jörg Schurig, dpa

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Die Mitarbeiterin des sächsischen Herstellers von Särgen und Pietätsartikeln Völkel, Katharina Zimmermann, zeigt eine Urne. Vom 24.-26. Mai 2013 präsentieren eine Vielzahl von Branchenvertretern die neuesten Entwicklungen, Produkte sowie Dienstleistungen aus den Bereichen Bestattung, Friedhof und Krematoriumswesen.
Die Mitarbeiterin des sächsischen Herstellers von Särgen und Pietätsartikeln Völkel, Katharina Zimmermann, zeigt eine Urne. Vom 24.-26. Mai 2013 präsentieren eine Vielzahl von Branchenvertretern die neuesten Entwicklungen, Produkte sowie Dienstleistungen aus den Bereichen Bestattung, Friedhof und Krematoriumswesen.

©dpa

  • Die Mitarbeiterin des sächsischen Herstellers von Särgen und Pietätsartikeln Völkel, Katharina Zimmermann, zeigt eine Urne. Vom 24.-26. Mai 2013 präsentieren eine Vielzahl von Branchenvertretern die neuesten Entwicklungen, Produkte sowie Dienstleistungen aus den Bereichen Bestattung, Friedhof und Krematoriumswesen.
    Die Mitarbeiterin des sächsischen Herstellers von Särgen und Pietätsartikeln Völkel, Katharina Zimmermann, zeigt eine Urne. Vom 24.-26. Mai 2013 präsentieren eine Vielzahl von Branchenvertretern die neuesten Entwicklungen, Produkte sowie Dienstleistungen aus den Bereichen Bestattung, Friedhof und Krematoriumswesen.
  • Cornelia Wehle von der hessischen Spalt Trauerwaren GmbH, zeigt eine Urne mit der Abbildung des Brandenburger Tors.
    Cornelia Wehle von der hessischen Spalt Trauerwaren GmbH, zeigt eine Urne mit der Abbildung des Brandenburger Tors.
  • Der Außendienstmitarbeiter des Heidener Fahrzeugbauers Kuhlmann Cars, Mario Brünger, demonstriert die Funktion eines Kabinenwagens.
    Der Außendienstmitarbeiter des Heidener Fahrzeugbauers Kuhlmann Cars, Mario Brünger, demonstriert die Funktion eines Kabinenwagens.

Dresden. An der Urne für den Imker klebt eine Wabe mit toten Bienen. Und an den Uhrmacher erinnern kleine Zahnrädchen und ein Ziffernblatt. Immer mehr Menschen in Deutschland wollen ihre toten Angehörigen in alternativ gestalteten Särgen oder Urnen beerdigen und die Feier ganz individuell ausrichten. Warum sollte ein Jugendlicher mit klassischer Musik zu Grabe getragen werden? Als Werner Billing, Chef der Landesinnung sächsischer Bestatter, einmal zwei verunglückte 16-Jährige beerdigen musste, ließ er Techno-Klänge einspielen: „Da waren 200 Jugendliche, da kann ich nicht Wagner oder irgendeinen spielen.“

„Es geht um die Wiederbelebung von Erinnerungskultur“, sagt Sabine Möller vom Schweizer Unternehmen Algordanza. Die Erinnerungsdiamanten GmbH hat in Lindau am Bodensee eine Niederlassung und ist inzwischen in vielen Ländern präsent. Sie stellt aus der Asche Toter Diamanten für die Hinterbliebenen her. Die künstlichen Edelsteine schimmern bläulich. „Der Verstorbene entscheidet, in welcher Farbe er zurückkehrt“, sagt Möller. Jeder Mensch trage auch das chemische Element Bor in sich. Je mehr Bor am Kohlenstoff gebunden sei, desto blauer werde der Diamant. Die hochkarätige Form menschlicher Überreste hat ihren Preis. Der ungeschliffene Rohdiamant ist ab 3859 Euro zu haben, der Brillant ab 4641 Euro.

Für weniger Betuchte zeigt Algordanza jetzt auf der Messe PIETA in Dresden erstmals „Erinnerungskristalle“ - Glas, in das Asche eingestreut wird. Auch in gläsernen Herzen bleiben die Verstorbenen allgegenwärtig. „Mit jeder Berührung der kleinen Seelentröster wird es einem warm ums eigene Herz“, heißt es im Werbetext. Die Asche, die nicht verwendet wird, kommt auf einem Waldfriedhof in den Schweizer Alpen in die Erde. Die Angehörigen bleiben im Bilde - sie erhalten ein Zertifikat mit den GPS-Koordinaten der Grabstätte. „Viele kommen später nicht damit zurecht, ihre Toten anonym beerdigt zu haben“, beschreibt Möller den Wunsch nach einem Ort für die Trauer.

Diese Erfahrung hat auch Bestatter Billing gemacht. Während viele Angehörige nach dem Wegfall des Sterbegeldes 2004 ihre Toten zunächst völlig anonym auf den dafür vorgesehenen Wiesenflächen von Friedhöfen bestatten ließen, geschehe das heute zumeist in Gemeinschaftsgräbern, auf deren Grabsteinen die Namen vermerkt sind. Der Mensch sei auch im Tod nicht anonym, sagt Billing. Der Innungschef versteht den Wunsch nach mehr Individualität, sieht jedoch Auswüchse kritisch: „Es gibt Kollegen, die sagen: Jede Trauerfeier muss ein Event sein. Ich sage: Jede Trauerfeier muss würdevoll sein.“

Das sieht Irina Hradsky nicht anders. Die Meisterin für Friedhofsgärtnerei aus Pirna bietet Hinterbliebenen an, Urnen und Särge selbst zu gestalten und berät sie dabei. „Die Leute stehen nicht unter dem Druck alles perfekt machen zu müssen. Auch das Leben verläuft ja nicht perfekt“, sagt Hradskys Tochter Maria Linn. Ihre Oma, eine gelernte Schneiderin, hat sich schon zu Lebzeiten ihren Sarg selbst gestaltet. Er ist grün und mit einer Borde geschmückt. Ihr Mann, ein Altphilologe, wurde in einem Sarg beerdigt, der mit Seiten aus dem Werk des italienischen Dichters Dante beklebt war. (dpa)

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