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Dienstag, 26.07.2016

Banner gegen Flüchtlinge vor Lutherkirche

Eine Radebeuler Gruppe vergleicht Asylbewerber mit Mördern. Der Pfarrer würde gerne mit ihr sprechen.

Von Peter Redlich

Die Lutherkirche in Radebeul.
Die Lutherkirche in Radebeul.

© Symbolbild/Norbert Millauer

Radebeul. Der Radebeuler Stadtrat Martin Oehmichen (Bürgerforum/Grüne) informierte am Montag darüber, dass er ein vor der Lutherkirche aufgehängtes Plakatbanner entfernt habe. Das Banner – so ein inzwischen auf Youtube eingestelltes Video – stammt offenbar von einer Gruppe, die sich „Radebeul 350“ nennt. Hinter der kryptischen Bezeichnung steckt ein lokaler Ableger der neurechten Ein-Prozent-Bewegung.

Auf dem Banner steht der Spruch „Jesus folgen heißt nicht, praktizierende Mörder aufzunehmen!!! Nizza Paris Würzburg Brüssel???“. Der Spruch bezieht sich offenbar auf den über dem Kirchenportal aufgehängten Bibelauszug „Christus spricht: Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Matthäus 25,35“. Unter dem am Sonntag aufgehängten Plakat wurde zusätzlich der Umriss eines Menschen auf den Fußweg aufgesprüht, so Oehmichen. Der Stadtrat: „Mit der tatkräftigen Unterstützung junger Radebeuler Pfadfinder habe ich diesen menschenverachtenden populistischen Schwachsinn entfernt.“

Lutherkirche-Pfarrer Christof Heinze sagt, dass es bereits im Juni eine ähnliche Aktion vor der Kirche gab. Damals habe auf einem Banner gestanden „Jesus hat keine Frauen begrapscht.“ Das Plakat wurde abgehängt, die Stadt und die Nachbargemeinden informiert. Anzeige habe die Kirche nicht erstattet. Heinze: „Wir sind nicht angegriffen worden.“ Aus der Sicht der Plakatschreiber werde hier eine Gegenposition bezogen. Es sei ihm viel wichtiger, mit diesen Leuten ins Gespräch zu kommen. „Vielleicht gibt es in Radebeul jemanden, der sagt, ich stehe dazu und bin bereit, mit dem Kirchenvorstand zu reden“, so Pfarrer Heinze.