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Samstag, 06.02.2016

Aufzug am Burgberg ist eine Fehlkonstruktion

Die Stadt Meißen hält ein Gutachten zum Pannen-Lift vor der Öffentlichkeit geheim. Aus guten Gründen.

Von Jürgen Müller

Zwar ist die Strecke am Burgberg nur kurz – wenn der Aufzug aber streikt, kann sie zur Ewigkeit werden.
Zwar ist die Strecke am Burgberg nur kurz – wenn der Aufzug aber streikt, kann sie zur Ewigkeit werden.

© C. Hübschmann

Er sollte für Meißen werben und Touristen anziehen. Der Lift, der Besucher auf den Burgberg befördert. Und tatsächlich brachte er Meißen in die Schlagzeilen – aber in die negativen. Mehrfach fiel er aus, blieb teilweise auf offener Strecke stehen. Die Feuerwehr musste die Fahrgäste in teils halsbrecherischen Aktionen mit der Drehleiter befreien. Die Bilanz nach vier Jahren ist ernüchternd: mehr als 100 Ausfalltage, sieben Evakuierungen, Dutzende technische Störungen. „Die Anlage hat mehr als zwei Millionen Euro gekostet, steht aber ständig still. Das ist Verschwendung von Steuergeldern“, sagt Stadträtin Simone Teske (Freie Bürger/SPD/Grüne).

Bisher hatte die Herstellerfirma alle Kosten für die Reparaturen übernommen. Doch damit ist es bald vorbei. In wenigen Monaten läuft die Gewährleistung aus. Dann könnte die Stadt auf den Reparaturkosten sitzen bleiben. Die hat deshalb einen Sachverständigen beauftragt, ein Gutachten über den Pannenlift zu erstellen. Der SZ liegt das Sachverständigengutachten vor. Auf einen Satz zusammengefasst lautet das Fazit: Der Lift ist in seiner jetzigen Form eine Fehlkonstruktion.

Wilfried Lenz, zertifizierter Sachverständiger für Aufzugsanlagen aus Berlin, hat den Panoramalift dreimal begutachtet. Er stellt unter anderem fest, dass die mechanischen Schalter schwergängig seien, sodass es bei Kälte zum Ausfall der Anlage kommen könne. Er listet weitere Fehler auf: Die Sensorleisten der Türflügel werden schon gestört durch umherfliegendes Laub und durch Einstrahlung bei tiefstehender Sonne. Auf der Türelektronik stand Wasser. Die Kabeleingänge zur Schachttür sind ungeschützt vor eindringendem Wasser. Die Antriebseinheiten sind bereits stark angerostet. Im Maschinenraum fand der Gutachter Rückstände von Wasser. Die hierdurch entstehende Luftfeuchtigkeit schade den elektrischen Bauteilen wie Steuerung, Umrichter und Schaltern.

Die Klimaanlage sei für den Normalfall zwar ausreichend. Wenn jedoch durch einen kompletten Energieausfall die Anlage außer Betrieb gehe, stelle auch die Klimaanlage ihren Betrieb ein. „Im Winter bei niedrigen oder im Sommer bei hohen Temperaturen kann es schnell zu gefährlichen Situationen für die Benutzer kommen“, stellt der Gutachter fest.

Die Stadt will sich zu dem Gutachten nicht äußern. „Die Inhalte des vorliegenden Sachverständigengutachtens sind gegenwärtig nur als Arbeitsgrundlage für die interne Bewertung und Diskussion im zuständigen Stadtratsgremium bestimmt. Die Stadtverwaltung wird daher zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben“, so Pressesprecher Philipp Maurer.

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