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Dienstag, 17.10.2017

Aus für Geburtenstation

Das Krankenhaus Bischofswerda verliert einen seiner wichtigsten Bereiche. Bautzen profitiert davon.

Von Nicole Preuß

Die Frauenklinik und Geburtenhilfe des Krankenhauses Bischofswerda zieht nach Bautzen. Damit endet eine Epoche. 7500 Kinder kamen in den vergangenen 20 Jahren in Bischofswerda zur Welt, 10000 Operationen wurden durchgeführt. Die Klinikleitung will mit dem Umzug Ressourcen in Bautzen bündeln.
Die Frauenklinik und Geburtenhilfe des Krankenhauses Bischofswerda zieht nach Bautzen. Damit endet eine Epoche. 7500 Kinder kamen in den vergangenen 20 Jahren in Bischofswerda zur Welt, 10 000 Operationen wurden durchgeführt. Die Klinikleitung will mit dem Umzug Ressourcen in Bautzen bündeln.

© Thorsten Eckert

Bischofswerda. Die Oberlausitz-Kliniken holen die Bischofswerdaer Frauenklinik nach Bautzen. Das sagte Geschäftsführer Reiner E. Rogowski jetzt den Mitarbeitern in Bischofswerda und Bautzen in zwei Mitarbeiter- Versammlungen. 7 500 Kinder kamen in der Klinik zur Welt, 10 000 Operationen wurden durchgeführt. „Es geht eine Ära zu Ende“, sagt er. „Der Schritt ist natürlich mit Emotionen verbunden, schließlich fällt so auch der Geburtsort Bischofswerda künftig weg.“ Er sehe aber keine andere Möglichkeit, als diesen Weg zu gehen.

Der Schritt überrascht. Denn eigentlich hatten sich die Geburtenzahlen in Bischofswerda auf relativ hohem Niveau eingepegelt, seit die Geburtenstation des Krankenhauses Sebnitz geschlossen worden war. 396 Babys kamen im vergangenen Jahr in Bischofswerda zur Welt, 400 Kinder werden in diesem Jahr erwartet. Dazu kamen in der Vergangenheit zahlreiche Frauen, die sich in der Frauenklinik behandeln ließen. Das Krankenhaus warb mit organschonendem Operieren und minimal-invasiven Eingriffen. Die Zahl der Patienten ist deshalb auch nicht der Grund, weshalb die Geburtenstation geschlossen werden soll. Es geht darum, dass sich die Verweildauer in den Krankenhäusern in den vergangenen 15 Jahren halbiert hat. Wenn die Patienten kürzer bleiben, werden allerdings, statistisch gesehen, auch weniger Betten gebraucht. „Ich erwarte daher im neuen Landeskrankenhausplan im Sommer eine Reduzierung der Bettenzahl“, sagt Reiner E. Rogowski. Die Schließung der Geburtenstation ist scheinbar bereits eine erste Reaktion auf diese Erwartung.

Die Klinikleitung hofft außerdem, so auch das Personalproblem in den Griff zu bekommen. Es war in der Vergangenheit schwer, genügend Ärzte, Hebammen und Kinderkrankenschwestern für beide Standorte zu finden. Elf Hebammenstellen gibt es in Bischofswerda, aber nicht alle sind besetzt. „Wir wollen die Fachkompetenz in Bautzen bündeln und dadurch die Kompetenz erhöhen“, sagt Reiner E. Rogowski. Die Bischofswerdaer hatten bisher zudem immer den Anspruch, zu den Entbindungen auch einen niedergelassenen Kinderarzt zu holen, obwohl das nicht vorgeschrieben war. „Das können wir in Bischofswerda aber nicht mehr gewährleisten“, sagt der Geschäftsführer. Die Bautzener haben die Kinderklinik gleich im Haus. Auch deshalb entscheiden sich nach Erfahrung des Geschäftsführers immer mehr Mütter für eine Entbindung in Bautzen. 900 Babys werden wohl in diesem Jahr wieder in der Bautzener Klinik geboren.

Krankenhaus wird medizinisches Zentrum

Die Klinikleitung plant deshalb, in Bautzen ein Frauen- und Kinderzentrum zu gründen. Die 14 Betten der Frauenklinik Bischofswerda werden damit in die Nachbarstadt ziehen. Die Klinikleitung plant zudem, weitere Räume in Bautzen mit mobilem Equipment für Entbindungen zu versehen. So werden die festen Kreißsäle in der Klinik entlastet. Die Bautzener Frauenklinik wurde erst neu gebaut und 2015 eröffnet. Klinik-Geschäftsführer Reiner E. Rogowski geht trotzdem davon aus, dass die Zimmer auf der Geburtenstation nicht reichen werden. Deshalb ist erst einmal geplant, auch Räume einer anderen Station für die jungen Mütter zu nutzen.

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Die Bischofswerdaer behalten die ambulante gynäkologische Behandlung in ihrem Krankenhaus. Das Babyschwimmen wird auch weiterhin in der Klinik angeboten. „Wir wollen das Krankenhaus in Bischofswerda mehr zu einem medizinischen Zentrum entwickeln“, sagt Reiner E. Rogowski. Das bedeutet, dass das Krankenhaus nur noch eines von vielen Angeboten ist. Schon jetzt gibt es Kurzzeitpflege, ambulante Rehabilitation und Praxen auf dem Gelände. 2018 sollen auch Schmerzpatienten stationär aufgenommen werden. Die Chirurgie und die Innere Medizin bleiben wichtige Eckpfeiler in Bischofswerda. „Wir beabsichtigen außerdem, weitere Arztpraxen ins Krankenhaus zu holen“, sagt der Geschäftsführer. Die Bautzener spezialisieren sich im Gegenzug im neuen Zentrum auf verschiedene Fachgebiete. Ein Anliegen ist es zum Beispiel, Kinder mit Essstörungen nach der Akutbehandlung weiter in Bautzen zu betreuen. Bisher werden die Kinder nach dem Klinikaufenthalt in eine Psychiatrie geschickt. Das soll sich ändern.

Station wurde 1998 eröffnet

Die Frauenklinik in Bischofswerda war noch nicht lange wieder in der Region verankert, sie zog 1998 aus Großröhrsdorf in die Stadt. Die Klinikleitung plant schon seit ungefähr zwei Jahren, die Klinik nach Bautzen zu holen, verschob die Idee aber immer wieder. Nun soll es so weit sein. Ende des Jahres könnte das Konzept stehen, im Frühjahr soll die Frauenklinik dann in die Kreisstadt ziehen. Die Mitarbeiter, acht Ärzte, mehrere Hebammen und Kinderkrankenschwestern können mit nach Bautzen wechseln. „Wir wollen keinen entlassen“, sagt der Geschäftsführer.

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